Scott McKenzie

Scott McKenzie ist tot - der Mann, der "San Francisco" sang

Scott McKenzie, hier bei einem Interview in Dortmund, ist im Alter von 73 Jahren verstorben. Er hatte 1967 den Hippie-Hit "San Francisco" gesungen.

Scott McKenzie, hier bei einem Interview in Dortmund, ist im Alter von 73 Jahren verstorben. Er hatte 1967 den Hippie-Hit "San Francisco" gesungen.

Foto: WR

Washington.  Scott McKenzie ist tot. Der Sänger der Hymne "San Francisco" ist im Alter von 73 Jahren verstorben. Der berühmte Song verkaufte sich 70 Millionen Mal. Der Amerikaner hatte am Epstein-Barr-Syndrom gelitten und zuletzt allein mit seiner Katze in den Hollywood Hills gelebt.

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Es gibt Popsongs, die den Moment für die Ewigkeit einfrieren. „San Francisco“, die florale Zeitgeist-Hymne, die Scott McKenzie 1967 den Kindern der nach Glückseligkeit dürstenden Flower-Power-Bewegung auf den Lebensweg geflochten hat, ist so ein Moment. Wenn die wie ein leichtes Beruhigungsmittel wirkende Stimme des gebürtigen Floridianers einsetzte, verwandelte sich in den 70er Jahren auch ohne Haschschwaden so mancher Klammerblues-Partykeller zwischen Hagen-Haspe und Hamminkeln in einen herbeifantasierten Sperrbezirk von Haight Ashbury. Jenem in Regenbogenfarben gebatikten Stadtteil der Westküsten-Metropole, wo noch heute Räucherstäbchen, lange Bärte und Patschuli-Düfte nostalgisch an die hohe Zeit der Weltverbesserer und Aussteiger erinnern.

McKenzie hat die vielleicht wohlklingendste tönende Postkarte über die Stadt und die „gentle people“ an der Golden Gate Bridge nach Angaben von Branchen-Insidern 70 Millionen Mal verkauft. Aber nicht selbst geschrieben. John Phillips, das meisterliche Gehirn und Herz der Band „The Mamas and the Papas", zeichnete für das Lied verantwortlich, das eigentlich als musikalische Eintrittskarte gedacht war. Und auch so funktionierte.

Scott McKenzie lieferte die Erkennungsmelodie einer Bewegung

Im Juni 1967 pilgerten 200.000 junge Leute in das südlich von San Francisco gelegene Monterey, um den „Sommer der Liebe“ zu verbringen. Sie folgten dabei McKenzies bis heute gültigem Reisehinweis - „Be Sure To Wear Flowers In Your Hair“ - und wurden Zeugen, wie Janis Joplin sich auf einem der eindrucksvollsten Festivals der Musikgeschichte die Seele aus dem Leib sang und Jimi Hendrix mit den Zähnen Gitarren spielte.

McKenzies Lied blieb die Erkennungsmelodie einer Bewegung, die in widriger Zeit ihren Willen zum unbedingten Glück zelebrierte. Bei „San Francisco“ wurden Freundschaften geschlossen, Ehen besiegelt, Kinder gezeugt und, wie später am Vietnam-Memorial, den Toten der Krieges gedacht. Während die „Mamas und Papas“ durchstarteten, kehrte McKenzie dem Hippie-Treiben bald den Rücken. In Virginia Beach, an der anderen Küste des Landes, lebte er viele Jahre, versuchte sich als Solokünstler an Country und anderen Gattungen und hatte doch erst wieder 1988 durch die Co-Autorenschaft an dem Beach Boys-Lied „Kokomo“ wieder so etwas wie Erfolg.

Dass es Scott McKenzie nicht gut ging, spürte man schon 2003, als er bei den Feiern zum Tag der Deutschen Einheit in Berlin gastierte. Das Guillain-Barré-Syndrom, ein unerbittliches Nervenleiden, das Lähmungen erzeugt, und das Epstein-Barr-Syndrom, das über einen Virus für chronische Erschöpfungszustände und Schwindel sorgt, hatten den allein mit seiner Katze Spider lebenden Pferdeschwanzträger, der als Philip Wallach Blondheim geboren wurde, bereits schwer gezeichnet. In den vergangenen Wochen war er im Krankenhaus und kehrt gegen den Rat seiner Ärzte nach Hause zurück.

Am vergangenen Samstag wurde Scott McKenzie ausweislich eines von seinen australischen Freunden Raylene und Gary Hartman autorisierten Eintrags auf seiner Internetseite -www.scottmckenzie.info - von Nachbarn tot in seinem Haus in den Hollywood Hills bei Los Angeles gefunden. Hier schließt sich der Kreis. „San Francisco“, das Lied einer Generation, das Lied seines Lebens, wurde ebendort im Laurel Canyon geschrieben, komponiert und aufgenommen. Scott McKenzie wurde 73 Jahre alt. Es werden Blumen an seinem Grab liegen. Viele Blumen.

Albert-Schweitzer- und Geschwister-Scholl-Gymnasium

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