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Sie will Wacken headlinen: Jennifer Haben im Interview

Vier harte Jungs und ihre Chefin: Jennifer Haben und Beyond The Black starten aktuell so richtig durch.

Vier harte Jungs und ihre Chefin: Jennifer Haben und Beyond The Black starten aktuell so richtig durch.

Foto: Heilmania

Essen.   Gestern noch bei „Sing meinen Song“ auf Vox, bald wieder mit Symphonic Metal auf Tour: Jennifer Haben und Beyond The Black starten aktuell durch.

Mit elf sang sie schon bei den „Heavytones Kids“ in Stefan Raabs „TV Total“. Vier Jahre später wurde Jennifer Haben Teil der Teenie-Girl-Group Saphir des Kindersender Kika. Irgendwann verliebte sich die Saarländerin aber in dunklere Töne – und gründete 2014 die Symphonic-Metal-Band Beyond The Black. Kürzlich war die heute 24-Jährige bei der VOX-Sendung „Sing meinen Song“ an der Seite von Michael Patrick Kelly zu sehen, im Oktober geht’s mit dem aktuellen Album „Heart Of The Hurricane“ auf Tour. Patrick Friedland sprach mit Haben über Erinnerungen und Ziele.

Frau Haben, kehrt nach dem Wirbel um „Sing meinen Song“ langsam wieder etwas Ruhe im Leben ein?

Jennifer Haben: Ein bisschen. Ich konzentriere mich aktuell aber ohnehin mehr auf meine Bachelorarbeit zum Thema „Die Veränderungen im Musikbusiness durch Social Media“. Aber ganz ehrlich: Nach der letzten Sendung konnte ich endlich mal durchatmen, es war schon viel los rund um die Show.

Sie saßen da als erste Person überhaupt aus der Metal-Szene – und dann kamen Klischeefragen wie „Ist das immer Sex, Drugs & Rock’n’Roll, wenn ihr auf Tour seid?“ Nervt sowas nicht?

Ich fand das eigentlich ganz lustig. Die anderen waren einfach megaknuffig und haben sich diesbezüglich nicht ausgekannt. Was mich mittlerweile nervt, ist die Frage, wie es als Frau im Metal ist. Da kann ich immer nur sagen: Ich fühle mich da wohl. Man muss sich vielleicht als Frau ein bisschen mehr beweisen, zeigen, das man nicht „zu weich“ ist. Aber hier bin ich genau richtig.

Ihre Antwort auf erstere Frage war: „Auf der ersten Tour ging es richtig ab.“ Was muss man sich darunter vorstellen?

Ich glaube, ich weiß gar nicht so recht, was abgehen ist (lacht). Wir waren auf jeden Fall jeden Tag betrunken. Mittlerweile sind wir aber deutlich disziplinierter, sonst sind Krankheiten, wie eine schwere Grippe, vorprogrammiert. Und das will ja keiner.

Wie kam es eigentlich zu der Einladung?

Bei VOX hatten sie Lust, jemanden aus der Metal-Sparte einzuladen. Der Redaktionschef hatte 2015 bei einer Veranstaltung von Universal 20 Sekunden von unserem Video zu „In The Shadows“ gesehen und sich daran erinnert.

Sie haben sofort zugesagt?

Klar. Ich war schon von der ersten Staffel an gebannt, weil da so viele gute Sänger auf einmal auftraten. Vor allem geht es da noch Musik. Es ist eine Plattform, bei der du als Künstler so sein kannst, wie du bist. Die legen dir da nichts in den Mund.

Gab es eine Version, die Ihnen Probleme gemacht hat?

Ich hatte großen Respekt vor Paddys „Salve Regina“ und fand es schwierig, diesen kirchlichen Vibe des Stücks nicht zu zerstören. Er mochte die Version aber und sagte, dass er das Cover seinen Klosterbrüdern auf jeden Fall vorspielen will.

Laufen Sie privat eigentlich auch nur in Schwarz rum?

Tatsächlich habe ich fast gar keine Klamotten, die nicht schwarz sind. Ich habe mich aber schon früher in Schwarz viel wohler gefühlt. Die Familie beschwerte sich schon immer, „Zieh doch mal was Buntes an.“ --dann habe ich im Fernsehen auch mal was Graues oder Weißes getragen. Heute habe ich wirklich nur noch ein gelbes Schlafshirt.

Kamen eigentlich „Ausverkauf“-Vorwürfe aus der Metal-Szene wegen „Sing meinen Song“?

In einem bekannten Szene-Magazin stand etwas relativ Negatives. Was ich nicht nachvollziehen kann. Dieses Format präsentiert einen Künstler dieser Szene und gibt ihm die Möglichkeit, dieses Genre einem breiteren Publikum zu präsentieren. Warum kann man sowas nicht einfach wertschätzen und sich für den Künstler freuen? Viele sperren Metal-Bands in Käfige ein und wollen ihnen sagen, was sie tun dürfen und was nicht. Das ist vollkommener Bullshit! Gerade in der heutigen Zeit muss man damit sehr vorsichtig sein, denn sonst sterben Bands irgendwann aus.

Sie finanzieren sich auch vor allem über Merchandise und Touren?

Seit Beginn von Beyond The Black ist das so und es wird immer mehr. Im Pop-Bereich verkaufen sie ja fast gar keine Platten mehr, im Metal geht es noch. Aber irgendwann wird das Geschäft komplett einbrechen.

Blicken wir mal kurz zurück: Wie entstand eigentlich Beyond The Black?

Seit ich 14 bin, kenne ich meinen jetzigen Labelchef – damals war ich Teil der Band Saphir. Das war dann nach einem Jahr zu Ende. Vier Jahre lang habe ich einfach Songs geschrieben und kam irgendwann zum Symphonic Metal. Irgendwann habe ich ihm gesagt, dass ich ein paar harte Jungs um mich herum brauche (lacht). Über den Sänger der Band Kissin’ Dynamite lernte ich einige Musiker kennen. Das war die Geburtsstunde von Beyond The Black.

Dann kam es zum großen Split ...

Man muss für so eine Band, gerade wenn man noch nicht 15 Jahre auf dem Buckel hat, wahnsinnig viel investieren. Wir merkten irgendwann, dass wir verschiedene Ziele hatten, teilweise Familienplanungen oder aber andere musikalische Projekte. Ein halbes Jahr lang haben wir hin und her diskutiert. Es zeigte sich, dass nur ein Mitglied zu 100 Prozent daran glaubte, das war ich. Leider – und das finde ich noch heute sehr schade – ging das es dann in die Brüche. Ich lernte andere Musiker – meine heutigen Jungs – aus Franken kennen, die waren begeistert und wollten alle mitmachen.

Und woher kommen dann diese Casting-Vorwürfe?

Das frage ich mich bis heute. Ja, wir sind nicht als Garagenband groß geworden, aber der frühzeitige Erfolg lag nun mal auch mit daran, dass ich als Teenager schon jemand kannte, der in diesem Geschäft eine hohe Position inne hat und an mich glaubte.

Was macht das Genre Symphonic Metal aus?

Klassische Elemente vermischen sich mit Metal. Das kann Operngesang sein, ein ganzes Orchester oder einfach einige Streicher sein – wie bei uns.

Ihre TV-Karriere begann ja schon mit 14. Haben Sie das irgendwie forciert?

Ich wollte nicht unbedingt ins Fernsehen, ich wollte vielmehr unbedingt singen und Klavier lernen. Dann wünschte ich mir zur Kommunion ein Saxofon und lernte von meiner Mutter Gitarre. Ich hatte immer schon den Drang in Richtung Musik. Irgendwann bekam Mama dann den Tipp für ein TV-Casting. Generell hatte ich Riesenglück, dass mich meine Familie immer unterstützt hat und ich fast nur gute Erfahrungen machen durfte.

Als 14-Jährige wurden Sie bei Saphir ständig für Dokus gefilmt. War das nicht ein zu harter Einschnitt in die Privatsphäre?

Damals empfand ich es nicht so. Heute würde ich das ein oder andere Video gerne verbannen. Die Saphir-Zeit war ein wichtige Erfahrung für mich und meinen weiteren Weg. Sie ist aber jetzt nicht gerade die Phase, an die mich am liebsten zurückerinnere. Und was ich in einigen Interviews für einen Scheiß erzählt habe ...

Zum Beispiel?

Dass ich auf Nick Jonas (Jonas Brothers) stehe. Hier und da wurde es ein bisschen unauthentisch. Generell bin ich aber auch sehr schüchtern. Stand ich auf der Bühne und sang, fühlte ich mich pudelwohl. Sobald ich frei sprechen sollte, war es aber vorbei. Anfangs war es bei Beyond The Black auch noch schwierig für mich. Da habe ich vor lauter Nervosität teilweise totalen Quatsch erzählt und im nächsten Interview was völlig anderes.

Kommen denn noch Leute mit Saphir-CDs zu Autogrammstunden?

Es passiert hier und da. Meist sind’s junge Mädels, die die Zeit damals schon miterlebt haben. Metal-Fans kommen damit eher nicht rum.

Sie spielten bereits im Vorprogramm von den Scorpions und Within Temptation. Wie verhalten sich denn die Stars Ihnen gegenüber?

Klaus Meine (Scorpions-Sänger, d. Red.) und ich verstehen uns super. Einmal gaben wir ein Doppel-Interview und er sagte sogar, dass wir ihn an die jungen Scorpions erinnern. Sehr liebevoll. Einige Freundschaften entstehen dabei ebenfalls. Zum Beispiel haben Sharon Den Adel (Within-Temptation-Sängerin, d. Red.) und ich fast zeitgleich Geburtstag, bei Festivals stößt man auch mal zusammen an.

Ist Sharon ein Idol für Sie?

Ich empfinde für sie schon mehr Vorbildgefühle als bei anderen, weil Within Temptation mit am nächsten an dem dran sind, was wir machen und mit dieser Musik solchen Erfolg hatten. Da will ich auch hin!

Weiche Knie beim ersten Treffen?

Ich habe mich erst am letzten Tag des ersten Tourblocks getraut, ihr mal „Hallo“ zu sagen. Eher warte ich meist drauf, dass jemand auf mich zugeht. Manchmal klappt das (lacht).

Wie sind denn die Reaktionen der Fans der Bands, mit denen Sie auf Tour gehen/gingen?

Manche Scorpions-Fans sind auch Beyond-The-Black-Fans geworden. Wir merken aber, dass bei den Konzerten mit Within Temptation noch einige mehr bei uns hängen bleiben. Ganz ehrlich: Ich habe nicht gedacht, dass es so gut funktioniert.

Und Ihr größtes Karriereziel ist ...?

Eine erfolgreiche Tour in den USA wäre ziemlich geil. Und ich will eines Tages Wacken auf der Hauptbühne headlinen. Aber: Viele gute Dinge sind in meinen Leben einfach auf mich zugerollt, zum Beispiel die Shows mit den Scorpions. Ich bleibe einfach für alles offen, sonst verpasse ich vielleicht noch viele schöne Situationen.

Aber erstmal steht ja die Tour im Herbst an. Was dürfen wir da erwarten?

Auf jeden Fall die beste Show, die wir je gemacht haben. Wir wollen uns alle wie eine große Familie fühlen, zusammen singen, einige besondere Momente einbauen. Wie das genau ablaufen wird, kann ich aber noch nicht sagen.

>>> INFO: Beyond The Black auf „Heart Of The Hurricane“-Tour

23.10. Oberhausen (Turbinenhalle, Karten ca. 37 €), 26.10. Köln (Live Music Hall, bereits ausverkauft), 1.11. Enschede/NL (Metropool, 18 €).

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