Kulturpolitik

NRW erhöht Landesförderung der Theater kräftig

Isabel Pfeiffer Poensgen

Isabel Pfeiffer Poensgen

Foto: Marc Niedzolka

Düsseldorf.   Dss Land NRW erhöht die Förderung der Theater deutlich. Bis 2022 wird die Unterstützung um 20 Millionen Euro angehoben - auf dann 40 Millionen.

Die städtische Theater- und Orchesterlandschaft in NRW steht vor einer deutlichen Erhöhung der Landesförderung. Allein die Grundunterstützung für die Sparten Oper, Schauspiel, Tanz und Orchester wird bis zum Jahr 2022 um 20 Millionen Euro auf etwa 40 Millionen Euro angehoben. Außerdem führt NRW eine zusätzliche Förderung von zehn Millionen Euro für die „Profilbildung“ von Theatern und Orchestern ein. Ungewöhnliche und mitunter kostspielige Projekte können damit vielerorts möglich werden. Von dem Geld, die das Land für die Verbesserung dieser Kultureinrichtungen ausgeben will, profitieren die Kommunen im Revier besonders stark.

Die Landeskassen sind voller als früher, und die schwarz-gelbe Landesregierung gönnt den 18 städtischen Theatern und 15 kommunalen Orchestern, die schon lange unter hohem Kostendruck wirtschaften müssen, eine beachtliche Hilfe. „Wir erfüllen unser Versprechen, der Kultur wieder den ihr gebührenden Stellenwert in der Landespolitik zu geben“, sagte NRW-Kulturministerin Isabel Pfeiffer-Poensgen (parteilos) am Mittwoch.

Essen bekommt 150 Prozent mehr, Geld für eine „einzigartige Theater- und Orchesterlandschaft“

Der Sprecher der Intendanten-Konferenz NRW, der Aachener Theater-Intendant Michael Schmitz-Aufterbeck, lobte die Finanzspritze des Landes für die „einzigartige Theater- und Orchesterlandschaft“ an Rhein und Ruhr.

Wahr ist aber auch: Andere Bundesländer leisten sich eine Kulturförderung, die noch weit über der neuen Zielmarke von NRW liegt. Während hier – historisch bedingt – der Landesanteil an der Theater- und Orchesterfinanzierung bis zum Jahr 2022 von fünf auf zehn Prozent steigen soll, sind es in Niedersachsen bereits 40 Prozent, in Baden-Württemberg 31 und in Bayern 25 Prozent. Das Fernziel müsse daher ein NRW-Landesanteil von 20 Prozent sein, betonte Ministerin Pfeiffer-Poensgen.

Die Bühnen Köln und das dortige Gürzenich-Orchester erhalten bis 2022 die höchste zusätzliche Summe: 2,8 Millionen Euro. Dortmund und Bochum bekommen rund 100 Prozent mehr Förderung als bisher, Theater und Philharmonie Essen sogar fast 150 Prozent mehr, das Musiktheater im Revier in Gelsenkirchen freut sich über ein Plus von 95 Prozent, das Theater Hagen kommt auf immerhin 74 Prozent mehr.

Die großen Unterschiede beim Zuwachs der Zuschüsse lassen sich nach Angaben des Städtetags NRW damit erklären, dass manche Bühnen wie Köln bisher relativ wenig Landesunterstützung bekamen und nun aufholen sollen.

Die Personalkosten machen rund 90 Prozent des Budgets der Bühnen aus, und die Tarifsteigerungen im öffentlichen Dienst schlagen auch hier zu Buche. In der Regel sind die Lohnerhöhungen in den städtischen Etats nicht berücksichtigt worden, gerade in hoch verschuldeten Städten sind die Etats meist gedeckelt, so dass der Anteil der Fixkosten darin immer weiter angestiegen ist. Allerdings hat das technische Personal, zum Beispiel Beleuchter, Tontechniker oder Bühnenmaler, von Lohnsteigerungen mehr profitiert als viele Schauspieler und Musiker.

Wenn nun das Land Extra-Millionen in Theater und Orchester pumpt, sollten die Städte ihrerseits gar nicht erst auf den Gedanken kommen, die eigene Unterstützung herunterzufahren, mahnte Isabel Pfeiffer-Poensgen. Auch über das Thema Tariflohn müsse mit den Kommunen geredet werden, so die Ministerin. „Keine Kommune darf ihre Theaterförderung kürzen“, schloss sich auch Klaus Hebborn an, der Kulturdezernent des Städtetags NRW.

Prunkvolle Staatstheater mit erhöhtem Etat wie in Bayern, Hessen, Niedersachsen und Baden-Württemberg leistet sich NRW nicht, und das soll auch so bleiben. „Ein Staatstheater passt nicht nach NRW“, sagte Ministerin Pfeiffer-Poensgen. Solche Kulturstätten seien geeignet für „feudal geprägte Regionen“, nicht aber für eine „bürgerlich-republikanische und kommunale Kulturlandschaft“ wie die an Rhein und Ruhr. „Wir brauchen hier kein Staatstheater, sondern gute kommunale Theater“, pflichtete Intendanten-Sprecher Michael Schmitz-Aufterbeck bei.

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