Literatur

Louise Pennys Krimi „Hinter den drei Kiefern“

Louise Penny (60), kanadische Krimi-Königin.

Louise Penny (60), kanadische Krimi-Königin.

Die kanadische Autorin Louise Penny entwirft im Krimi „Hinter den drei Kiefern“ skurrile Figuren im Agatha-Christie-Stil.

Ein richtiges Herbstbuch! Auf dem Cover rote Ahornblätter und hoch aufragende blaugrüne Kiefern – „Hinter den drei Kiefern“ heißt es auch und verspricht eine kuschelige Lesestunde. Und schon sitzen wir in der Gemütlichkeitsfalle. Hinter dem Blick auf eine idyllische nordamerikanische Landschaft verbirgt sich keine Herz-Schmerz-Story, sondern ein erstklassiger Kriminalroman. Die kanadische Autorin Louise Penny, sechzig Jahre alt, hat seit 2005 schon 13 Krimis herausgebracht (der nächste erscheint in diesem Monat), die außerordentlich beliebt waren und mit zahlreichen Preisen, auch in USA, ausgezeichnet wurden. Die ersten vier gab es auch auf Deutsch, aber sie sind am Lesepublikum wie auch – muss ich gestehen – an den meisten Kritikerinnen und Kritikern vorbeigegangen. Vielleicht hatten alle irreführende Titelbilder?

Eine friedliche Dorfgemeinschaft mit skurrilen Typen

Egal, nun haben wir den 13. Roman aus dem der Zürcher Kampa-Verlag in Händen, den wir – auf einen Hinweis der Kritikerin Silvia Staude – mit großer Spannung gelesen haben. Wie lange habe ich schon nicht mehr „hinten“ nachgeschaut, wie es ausgeht?

Ms. Penny greift das alte Agatha-Christie-Modell auf: eine friedliche Dorfgemeinschaft mit skurrilen Typen, weitab vom Weltgeschehen – aber, wie es im Schlager heißt, das Böse ist immer und überall. Und hat sich für den gigantischen Drogenschmuggel die unbewachte Grenze zwischen Kanada und den USA gleich hinter dem Dörflein Three Pines, also Drei Kiefern, ausgesucht.

Eben da hat allerdings auch Armand Gamache, oberster Polizeichef der Provinz Québec, sein Wochenendhaus. Wir erleben ihn jetzt auf dem Gipfel seiner Karriere, aber auch als liebevollen Familien(groß)vater und eigenwilligen Sturkopf, der den Krieg gegen die Kartelle hüben und drüben zu seiner persönlichen Entscheidungsschlacht erklärt hat. Die führt er dann – wir sind längst in den Thriller gewechselt – mit List, Tücke, halbautomatischen Waffen (und seinem Schweizer Taschenmesser) zum siegreichen Ende. Dass er nicht nur körperlich lädiert ist, sondern wegen diverser Dienstvergehen auch vorläufig beurlaubt wird, scheint ihn nicht allzu sehr zu schmerzen. (Im nächsten Roman wird er ohnehin Pensionär sein.)

Ein Händchen für das Unheimliche

Louise Penny ist jedenfalls eine Autorin, die unser Interesse weiterhin verdient. Ihre Stärke liegt in der Zeichnung von Atmosphäre und originellen Figuren, nicht so sehr in der Plot-Konstruktion. Dafür hat sie (wie ihre französische Kollegin Fred Vargas, von der es ebenfalls ein neues Buch gibt), ein Händchen für das Unheimliche und Phantastische, aber auch für ernsthafte Fragen: nach Schuld, Sühne und Rache, nach Recht, Gerechtigkeit und Gewissen. Das alles auf unterhaltsame und tiefgründige Weise zusammenzubringen ist keine geringe Leistung. Und jetzt liegt der Ball wieder beim Kampa Verlag.

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