FILM

„Maudie“ zeichnet die Geschichte der Künstlerin Maud Lewis

Sally Hawkins ist „Maudie“.

Sally Hawkins ist „Maudie“.

Essen.  Ein Bild vom Leben muss man sich malen: Aisling Walshs Filmbiografie „Maudie“ zeigt das Leben der Folk-Art-Künstlerin Maud Lewis.

Mitte der 1950er Jahre steht die Folk-Art-Künstlerin Maud Lewis auf dem Gipfel ihrer Berühmtheit. Selbst Richard Nixon, der damalige Vizepräsident der Vereinigten Staaten, will eines ihrer farbenfrohen Gemälde kaufen. Nur interessiert diese Art von Ruhm die von ihrer rheumatoiden Arthritis schwer gezeichnete Kanadierin zumindest in Aisling Walshs Filmbiographie gar nicht.

Die Wirklichkeit ist für die von Sally Hawkins gespielte Maud etwas, das es wie ein Hindernis zu überwinden gilt. Also entwirft die irische Filmemacherin in „Maudie“ das Bild einer Frau, die sich durch ihre Kunst eine eigene, bessere Welt erschafft.

Angenehm anders als andere Filmbiographie

Wie die naive Malerin, von der sie erzählt, ignoriert auch Aisling Walsh alles, was nicht in ihr eigenes künstlerisches Konzept passt. Dadurch setzt sich „Maudie“ angenehm von anderen Filmbiographien ab. Walsh versucht gar nicht erst, Maud Lewis’ Leben komplett nachzuerzählen, und sie setzt auch nicht auf simple psychologische Erklärungen.

Ihre Erzählung setzt erst Ende der 1930er Jahre ein, als die 1903 geborene Maud die Entscheidung trifft, das Haus ihrer herrischen Tante zu verlassen, und eine Stelle bei dem Fischhändler Everett Lewis (Ethan Hawke) annimmt.

Vom Regen in die Traufe

Eigentlich kommt die tief gebeugte Frau, die sich nur ganz langsam bewegen kann, damit vom Regen in die Traufe. Denn Hawkes Everett ist ein despotischer Macho, der Maud nur herumkommandiert und schikaniert. Aber all das erträgt sie mit einer stoischen Gelassenheit, da sie in seinem düsteren und viel zu kleinen Haus so viel malen kann, wie sie will. Nach und nach erobert sie sich mit ihren Wandmalereien und ihren kleinformatigen Gemälden das Haus und auch Everetts Herz.

Der Gestus von Maud Lewis’ Arbeiten hat ohne Frage auf Walshs Film abgefärbt. Letztlich stimmt Aisling Walshs „Maudie“ ein doch sehr simples und eindimensionales Lob auf die Bescheidenheit an. Doch dieser biedermeierliche Grundton, der einen direkt in eine recht verklärte 1950er-Jahre-Welt zurückzuführen scheint, wird von Sally Hawkins’ und Ethan Hawkes Spiel durchaus konsequent gestört. Beide zeichnen sie die Deformationen und Verletzungen ihrer Figuren mit einer solchen Intensität nach, dass Mauds Optimismus als verzweifelter Versuch, trotz allem zu überleben, kenntlich wird.

Auch interessant
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben
    Aus der Rubrik