Konzert

Tollhaus Oberhausen – David Hasselhoff zeigt Rücken-Tattoo

Looking for Freedom? David Hasselhoff brachte bei seinem Konzert in der König-Pilsener-Arena in Oberhausen 3.000 Fans in feurige Feierlaune.

Looking for Freedom? David Hasselhoff brachte bei seinem Konzert in der König-Pilsener-Arena in Oberhausen 3.000 Fans in feurige Feierlaune.

Foto: Gerd Wallhorn / FUNKE Foto Services

Oberhausen.  David Hasselhoff überrascht beim Konzert in Oberhausen mit einem deutschen Schlager-Hit. 3.000 Fans feiern in der Arena wie in der Fußball-Kurve.

Die Berliner Mauer steht noch. Die Wachtürme der innerdeutschen Grenze erscheinen bedrohlich auf den Leinwänden der König-Pilsener-Arena. Doch nach zweieinhalb Stunden Konzert-Spektakel lässt David Hasselhoff alles einstürzen. Nach seinem prophetischen Hit „Looking for Freedom“ und dem Cover „Heroes“ von David Bowie hält am späten Freitagabend in Oberhausen kein sozialistischer Beton.

David Hassehoff trägt eine funkelnde Gold-Glitzerjacke

Kaum auszudenken, welche Schmonzette man dem Fast-zwei-Meter-Mann aus Baltimore im US-Bundesstaat Maryland sonst angedichtet hätte. Ohne die geschichtliche Münchhausen-Novelle von der von ihm im Alleingang herbei gesungenen Wende, hätten ihn die 3.000 Fans in der tosenden Oberhausener Arena auch nicht gehen lassen. Schließlich gibt es 30 Jahre nach dem Mauerfall sogar ein passendes Hörbuch („Up against the Wall“), in dem Hasselhoff selbst berichten darf.

Der Ruf nach Freiheit klingt heute auch eher wie im Fußballstadion. „David Hasselhoff, Schalalala...“ singen sie sich in der stark verkleinerten Halle gegenseitig zu. Er trägt eine funkelnde Gold-Glitzerjacke, später fast ärmelfreie T-Shirts. Die Frisur – an den Seiten kurz, vorne nach oben gegelt – ist frisch geschnitten. „Oberhausen, der Hoff bleibt an eurer Seite“, sagt er. Und die Bierbecher im Publikum steigen schwappend in die Höhe. „Crazy for you“, „Do the Limbo Dance“, „Flying on the Wings of Tenderness“, „Hocked on a Feeling“ - Glückseligkeit.

David Hasselhoff zeigt sein Tattoo: „Don‘t hassel the Hoff“

David Hasselhoff ist ein getriebener Mann. In der Hit-Serie „Knight Rider“ (1982 bis 1986) gingen ihm als Privatermittler Michael Knight die bösen Buben aus, sodass er in zwei Episoden gegen seinen mies gelaunten Doppelgänger Garth antreten musste – den er mit angeklebtem Bart gleich selbst mimte. Als Bademeister Mitch Buchannon nervte ihn später bei „Baywatch“ (1989 bis 2001) wohl die Wasserrettung. Folglich schickte er seinen Serien-Ego im TV-Ableger „Baywatch Nights“ (1995 bis 1997) plötzlich wieder auf Verbrecherjagd.

Und in Oberhausen? Da reichen die Hits aus der Zeit von gewonnenen Bravo-Ottos längst nicht mehr aus. Als Teenie-Held der 1980er- und 1990er-Jahre zeigte er sich in der Jugendzeitschrift als Star-Schnitt in cooler Lederjacke. Heute präsentiert er den längst erwachsen gewordenen Teenagern das Tattoo „Don‘t hassel the Hoff“. Ob die große Aufschrift „Ärgere niemals den Hoff“ auf seinem Rücken, was übrigens auch auf dutzenden Fan-Shirts steht, nun Schabernack oder etwa doch fleischgewordene Überzeugung ist, wird natürlich nicht aufgelöst.

David Hasselhoff – und die Hoffnung singt zuletzt

Ziemlich echt: Er singt einen großen Schlager von Udo Jürgens. „Mit 66 Jahren, da fängt das Leben an!“ Erst den Refrain in deutscher Sprache, dann als American-English-Schlager-Kunstwerk. Riesenjubel, auch wenn er ja mittlerweile schon 67 Jahre alt ist.

Die Spuren seines überwundenen Alkohol-Absturzes hat er verwischt. Die abgedrehte TV-Serie „Hoff the Record“ über den fiktiven Werdegang in seinem Leben erhielt überwiegend positive Kritiken. Und in kultigen Trash-Filmen wie „Sharknado“ misst er sich sich gerne mal mit fliegenden Meerestieren.

David Hasselhoff pflegt in Oberhausen diese Selbstironie, lässt die Titelmelodie von „Knight Rider“ einspielen und reitet mit der Baywatch-Badehose ordentlich auf der Nostalgiewelle. Es ist mehr Party als Konzert. Beschwipst, aber lustig. Einige kommen mit aufblasbarer Bademeister-Boje und mit angeklebten Brusthaaren – ein herrlicher Hasselhoff-Karneval!

Wahrscheinlich hätten sie gerne alle seine wackeligen Schlagerversuche in deutscher Sprache gehört. Das bekannte Duett „Wir zwei allein“ (damals mit Gwen) trällert er mit einer Musikerin aus seiner neunköpfigen Band spät – aber letztlich doch. Und als das Konzert eigentlich schon zu Ende ist, packt er beim Gang hinter die Bühne noch lächelnd seinen Schmunzel-Gassenhauer „Du“ aus. Viele haben darauf gewartet. Feuerzeuge in Schwenklaune. Die Hoffnung singt zuletzt.

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