Literatur

Maja Lundes neuer Roman „Die Letzten ihrer Art“

Maja Lunde

Maja Lunde

Foto: dpa Picture-Alliance / / picture alliance / Photoshot

Essen.  Sie ist die Greta Thunberg der Literatur: Maja Lunde („Geschichte der Bienen“) erzählt erneut von einer bedrohten Art – den Przewalski-Pferden.

Das Urpferd wird in der Mongolei Takhi genannt, bekannt ist es auch als Przewalski-Pferd, nach seinem Entdecker aus dem Jahr 1881. Die letzten beiden Exemplare ihrer Art aber haben auch einen Rufnamen: „Puma“ und „Nike“. Benannt nach historischen Marken, die im Norwegen des Jahres 2064 ebenso ausgestorben sind wie viele Tierarten. Klimawandel und Ökokollaps haben den Menschen wenig gelassen – und so ist dies ein letztes Aufbäumen des Humors.

Maja Lundes „Geschichte der Bienen“ war 2017 Jahresbestseller in Deutschland

Einmal mehr hat die Norwegerin Maja Lunde ihrer Sorge um die Natur literarisch Ausdruck verliehen. Seit ihr Roman „Die Geschichte der Bienen“ 2017 mit 350.000 verkauften Exemplaren zum Jahresbestseller in Deutschland wurde, darf sie sich der Aufmerksamkeit für ihre Anliegen sicher sein. Zuletzt beschäftigte sie sich mit Klimawandel und drohender Dürre („Die Geschichte des Wasser“), nun widmet sie „Die Letzten ihrer Art“ ganz den Urpferden, einer Art, die in den 1980er Jahren allein durch die Züchtung in Zoos erhalten blieb. Auch dieses Werk steht bereits auf der Spiegel-Bestsellerliste. Wer bei Amazon nach skandinavischer Literatur sucht, sieht im Ranking der Top Ten nahezu Lunde pur: Mit den Hard- und Softcover-Ausgaben ihrer Bücher belegt sie gleich fünf Plätze der ersten zehn und lässt so Größen wie Jostein Gaarder oder Jo Nesbo weit hinter sich.

„Über unserem Küchentisch hing ein Anti-Atomkraft-Poster“, erinnert sich Maja Lunde

Eine Erklärung für den enormen Erfolg mit enorm deprimierenden Themen mag Maja Lundes erfrischende und höchst medientaugliche Art sein; jüngst spazierte sie für eine „Arte“-Dokumentation mit Seawatch-Kapitänin Carola Rackete durch Oslo und wirkte dabei wie die eigentliche Aktivistin. Lunde wuchs auf in einer ökologisch bewusst lebenden Familie, „über unserem Küchentisch hing ein Anti-Atomkraft-Poster“. In ihrer Heimat ist längst jedes zweite neu zugelassene Auto elektrisch, in der Literatur ihres Landes ist das Umwelt-Thema ein eigenes Genre. Die 44-Jährige ist eine authentische Botschafterin. Selbst ein Satz wie „Alles ist mit allem verbunden“ klingt bei ihr nicht wie ein Spruch aus dem Poesie-Album, sonder wie eine große Weisheit.

Das Netz durch Raum und Zeit ist zugleich literarisches Merkmal Maja Lundes; in den letzten, vierten Band des Klima-Quartetts sollen gar alle vorhergehenden Geschichten und Protagonisten einfließen. Der aktuelle Roman spielt auf drei Zeitebenen, erzählt von der Entdeckung der mongolischen Wildpferde im 19. Jahrhundert, von ihrer Auswilderung in den 1990er Jahren und ihrem Schicksal im Klimawandel-Europa der Zukunft.

Maja Lunde interessiert vor allem die Motivation der Artenschützer

Die Expedition des russischen Zoologen Mikhail im Jahr 1881, die mongolische Mission von Tierärztin Karin 1992 und das verzweifelte Bemühen der Norwegerin Eva um die Arterhaltung sind erwartungsgemäß faktenreich geschildert. Was Lunde aber vor allem interessiert, ist die Motivation der Artenschützer und der Preis, den sie auf zwischenmenschlicher Ebene für ihre Leidenschaft zu zahlen bereit sind. So bleibt Eva im Jahr 2064 mit ihrer Tochter Isa alleine auf einem verlassenen Hof, anstatt der Fluchtwelle in den Norden zu folgen – um der Pferde willen, an denen sich in ihren Augen das ganze Unglück der Erde bemisst.

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