Album „A Story I Got To Tell“

Doug Seegers - vom Bettler zum Nashville-Star

Doug Seegers

Doug Seegers

Foto: Handout

Essen.  Der Sänger Doug Seegers war ganz unten - und wurde durch puren Zufall entdeckt. Nun reißt sich Nashvilles Musikindustrie um den 67-Jährigen.

Das Scheitern, die Verzweiflung, aber auch der Kampfgeist haben in diesem Antlitz tiefe Kerben hinterlassen. Das Coverfoto seines neuen Albums „A Story I Got To Tell“ (BMG) zeigt den Countrysänger Doug Seegers in einer Art, in der man ihn glatt für ein Robert-Mitchum-Double halten könnte. Toller Charakterkopf.

Die Biografie des Doug Seegers erzählt eine derart traurige Geschichte, dass die Plattenfirma sie schöner nicht hätte erfinden können: Jahrzehnte versucht Seegers, sich als Musiker durchzusetzen – vergebens. Er stürzt ab. Drogenabhängig ist Seegers schließlich, obdachlos. Mit seiner Gitarre in der Hand spielt er vor einer Suppenküche in Nashville – und gerät dort ausgerechnet ins Kameravisier eines schwedischen Filmteams, das gerade eine Dokumentation über heruntergekommene Musiker dreht.

Es ist ein Urknall für diese Karriere: Denn kurz darauf folgt der umjubelte Auftritt in einer schwedischen TV-Show. Dort wird Seegers bald sogar die Nummer 1 in den Charts. Kilometerlang sind die Schlangen bei seinen Autogrammstunden.

Nun wird auch Nashvilles Musikindustrie auf ihn aufmerksam. Inzwischen spielt Doug Seegers Alben mit den besten Studiomusikern ein. Eine Legende wie Jackson Browne stellt sich aktuell als Backgroundsänger zur Verfügung (der trostlose Opener „White Line“), ein Könner wie Joe Henry, der schon Elvis Costello produzierte, ist ebenfalls an Bord.

Lieder voller tiefer Melancholie

Die Lieder durchweht meist tiefe Melancholie. Seegers’ Kehle hat manchmal dieses gebrochene Tremolo des späten Cash. Jedoch birgt die Sammlung für den Hörer keineswegs Gefahr, in tiefe Depression zu verfallen. Denn es findet sich auch warmes Soulfeeling („Poor Side Of Town“, da hat seine Stimme was von Van Morrison), und der „Rockabilly Bug“ ist gar richtig schmissig und fröhlich.

Aber am Ende wird’s wieder ganz sentimental: Mit „Life Is A Mystery“ und einem Weltklasse-Falsettchor in den letzten Takten beschließt Seegers das Album.

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