Auf die Ohren

Essener Musiker ist weltweit im Fernsehen zu hören

Filmmusik-Komponist Simon Rahm in seinem Essener Studio.

Filmmusik-Komponist Simon Rahm in seinem Essener Studio.

Foto: André Hirtz / FUNKE Foto Services

Essen.  Total global: Die Kompositionen des Essener Musikers Simon Rahm sind überall zu hören – in französischen Kochshows wie in US-Basketball-Shows.

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Dunkel ist es in Simon Rahms Studio. „Ich mag im Hellen halt nicht arbeiten“, scherzt der 39-Jährige. Wer sich umschaut, erblickt im gedimmten Licht neben Mischpult und Computer verschiedene Instrumente. Keyboards, Gitarren, ein Piano, E-Drums – eine breite Mischung an Werkzeugen, die ein Musiker braucht,wenn er „elektronischeMusik lebendig machen will“, wie Rahm es formuliert. Von seiner Vorliebe für das Mischen von synthetischen mit klassischen Klängen kann der gebürtige Oberhausener heute gut leben, denn: „Ich bin jeden Tag weltweit im Fernsehen zu hören.“

Tatsächlich untermalten Rahms Stücke schon die französische Kochsendung „Top Chef“, die „Stephen A. Smith Show“ des renommierten US Sport-Journalisten, das Wrestling-Programm „WWE Smackdown“ oder auch „Galileo Big Pictures“ auf ProSieben. Wo seine Musik gespielt wird, darauf hat der heute in Essen lebende Künstler nur teilweise Einfluss: „Mein Musikverlag stellt einen Großteil Auftragsarbeiten auf entsprechenden Plattformen für internationale TV-Kanäle zur Verfügung“, sagt er –ohne jeden Unterton. Denn die Zusammenarbeit mit Warner Chappell Music zahlt sich für beide Seiten aus.

Musikalisch von Klein auf

Bis Rahm aber für den großen Musikverlag produzieren durfte, schob er seine Karriere Schritt für Schritt an. Dass die Musik zu weiten Teilen sein Leben bestimmen wird, zeichnete sich früh ab: „Meine Mutter hat mir von einem Familienurlaub erzählt, da war ich anderthalb Jahre alt. Im Hotel spielte eine Band, der ich immer zuhörte. Wenn Mama und Papa mich da wegziehen wollten, fing ich an zu schreien.“

Mit fünf Jahren folgten erste Übungen am Klavier, zum Ende der Schullaufbahn fasste er den Entschluss, professioneller Musiker zu werden. Er arbeitete zunächst als freier Journalist. Zwischen 2007 und 2010 war er – unter dem Pseudonym Dorian Deveraux – Frontmann der Industrial-Rock-Band Jesus On Extasy und spielte einige Festivalauftritte vor fünfstelligen Kulissen. Jahre, in denen er viele Kontakte in die Branche sammelte. „Anders kriegst du keinen Fuß in die Tür. Du musst Promoter, Plattenbosse, andere Künstler kennenlernen, Zeit auf Branchenevents, Premieren und Filmfestivals verbringen – da kommst du mit den wichtigen Leuten ins Gespräch und triffst auch mal Größen wie Sylvester Stallone.“

Heute kann er die Anzahl der Aufträge kaum noch alleine bewältigen und muss daher auch die eine oder andere Absage erteilen. Was ihm aber besonders am Herzen liegt, wird auch beackert: „Ich produzierte zuletzt den Score für eine Doku namens „Emma“, die bald auf Filmfestivals vorgestellt wird. Darin geht es um die transsexuelle Schwester der Regisseurin Anna Brüggeshemke. Ein sehr spannendes Projekt. Und die Musik für „Quarks & Co.“ im WDR macht besonders viel Spaß – da lernt man beim Arbeiten noch richtig was.“

Der Traum vom Blockbuster

Und wie frei ist ein Soundtrack-Komponist? „Teilweise bekommt man recht präzise Vorgaben. Der eine will ein reines Synthie-Album für seine Wissenschaftssendung, der nächste eher dramatische Orchestral-Musik für eine Doku. Ich versuche trotzdem, immer eine persönliche Note mit reinzubringen.“ Und arbeitet akribisch daran, sich der Verwirklichung seines größten Traumes anzunähern: „Natürlich ist es ein Traum, einmal die Musik für einen Hollywood-Blockbuster a la Marvel oder Star Wars zu schreiben. Aber um an diese Jobs zu kommen, da muss man schon in Los Angeles leben.“ Deshalb will er sich künftig erstmal auf die deutsche Filmbranche konzentrieren und vielleicht „irgendwann mal für ein Jahr nach Amerika“ gehen.

Bis dahin kreiert er in seinem Studio in einem Essener Mehrfamilienhaus weiter abwechslungsreiche Soundwelten. Bleibt eigentlich nur noch eine Frage offen: Wie oft beschweren sich die anderen Mieter? „Naja, ich habe ja einige Schall-Absorber an den Wänden. Und zum Glück sind die Nachbarn hier recht kulant...“

Frei von Erwartungen

Im Berufsleben muss Simon Rahm sich an so manch Vorgabe der TV-Produzenten und Verlage halten – frei von Erwartungen produziert er darüber hinaus mit seinem guten Freund Peter Vignold Industrial-Rock-Stücke unter dem Namen FTANNG! – auf die baldige Veröffentlichung des Debütalbums sollen voraussichtlich 2020 erste Konzerte folgen – und 80er-Jahre-typischen Synthwave im Rahmen des Projekts L.A. Streethawk.

Hörproben gibt’s auf www.weareftanng.com und auf lastreethawk.bandcamp.com. Zudem ist der 39-Jährige als freier Dozent an der Mediadesign Hochschule in Düsseldorf und der Ruhr-Universität Bochum tätig.

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