Pop

„Weinen Lachen Tanzen“ in Essen: Matthias Schweighöfer kommt

Matthias Schweighöfer

Matthias Schweighöfer

Foto: Haoyuan Ren / action press

Essen.   Popstar will Matthias Schweighöfer nicht sein, aber Musik hat er halt mit, wenn er jetzt in Essens Colosseum kommt mit „Weinen Lachen Tanzen“.

Matthias Schweighöfer geht gerade mit seinem Debütalbum „Weinen Lachen Tanzen“ erneut auf Tournee. Begleitet wird der singende Schauspieler, Regisseur und Produzent von einer achtköpfigen Band. Seine lebensbejahenden Popsongs drehen sich auch um kaputte Beziehungen und Liebeskummer. Die meisten kennen eher seine Auftritte in Filmen wie „Keinohrhasen“, „Schlussmacher“ oder „Der Nanny“. Olaf Neumann sprach mit dem Frauenschwarm über Alkohol auf der Bühne, Groupies und schlechte Eigenschaften.

Wie fühlt es sich an, mit 37 Jahren ein Popstar zu sein?

Matthias Schweighöfer: Ja, wie fühlt sich das an? Ich bin ja gar kein Popstar. Ich freue mich aber, dass auf meinen Konzerte viele Leute sind. Und das fühlt sich gut an!

Wer in so großen Hallen spielt wie Sie, ist aber doch ein Popstar!

Richtig, aber ich bin grundsätzlich nicht gut mit solchen Begriffen. Wenn man möchte, kann man das natürlich so sehen. (lacht)

Haben Sie nicht als Kind davon geträumt, ein Popstar zu sein?

Ich fand natürlich Michael Jackson klasse, aber Popstar wollte ich nie sein. Ich wollte immer nur Leute unterhalten.

Worauf legen Sie bei Ihrer Musik besonderen Wert?

Ich habe mich von Filmmusik inspirieren lassen, indem wir orchestrale Flächen genommen und diese mit Texten kombiniert haben, die mit mir persönlich etwas zu tun haben. Bei der neuen Platte, die wir gerade machen, gehen wir der Frage nach, wie extrem cool man musikalisch noch sein kann. Ein Herbert Grönemeyer hat ja vier oder fünf Platten gebraucht, um richtig groß zu werden.

Lieder zu schreiben hat ja etwas Rauschhaftes. Wie süchtig sind nach diesem Gefühl?

Nein, bei mir nicht. Es ist so schwierig, Songs zu schreiben! Damit sie richtig gut werden, braucht es viel Zeit. Aber es macht Spaß.

Hören Sie privat ähnliche Musik wie auf „Lachen Weinen Tanzen“?

Ich höre viel Hip-Hop und allen möglichen Kram. Coldplay fand ich immer ziemlich beeindruckend. Chris Martin live ist echt cool.

Ihr bester Freund ist der Silbermond-Schlagzeuger Andreas „Nowi“ Nowak. Hat er Ihnen dabei geholfen, zu Ihrem Sound zu finden?

Nowi ist ein großer Fan von Rammstein, dadurch hat er mich geprägt. Er ist ein Trommler, der total hart draufschlägt. Sein Spiel hat etwas existenziell Sehnsüchtiges. Das finde ich total geil.

Im Titelsong Ihres Albums findet sich die Textzeilen „Wir halten alles fest, und der Moment kommt uns abhanden“. Klappt es eigentlich, erfolgreich zu sein und zu entschleunigen?

Es kommt auf die Zeit an. Ich habe 15 Jahre durchgearbeitet, mit wenig Pausen und Urlaub. Jetzt nehme ich mir aber länger Zeit für meine Kinder und mein Leben. Und das wiederum ist cool. Nach 15 Jahren Vorarbeit kann ich mir auch eine längere Pause zur Entschleunigung erlauben.

Hat die Musik Ihnen geholfen, sich selbst besser kennenzulernen?

Nein. Die Musik hat mir dabei geholfen, den Mut aufzubringen, vor 6000 oder 8000 Leuten zu spielen.

Sind Konzerte die Krönung Ihrer Arbeit?

Der Oscar wäre die Krönung meiner Arbeit! Letztlich sieht man gar nicht die Zuschauer im Kinosaal; man sieht nie, wie sie reagieren. Das ist beim Konzert anders. Wenn man dann mal eine Zeile richtig verkackt und in ein Lied etwas aus einem anderen reinmurkst, bekommt man darauf eine unmittelbare Reaktion. Das ist das Schöne.

Angeblich trinken Sie vor jedem Auftritt ein Glas Wodka. Hilft Alkohol gegen Lampenfieber?

Das ist ein Ritual. Wir trinken alle zusammen einen Wodka und dann geht es raus.

Hängen Sex, Drugs und Rock’n’Roll irgendwie zusammen?

Mittlerweile ist das etwas von gestern. Wenn die Rolling Stones auf der Bühne stehen, trinken sie ja Wasser. Wir machen das ähnlich: Wir trinken auch Wasser. Aber danach meist Wein!

Und was machen Sie mit den Groupies, die Backstage auf Sie warten?

Das mit den Groupies ist nicht mehr so. Daran merkt man, dass wir älter geworden sind.

Woran merken Sie, dass Sie reifer und weiser geworden sind?

Am Müdigkeitsverhalten. Unsere Fans werden mit uns älter.

Haben Sie Eigenschaften, die Sie selbst nur schwer akzeptieren können?

Das einzige, was mich an mir nervt, ist, dass ich in mein Leben wenig Ruhe reinkriege. Ich will immer alles jetzt und sofort. Daran muss ich noch arbeiten.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben