Interview

Der Popolski Show: "Wir haben viel Wodka getrunken"

Foto: Dr. Dieter Stündel

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Dortmund. Mit „Der Wolf, das Lamm, Hurz” fing alles an. Mittlerweile feiert Achim Hagemann alias Pavel Popolski mit „Der Popolski Show” große Erfolge und kommt in den Signal Iduna Park. Andreas Winkelsträter sprach mit dem in Recklinghausen geborenen Musiker und Comedian.

Wie kamen Sie auf die Idee der „ Popolski Show ”?

Achim Hagemann: Angefangen hat das nach einem Abend mit polnischen Freunden in Köln. Ich hatte damals eine polnische Freundin und war auch in der ganzen Familie drin. Wir haben viel Wodka getrunken an diesem Abend. Und einige Tage später ist eigentlich die Idee gekommen, aus dieser Geschichte was zu machen, was zu machen, was mit Polen zu tun hat und mit der polnischen Lebensfreude.

Sie ziehen mit der Show die Polen durch den Kakao. Wie reagieren Deutsche, wie die Polen darauf?

Achim Hagemann: Die reagieren gar nicht besonders unterschiedlich. Wie haben sehr viele polnische Fans, die zu den Konzerten kommen. Ich würde mal schätzen, mittlerweile 20 Prozent, der Zuschauer sind in Polen geboren und leben hier in Deutschland. Die kommen teilweise in Bussen an. Die freuen sich. Man wird hinterher auf polnisch angeredet. Manche wissen gar nicht, das wir keine polnische Band sind. Wobei ja einige aus der Band polnische Vorfahren tatsächlich haben. Und einer ist ja auch wirklich Pole. Von daher sind wir ganz froh drüber, wie die reagieren. Und in der Fernsehshow haben wir ja echte Polen dabei, unser Professor da ist Pole, Professor Bogumil, der immer erklärt, woher die Polka kommt. Auch einige Schauspieler sind Polen. Wir bemühen uns, das so zu verknüpfen. weil wir das eigentlich das Spannendste an der Geschichte finden.

Aber das ist ja eine Art Auszeichnung, wenn Sie auf polnisch angesprochen werden.

Achim Hagemann: Manche erkennen es sofort. Von anderen werden wir für die Aussprache kritisiert. Wir geben uns Mühe, Polen, die uns Polnisch beibringen. Und es wird mühsam gelernt.

Wodurch sind Sie denn auf die Besonderheiten und Eigenarten der Polen aufmerksam geworden? Nur durch Ihre Freundin?

Achim Hagemann: Das ist ein Teamwork. Teilweise machen die Band und das Umfeld Vorschläge. ein Team von Leuten, die sich mittlerweile die Ideen ausdenken. Und dann wird das einfach in die Runde geworfen. Das Beste setzt sich dann durch.

Die Show polarisiert. Ist das beabsichtigt?

Achim Hagemann: Es hat sich eigentlich so ergeben. Wir wollten in jedem falle ein Programm machen, das sich unterscheidet von den herkömmlichen Programmen auf der Comedy-Ebene. Wir wollten was machen, was in einer anderen Welt spielt, in einer erfundenen Welt, in die man erst einmal rein finden muss. Und ansonsten wollten wir nur geile Musik machen.

Ihr Synonym Pavel Popolski trägt einen Schnauzbart. Wie wär's mal mit nem richtigen Schnauzbart?

Achim Hagemann: Ich weiß nicht, ob das bei jedem in meinem Umfeld auf Begeisterung stößt. Den muss ich mir doch noch ankleben. Ein ganz schwieriger Teil der Arbeit.

Sind sie mit der Popolski Show ausgelastet? Oder gibt es noch weitere Projekte, die Sie planen?

Achim Hagemann: Ich bin in sofern ausgelastet, als dass ich jetzt beschäftigt bin mit der neuen Fernsehshow, die wir aufzeichnen. Die Popolskis machen den ganzen Juni über drei Shows für den WDR. Das wird sehr anstrengend, weil wir die selber produzieren. Und dummerweise überschneidet sich das mit einem anderen Projekt, das ich wieder mit dem Hape zusammen mache, eine Filmmusik. Da bin ich gerade auf zwei Beinen unterwegs. Deswegen ist es ein bisschen anstrengend.

Haben Sie mit dem Erfolg der Popolski Show gerechnet?

Achim Hagemann: Wir haben darauf gehofft, weil wir ja mit vielen unterwegs sind. Wir mussten die Truppe, mittlerweile 12 Leuten, immer zusammenhalten. Und das geht auch nur, wenn auch irgendwann mal die Leute kommen. Denn sonst kann man das gar nicht finanzieren. Wir haben darauf gehofft, dass das irgendwann so ist, dass viele Leute kommen. Und sind jetzt sehr froh, dass es eingetroffen ist und wir entspannter in die Zukunft gucken können.

Sie nannten das Stichwort Hape Kerkeling. Seit wann arbeiten Sie zusammen?

Achim Hagemann: Die Zusammenarbeit hat schon während der Schulzeit in Recklinghausen angefangen. Wir hatte ne Schülerband, die hieß „Gesundfutter”. Und haben damals witzigerweise mit Förderung des WDRs die erste Platte aufgenommen, noch vor dem Abitur, so mit 16, 17 Jahren.

Wenn man an die Zeiten mit Hape Kerkeling denkt, fallen einem unweigerlich „Der Wolf, das Lamm, Hurz” ein. Wie kommt man auf solche absurden Sachen?

Achim Hagemann: Ich weiß es nicht. Ab und zu trinkt man nen Wodka und dann gehen die Dinge leichter. Ansonsten machen wir das, was wir mal gerne sehen würden. Das ist die Basis. So was wie die Popolski-Show, das wollte ich immer sehen. Comedy mit einer wirklich guten Band, die auch wirklich abrocken kann. Und die mir auch was anderes zeigt. Das war der Ausgangspunkt. Den Rest entwickelt man über ne lange Zeit. Unspektakulär.

Wenn Sie zurückblicken auf die Anfänge mit Hape Kerkeling. Wie hat sich die Comedy-Szene zur heutigen unterschieden?

Achim Hagemann: Also die Comedy-Szene ist quasi explodiert in dieser Zeit. Sie ist viel viel professioneller geworden. In der Zeit, in der wie das gemacht haben, haben wir selber die Witze selber geschrieben. Mit den Vor- und Nachteilen, die das hat. Wir hatten kein Autorenteam, was heute selbstverständlich ist. Was auch gut ist für Sendungen. Denn es ist total anstrengende, wenn man das selber machen muss. Als wir angefangen haben, war das für mich ein völlig neues Gebiet, weil ich von der Musikhochschule kam. Und heute ist das alles professionalisiert. Es gibt viele, viele sehr gute Leute. Auch viel mehr, die das machen. Es gibt heute bestimmt 100 Comedians, die das im Fernsehen erfolgreich machen. Und damals gab es vielleicht fünf, Harald & Eddie, Sketch Up, uns - und das war's.

Würden Sie auch in die ganz große Hallen gehen, wenn der Zuspruch da wäre, wie Mario Barth ins Olympiastadion?

Achim Hagemann: Wir haben auch bei großen Festivals gespielt, nicht als Headliner, als Support Act. Das hat einen mordsmäßigen Spaß gemacht. Das hat auch gut funktioniert. Das ist noch ein weiter Weg bis wir eine solche Halle bespielen können. Das ist auch eine besondere Qualität, wie Atze Schröder oder Mario Barth, die auch ein ganzes Festzelt in den Griff bekommen. Ich habe da vollsten Respekt vor, ein ganzes Stadion. Zweieinhalb Stunden, ganz alleine.

Stichwort Stadion, Sie spielen im Signal Iduna Park. Sind Sie Fußballfan?

Achim Hagemann: Natürlich bin ich Fußballfan. Was für eine Frage? Durch Zufall steht Dortmund mit Jürgen Klopp ganz weit oben auf der Sympathieliste. Deswegen freue ich mich auch sehr, da zu spielen,. Ich finde den total nett, sehr sympathisch und auch den Verein super.

Auch schon längere Zeit?

Achim Hagemann: Schon seit längerer Zeit, war auch schon einmal im Stadion. Bin aber ansonsten kein Stadiongänger. Bin aber vom Dortmunder Stadion sehr beeindruckt. Und wir haben ja schon mal dort gespielt. Aber da waren wir noch im Restaurant vor dem Stadion (Anmerkung im Strobels), jetzt dürfen wir dann in den Signal Iduna Park.

Was denkt jemand, der in Recklinghausen geboren wurde, über Dortmund?

Achim Hagemann: Das ist für mich eine Stadt, die ich verbinde mit meiner Uroma, die in Dortmund gewohnt hat. Die haben wir immer besucht. Nach Dortmund rein haben wir immer den Fernsehturm gesehen. Später hat meine Oma da ebenfalls gewohnt. Ich bin als Kind schon sehr oft da gewesen. Daher kenne ich eine Reihe von Ecken. Meine Schwester, mit der ich viel Musik zusammen mache, wohnt aktuell in Dortmund, schon seit 15 Jahren, Bettie. Wir machen sehr viel zsuammen, schreiben Filmmusiken, hatten früher auch ne Band zusammen. Von daher habe ich viele Verbindungen zu Dortmund.

Ist das Programm mit der Popolski Familie ein feststehendes Programm?

Achim Hagemann: Nein, wir variieren, das Programm verändert sich. Wir haben eh im Herbst ein ganz neues Programm angekündigt. Dann nur noch die größten Hits aus dem jetzigen Programm und viele neuen Songs. Wir haben aber ein wechselndes Ensemble, d.h. wir haben vier verschiedene Frontsänger und so auch vier unterschiedliche Programme je nach Stimme, unterschiedliche Rollen und Repertoire. mal kombinieren wir die zusammen, weil uns das sonst auch selber langweilig wird.

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