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Parookaville 2018 - auf der Rekord-Bühne fühlen sich DJs wie Homer Simpson

Weeze.  Das Festival Parookaville installiert in Weeze mit 200 Metern Breite die größte Festival-Bühne Europas. Mitorganisator Bernd Dicks verrät neue Details aus dem Showkonzept.

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Bald öffnet Deutschlands größtes Festival für Elektronische Musik zum vierten Mal die Pforten: 60.000 Bürger werden täglich die fiktive Stadt Parookaville neben dem Airport Weeze bevölkern. Über 250 Künstler lassen vom 20. bis 22. Juli auf zehn Bühnen die Stadtmauern erbeben. Im Interview verrät Mit-Organisator Bernd Dicks, was es mit der neuen Rekord-Bühne in Europa auf sich hat und erläutert das Showkonzept um den verrückten Gründervater und Parookaville-Visionär Bill Parooka.

Mit 200 Metern Breite entsteht in Parookaville die größte Festival-Bühne Europas – wolltet ihr ganz bewusst damit eine Marke setzen?

Bernd Dicks: Das war ehrlich gesagt ein Unfall im positiven Sinne. Wir hatten die ganze Zeit die Vision eine Art Arena zu kreieren und diese gigantische Sandgrube namens Desert Valley, in der die Bühne platziert wird, bestmöglich auszuschöpfen. Dafür hat unser Inhouse-Kreativlabor „Büro Bora Bora“ nicht nur ein großartiges Konzept und Design entwickelt, sondern wegen der baulichen Gegebenheiten „versehentlich“ auch Europas größte Festival-Bühne erschaffen!

Neue Parookaville-Mainstage heißt "Audiotory"

Kannst Du schon etwas über die Optik der Mainstage verraten?

Dicks: Die Bühne ist eine Kommunikationsstation und heißt „Audiotory“ – sie ermöglicht die Kommunikation außerhalb der Grenzen von Parookaville und soll die Bürger der Stadt vereinen – natürlich durch gute Musik! Es wird zahlreiche verrückte technische Elemente geben, wie mehere acht Meter große Satelliten-Schüsseln. Das DJ-Booth, also der Bereich rund um den DJ, ist die Steuerzentrale der Kommunikationsstation und wirkt ein bisschen wie bei Homer Simpson, der in seinem Kernkraftwerk sitzt. Der Künstler wird hier zum Strippenzieher in einer sehr detailverliebten Oldschool-Deko. Für die DJs wird das ein abgefahrenes Highlight in so einer Schaltzentrale aufzulegen.

Wie sehen die technischen Eck-Daten der Hauptbühne aus?

Dicks: Der höchste Punkt der 200 Meter breiten Bühne misst 37 Meter - das ist das maximal Zulässige aufgrund des angrenzenden Flughafens in Weeze. Für den Aufbau benötigen wir vier Wochen. Angeliefert werden 225 Lkw-Ladungen mit Licht- und Pyro-Effekten plus 14 Lkw-Ladungen mit Deko. Es werden über 1400 Scheinwerfer installiert. Dazu kommen 50 Abschussrampen für über 20.000 Pyro-Schüsse. Alleine für die Hauptbühne werden 52 Kilometer Kabel verlegt.

Was bedeutet so eine große Bühne für die Arbeit der Star-DJs wie Martin Garrix, David Guetta, Hardwell, Axwell /\ Ingrosso und Armin van Buuren?

Stadtkonzept von Parookaville wird weiter entwickelt

Dicks: Einige Künstler bereiten sich bereits seit einigen Monaten ganz explizit auf ihren Auftritt bei uns vor. Normalerweise funktionieren ihre Sound- und Licht-Effekte weltweit auf Standard-Bühnen. Für Parookaville müssen sie ihre Shows umbauen. Wenn sich ein DJ zum Beispiel sechsmal CO2 in einem speziellen Moment wünscht, weisen wir ihn daraufhin, dass er 24-mal CO2 braucht, damit es auf unserer Mainstage auch gut aussieht. Diese Planung ist für beide Seiten eine große Herausforderung.

Die neue Mainstage ist nur ein Puzzle-Teil des Stadtkonzeptes mit Kirche, Postamt, Swimming-Pool, Polizeistation, Freizeitpark und Beautyfarm…

Dicks: Wir wollen in der nächsten Zeit schauen, dass Parookaville als Stadt noch greifbarer wird. So wird es Stadtteile geben. Oldtown beschreibt zum Beispiel den Bereich rund um das Rathaus und die Statue Bill Parooka, die Mainstage befindet sich in „The Arena“ und auch die Campsites „Home of the Brave“ haben mit Base Ground und Mellow Fields bereits Namen erhalten und bieten exklusive Attraktionen wie Funpark und Mud Masters Parkours.

Dann habt ihr bereits jetzt Ideen zur Weiterentwicklung des Showkonzepts in den nächsten Jahren?

Dicks (lacht): Wir werden auf jeden Fall noch einige Ideen unserer fiktiven Stadt neu- oder weiterentwickeln. Da haben wir noch sehr viele Konzepte in der Schublade. Auch haben wir quasi einen ‚geheimen Raum‘ gefunden, in dem sehr viel spannende Pläne und verrückte Skizzen von Bill Parooka lagerten, die man umsetzen könnte.

In Parookaville wird auf zehn Bühnen gleichzeitig Musik gespielt. Was kann man tun, dass man nicht ständig das Gefühl hat, etwas zu verpassen?

Dicks: Vor einigen Jahren wollten drei Weezer Jungs ein Festival kreieren, zu dem sie selbst gerne hingehen würden. Jetzt gibt es Parookaville und wir müssen jedes Mal arbeiten. (lacht) Wenn ich aber tatsächlich Zeit hätte, stünde ich wie viele andere vor dem gleichen Problem: Ich könnte mich nicht entscheiden.

DJ Excision bietet "krasse Verbindung aus Sounds und Visuals"

Bei der Zusammensetzung des Line up von Parookaville hast du stets großen Wert auf den Live-Unterhaltungswert der Künstler gelegt. Welche Auftritte legst Du den Bürgern von Parookaville besonders ans Herz?

Dicks: Auf jeden Fall Tchami vs. Malaa sowie Yellow Claw mit Moksi und Cesqeaux – diese Kombinationen am DJ-Pult gab es bisher noch nie. Excision besticht durch eine ganz krasse Verbindung aus Sounds und Visuals – weil die Produktion von Excision sehr aufwendig ist, spielt er nur selten auf Festivals. Aber wir machen das möglich.

Und wer ist dein persönlicher Favorit?

Dicks: Mein Highlight wird KSHMR auf unserer Live-Bühne mit 20 indischen Artisten und Musikern. Der DJ zeigt seine spezielle Show erstmals in Europa. Dafür kommt KSHMR bereits einige Tage vor dem Festival in diese Region und hat extra einen Raum gemietet, wo er mit seinem Team für diese Show proben wird. Das wird sehr exotisch.

Parookaville hat trotz erst drei Auflagen in der internationalen Festival-Szene einen hervorragenden Namen. Die Star-DJs schwärmen von der guten Organisation und dem entspannten Backstage-Bereich – öffnet das Türen?

Dicks: Die Resonanz ist wirklich durch die Decke gegangen. Es kommt vor, dass sich Künstler meine Handynummer besorgen und fragen, ob sie bei uns spielen dürfen.

Was unterscheidet Parookaville von anderen Festivals?

Dicks: Die Liebe zum Detail und der Mut, etwas Verrücktes auf die Beine zu stellen! Wir wollen für unsere Bürger das Highlight des Jahres sein und legen dafür beim Design der Stadt und musikalisch viel Wert auf Feinheiten. Deshalb fahre ich nicht eiskalt mit dem Einkaufswagen durch die DJ-Landschaft und packe mir den und den für das Line up ein. Aktuell überlegen wir zum Beispiel mit Robin Schulz oder Alle Farben, was wir Besonderes hinlegen können. Wegen der Verrücktheit von Parookaville sind viele Stars spannenderweise auch bereit dazu. Wir schaffen es, unseren Funken Leidenschaft auf die Künstler überspringen zu lassen, damit sie gemeinsam mit uns ein Feuer entfachen.

Comedian Chris Tall tritt bei Parookaville auf

Eine waschechte Parookaville-Hochzeit

Es gibt nicht nur Musik in Parookaville…

Dicks: Bei uns können die Bürger in einer Kirche heiraten. Es wird auch wieder eine echte standesamtliche Hochzeit geben – diesmal mit DJ Alle Farben als Trauzeuge. Zudem haben wir mit „The Golden Roof“ erstmalig ein Sterne-Restaurant mit Blick auf die Mainstage, wo man ein Sechs-Gang-Menü von Sternekoch Björn Freitag für 59 Euro buchen kann. Ganz abgefahren wird es im Wacky-Shack-Bunker mit jeder Menge Konfetti. Dort läuft auch das 1Live-Comedy-Event. Da tritt unter anderem Chris Tall vor 150 Zuschauern auf – der füllt sonst Stadien.

Bei all dem Hype um Parookaville gab es im vergangenen Jahr auch Kritikpunkte. Bei der Anreise standen viele stundenlang im Stau und Anwohner schafften es nur schlecht zur Arbeit.

Dicks: Unser Team plant das ganze Jahr am Festival und hat sich natürlich besonders die Überarbeitung des Verkehrskonzepts für 2018 auf die Fahne geschrieben! Wir haben den Dienstleister mit dem gesamten Traffic-Team ausgetauscht. Das System wurde angepasst und komplett überarbeitet – alle Behörden sind überzeugt, dass es so funktioniert. Leider ist auf der A57 eine Baustelle – da sind wir gespannt, wie sich das auswirkt. Schlimmer als letztes Jahr kann es nicht werden. (lacht)

Es gibt noch wenige Tickets für das Festival in Weeze

Wie sieht es mit dem ominösen Schlamm-Feld aus? Nach starken Regenfällen konnten Dutzende Autos nur mit Traktoren herausgezogen werden.

Dicks: Auch da haben wir uns neu aufgestellt – und dieses Feld wird nicht mehr als Parkfläche genutzt.

Was wäre das perfekte Wetter für Parookaville?

Dicks: Das Heftigste an Regen hatten wir wirklich im vergangenen Jahr. Schön wäre ein normaler Sommer mit ein bisschen Sonne und abends etwas kühler.

Wird es eine Tageskasse geben?

Dicks: Ich denke nicht. Es sind nur noch wenige der insgesamt 80.000 Tickets im Umlauf. Für Kurzentschlossene lohnt sich stets auch ein Blick in den Resale-Shop auf unserer Homepage. Hier werden bereits erworbene Tickets von den Käufern legal und sicher erneut angeboten.