Uraufführung

Martin Luther King als Musical: Der Chor ist der Star

Einige von 1200: Der Chor war der Star des Musicals-Abends.

Einige von 1200: Der Chor war der Star des Musicals-Abends.

Foto: Stefan Arend

Essen.   Bei der Uraufführung des Musicals „Martin Luther King“ war der Chor der Star: 2400 Sänger aus der Region gestalteten zwei Essener Abende mit.

Das Schlimmste kommt zuerst: Ein Schuss, der Tod, man will ja noch singen und tanzen können in einem Musical. Und hoffen. Das schließlich, sagt Autor Andreas Malessa, habe Martin Luther King die Menschen gelehrt: „Zähes und hartnäckiges Hoffen.“ Es wird deshalb doch noch ein froher Abend in Essens Grugahalle. Nachdem die Wittener Stiftung „Creative Kirche“ schon den Reformator rocken ließ, macht sie nun auch den anderen, viel späteren Martin Luther zu Musik – und der Star ist der Chor.

1200 sind sie zur Uraufführung, ein ganzer Rang ruft dem Pastor, der auf der ganzen Welt berühmt wurde mit seinem „I have a dream“, zu: „Träum weiter!“ Das ist Bitte und Bitterkeit zugleich, denn Malessas Libretto verhehlt nicht, dass King zwar ein Held war, aber auch ein Gescheiterter. Einer, der Gewaltlosigkeit predigte und Gewalt erntete, der Freundschaft wollte und Feindschaft erfuhr, der seine Zeit gab für die Revolution, aber zu wenig für seine Familie. „Seine Vision“, heißt es, „ein Hirnfurz ist das!“ Und der Friedensnobelpreisträger, „du meine Güte, politisch eine Wundertüte“. Martin „Loser“ King nennt ihn Gegenspieler Malcolm X: „Verlierer“.

Botschaft des Abends: „Ein Traum verändert die Welt“

Trotzdem steckt die Botschaft des Abends im Untertitel: „Ein Traum verändert die Welt.“ Es sind Christen, die dieses Musical gemacht haben, die Creative Kirche, die Komponisten Hanjo Gäbler und Christoph Terbuyken, Theologe Malessa. Und die Evangelische Kirche Deutschlands, das Bistum Essen, der Verband der Freikirchen haben die rund 2,5 Millionen Euro dafür mit bezahlt. Das Stück zeige eine „konkrete christliche Utopie“, sagen die Beteiligten, von Menschenrechten und Glauben zu reden, sei mehr als zeitgemäß. Und trotzdem, lachen und weinen sollen die Leute, sagt Andreas Malessa, „alte Musical-Regel, das ist hier kein Gottesdienst“.

Also lachen sie über die Szene, in der King in Ost-Berlin auf sächselnde Grenzbeamten trifft, lachen über den trotteligen „Biederbürger“ und das Auto, das auf der reduzierten Bühne nur ein Lenkrad ist. Und sie weinen, als eine sichtbare Welle des Gefühls durch die Chorstühle geht: „Es ströme das Recht wie Wasser!“ Als in Weiß die Heilige Geistin (Karolin Konert) zum Trösten erscheint. „Ich hab den Traum“, singt Martin Luther King, „mein Traum ist der“ – es will auf Deutsch einfach weniger klingen – „dass meine Arbeit, mein Gebet in euren Herzen weitergeht.“

„Du bist von Gott besoffen“

Es ist zuweilen eine Gratwanderung, der Tragik der Geschichte und der intellektuellen Größe Kings gerecht zu werden, wenn zugleich das Musical unterhalten soll und sein Text sich reimen. Da müssen es auch „umzäunen und „träumen“ tun, entstehen Verse wie „Du bist von Gott besoffen, sagen Freunde über dich. Na ja, dein Glauben, Lieben, Hoffen, ist ja nun auch lächerlich.“ Die auf Leinwänden mitlaufenden Untertitel animieren jedenfalls zum Mitsingen, die Musik, ein groovender Gemeinschaftsklang aus 60ern, 70ern und viel Gospel, sowieso.

Schade nur, dass in der Grugahalle geschieht, was schon so vielen Chören passiert ist: Die hochprofessionelle Band ist zu laut. Lauter oft als 1200 Sänger, lauter manchmal gar als die Solisten, was besonders stört, wenn Luther leise wird. In seinen zurückgenommenen Moment ist dieser Gino Emnes am eindrücklichsten, sein „Hörst du mich, o Gott“ wohl einer der tiefsten Momente des Abends. Trotzdem findet Christoph Spengler als einer der Dirigenten „magisch“, wie all die Laien nach nur drei Proben einen gemeinsamen Ton fanden. „Eine Wucht“, sagt Myriam Fischer (24), die aus Velbert dazukam; „ergreifend“ Ernst Kern (68) aus einem Kirchenchor in Essen. „Manchmal stellen sich die Nackenhaare auf.“

Gospelchöre aus Duisburg, Bottrop, Hamm

500 Einzelsänger wie diese beiden sind dabei, aber auch ganze Chöre aus der Region: „Jonathan“ und „PraiSing“ aus Duisburg, „Zion Gospel Singers“ und „Reformation Singers“ aus Essen“, „Rock my Soul“ aus Hamm und aus Bottrop sinnigerweise die „Martin Gospel Singers“. Die älteste Sängerin ist 84 und möchte lieber unerkannt bleiben in der Masse, der jüngste Sänger ist neun, heißt Marlon und darf gleich mehrfach in die Kamera singen.

Ein Thema kommt dabei immer wieder, die abgewandelte Melodie bleibt auf den Lippen, als ein glückliches Publikum die Halle verlässt: „We shall overcome“, Wir werden (den Hass) überwinden. Eine Hymne der Hoffnung.

>> Ab FRÜHJAHR 2020 AUF TOURNEE

„Martin Luther King. Ein Traum verändert die Welt“ ist das nächste Mal am 20. Juni im Rahmen des Evangelischen Kirchentages in Dortmunds Westfalenhalle zu sehen. Dann allerdings nur für Teilnehmer des Kirchentages.

2020 geht das Chormusical auf Tournee. Nach NRW kehrt es am 1. Februar (Münster), 8. Februar (Siegen) und 29. Februar (Bochum) zurück. Weitere Termine sind u.a. für Hamburg, Hannover und Bayreuth geplant.

In jeder Stadt findet sich ein neuer Chor zusammen. Infos unter https://king-musical.de

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