Oper

Die schönen Lieder von Wut und Rache

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Dortmund. Schonungslos berichten die beiden Einakter "Cavalleria rusticana" von Pietro Mascagni und "I Pagliacci" ("Bajazzo") von Ruggiero Leoncavallo aus der Wirklichkeit: von Liebe, Eifersucht und Rache.

Christine Mielitz stellte diese prototypischen Beispiele des italienischen Verismo einfallsreich, mit ungebremster Leidenschaft und mit Vehemenz auf die Dortmunder Opernbühne und erhielt dafür ungebremsten Beifall. Bühnenbildner Harald Thor legte ein großes Podest schräg verlaufend vor durchbrochene italienische Fassaden. Schwarz, mit kostbaren weißen Tüchern bekleidet (Dorothee Schumacher), feiern die Menschen den Ostersonntag im sizilianischen Dorf.

Später, im "Bajazzo", wird es zur Bühne für die kleine Theatergesellschaft inmitten eines bunten, lebhaften Völkchens. Der Chor, von Granville Walker für seine großen Szenen hervorragend vorbereitet, und Kinder der Chorakademie Dortmund bringen viel Bewegung ins Spiel. Mielitz weiß die Massen effektvoll zu ordnen, zu intensiver Darstellung zu inspirieren und zugleich die Protagonisten profiliert hinein- und herauszustellen. In spannungsvoller detailsicherer Personenregie betreibt sie dichte Seelenanalyse, lässt die Gefühle leidenschaftlich aufflammen und die Charaktere in ihren menschlichen Schwächen deutlich werden - in ihrer ganz eigenen Art einer kompromisslosen, expressiven Körpersprache.

Zwei Frauen stellt sie in den Mittelpunkt: Einerseits Santuzza, die Betrogene, von Liebe, Eifersucht und Hass getrieben. Von Beginn an steht sie abseits der Gesellschaft. Anders Nedda im "Bajazzo": Sie ist voller Lebenslust, trällernd wie die Vögel, die sie besingt, Profi-Schauspielerin im Bewahren der Maske, mutig bis zuletzt, für ihre Liebe einzustehen. Valérie Suty und Sylvia Koke geben ihren Partien beklemmend Umriss - mit beweglicher Stimme und noch mehr Spielintensität. Charles Kim singt mit tenoralem Schmelz den leichtfertigen Turridu, Ji Young Michel die warmherzige Mutter, Simon Neal den Alfio und Maria Hilmes eine blonde Lola.

Der Prolog des "Bajazzo" verkündet die "Absicht des Dichters", ein Bild des Lebens zu geben. Und rührt das Publikum mit der Zwiespältigkeit des Komödianten.

Melodienglanz in mächtigen Wellen

Simon Neal singt und gestaltet den Komödianten inbrünstig, mit kraftvollem Bariton, den er später effektvoll als liebes- und rachlüsterner Intrigant einsetzt. Hochdramatisch führt Mielitz das "Spiel" aus leichtgewichtiger commedia dell' arte-Anmut in die reale Tragödie. Stefan Vinke ist als Canio geballte Wut und Rache, aber auch von hilfloser Traurigkeit unter der Maske des Spaßmachers. Aris Argiris wertet mit schönem, klingendem Bariton und Bühnenpräsenz die Rolle des Silvio anrührend auf. John Heuzenroeder gibt einen charmanten Alecchino.

Der Publikumserfolg der beiden Opern liegt vor allem auch in der Musik, die seismographisch die emotionalen Regungen nachzeichnet, aber die Tragik auch in fließendem Wohlklang und blühendem italienischem Melodienglanz ausbreitet. Ekhart Wycik ließ sie mit den Dortmunder Philharmonikern in mächtigen Wellen aus dem Orchestergraben auffluten, mit gleicher Wildheit wie das Bühnengeschehen, mit heftigen Akzenten und Ausbrüchen. Ein beeindruckender Abend!

Termine: 8.2., 17.2., 27.2. Karten: 0231 - 50 27 222.

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