Neues Album

Hartnäckige Schaben: Papa Roach melden sich zurück

Garantieren für energetische Sounds: Papa Roach

Garantieren für energetische Sounds: Papa Roach

Foto: Darren Craig

19 Jahre nach ihrem Über-Hit „Last Resort“ veröffentlichen die Nu-Metaller Papa Roach ihr zehntes Album „Who Do You Trust?“. Hier unsere Kritik.

Als zu Beginn des Jahrtausends harte Jungs mit Baggy Jeans, Tattoos und E-Gitarre die Bühne enterten und Alternative Rock und Crossover zu den Musikgenres der Stunde avancierten, waren Papa Roach ganz vorne dabei. Ihr Major-Debüt „Infest“ (2000) erreichte international Platin-Status, die ersten Grammy-Nominierungen flatterten ins Haus. Der Hit „Last Resort“ mit der prägenden Anfangszeile „Cut My Life Into Pieces ...“ findet sich heute auf jedem Best-of-Sampler aus jener Zeit und wird auf Rock-Partys immer noch abgefeiert, als sei seither nichts Vergleichbares mehr erschienen.

Beharrliche Rocker

Und dennoch: Die wirklich ruhmreichen Jahre sind vorbei. Sowohl für das Genre der härteren Gitarrenmusik als auch für viele seiner damaligen Protagonisten. Die meisten Weggefährten von Papa Roach haben die Gitarren an den Nagel gehängt und sich zurückgezogen, sind im Streit auseinandergegangen oder dem wilden Lebenswandel zum Opfer gefallen.

Die Band um Sänger Jacoby Shaddix aber hat sich als Namensgeber und Maskottchen nicht umsonst die Kakerlake ausgesucht. Immerhin sagt man den Schaben ja nach, dass sie aufgrund ihrer Anpassungsfähigkeit und Zähheit als einzige Spezies auf der Welt einen Atomkrieg überleben würden. Heruntergebrochen auf das Musikbusiness heißt das etwa: Papa Roach haben es bis heute geschafft, dass man ihnen zuhört. Und zwar mit einem smarten Mix aus Beharrlichkeit und Wandel.

Den praktizieren sie auch auf der neuen Platte „Who Do You Trust?“. Es ist ihr zehntes Album, zwölf neue Lieder haben die Kalifornier dafür aufgenommen. So viel sei den treuen Rockfans bereits hier verraten: An der Gitarrenfront ist die Band immer noch gut aufgestellt. Das ist bei so manchen Acts von „damals“ wie Muse oder 30 Seconds to Mars heute keine Selbstverständlichkeit mehr.

Musikalisch immer noch ein Brett

Papa Roach setzen im Kern weiterhin auf das, was sie bekannt gemacht hat: Großflächig angelegte Nummern für die Festival-Bühne. Dazu gehören eben recht einfache, aber bretternde Gitarrenakkorde mit bebendem Schlagzeug dahinter sowie eingängige, rebellische Slogans im Refrain. Beides liefern Shaddix & Co. zum Beispiel mit der Nummer „Renegade Music“ oder der Lead-Single „Who Do You Trust?“. Auch am Begriff Crossover halten die Herren weiterhin fest.

Das heißt zum einen, dass sie (vielleicht zu) oft den klassischen Spagat zwischen Rap-Strophe und Rock-Refrain hinlegen, was stellenweise leider nach einem nostalgischen Linkin-Park-Abklatsch klingt. Zum anderen bedeutet das aber auch, dass Papa Roach keinerlei Berührungsängste vor neumodischer Pop-Produktion und elek­tronischen Elementen haben. Mit der 90-Sekunden-Nummer „I Suffer Well!!!“ gönnt man sich gegen Ende auch einen Ausreißer in den Hardcore-Punk. Das kommt überraschend und funktioniert gut.

Und so werden Papa Roach auch diese Runde im Krieg um die Aufmerksamkeit überleben. Die wirklich relevante Zielgruppe, also die „Kids“, erreichen sie mit ihrer Musik heute zwar nicht mehr. Aber ihr Stammpublikum wird das neue Album ins Herz schließen. Für die großen Sommerfestivals 2019 ist die Band schon gebucht.

Wertung: ⅗, „Who Do You Trust?“ erscheint bei Membran (Sony Music).

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