Oper

Meyerbeers „Le Prophète“ aus dem Aalto gibt es jetzt auf CD

Essen.   Wohlklingende Renaissance einer Opern-Rarität: Der Dreieinhalb-Stunden-Trumm „Le Prophète“ über die Wiedertäufer in großer Besetzung

Eine gewaltige Aufgabe stemmte die Essener Oper in der letzten Saison, als sie Giacomo Meyerbeers Oper „Le Prophète“ auf der Grundlage einer wissenschaftlich bereinigten, nahezu strichlosen kritischen Ausgabe auf die Bühne stellte. Dass die Inszenierung dem musikalischen Niveau der Produktion nicht standhalten konnte, spielt für den jetzt auf drei CDs veröffentlichten Live-Mitschnitt keine Rolle. Sensibler als Henry Lewis in den bisher verfügbaren, aber teils stark gekürzten Gesamtaufnahmen legt Giuliano Carella am Pult der Essener Philharmoniker die orchestralen Feinheiten des gewaltigen, mehr als dreieinhalbstündigen Brockens frei.

Ein dramaturgisch gut gebautes Werk mit extrem anspruchsvollen Hauptrollen, von dem zumindest der frühe Wagner mehr aufgesogen hat, als er zugeben wollte. Auf jeden Fall widerlegt es manches Vorurteil gegenüber der Grand Opéra als oberflächliches Ausstattungs-Spektakel. Natürlich kommt auch ein recht großes Haus wie das Essener Aalto Theater angesichts der enormen Anforderungen nicht ohne Gäste aus. John Osborn gelingt eine stimmlich gesunde, fast mühelose und emotional berührende Interpretation des Wiedertäufer-Propheten Jean de Leyde.

Kaum weniger verlangt Meyerbeer der Sängerin der Fidès ab, die fast den gesamten vierten Akt allein gestalten muss und der Marianne Cornetti mit ihrem herben Mezzosopran ein überzeugendes Profil verleiht. Und Lydia Tapia rundet als Jeans Verlobte Berthe die vorzügliche Besetzung ab. Eine Rarität, die zumindest im heimischen Wohnzimmer eine Renaissance verdient. Auf der Bühne präsentiert sie sich erheblich sperriger.

Giacomo Meyerbeer, Le Prophète. Essener Philharmoniker, Giuliano Carella , 3 CDs, oehms classics 971

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