Spannungsroman

Lisbeths und Mikaels Ende frei nach Stieg Larsson – vorerst

Noomi Rapace als Lisbeth Salander in einer Stieg-Larsson-Verfilmung.

Noomi Rapace als Lisbeth Salander in einer Stieg-Larsson-Verfilmung.

Foto: Knut Koivisto / Handout

Essen.  „Vernichtung“ aus der Feder von David Lagercrantz beschließt Stieg Larssons Krimi-Erfolgsreihe um morallose Männer und zurückgelassene Frauen.

„Ich werde die Katze sein und nicht die Ratte“ – doch die wahre Roman-Hauptfigur Lisbeth Salander schafft es bis zum Schluss nicht, ihrer bösen Hexe Schwester den Todesstoß zu versetzen. „Vernichtung“ ist der sechste und nach jetzigem Stand letzte Teil der von Autor Stieg Larsson Schwedenkrimi-Serie, ein ungeheurer Erfolg in Multimillionenauflage und populär verfilmt.

Nach Larssons Tod 2004 wurde David Lagercrantz das literarische Erbe von „Verblendung“, „Verdammnis“ und „Vergebung“ übertragen. Mit seiner dritten Fortsetzung „Vernichtung“ verlässt er die Enge der schwedischen Gesellschaft, in der Investigativjournalist Mikael Blomkvist, Verkörperung politischer Korrektheit, russischen Trollen nachspürt. Die komplex damit verwobene Parallelgeschichte um einen todtraurigen Sherpa zeichnet menschliche Abgründe am höchsten Punkt des Himalaya. Wieder geht es auch bei „Vernichtung“ um morallose Männer, die sich alles nehmen, und Frauen, die dabei zurückgelassen werden, diesmal in der Eiseskälte eines Achttausenders.

Comic-Heldin mit digitalen Superkräften und Ninja-Motorrad

Salander, deren Bild der autistischen Rächerin durch die harte Darstellung von Schauspielerin Noomi Rapace festgelegt ist, kehrt zu den Traumata ihrer Kindheit zurück. 12-jährig verbrannte sie ihren denkbar bösartigsten Vater bei lebendigem Leib. Dabei ist die Unerbittliche, die Männern das Hemd am Körper bügelt, eigentlich eine Comic-Heldin, eine mit digitalen Superkräften, die online in Millisekunden Wirewalls hackt und im Nicht-Virtuellen mit ihrem Ninja-Motorrad Mauern knackt.

Große Literatur ist auch diese „Ver...“-Folge nicht. Mancher Dialog ist bei Lagercrantz so läppisch wie seine Sexszenen; der Pole heißt Kowalski, der Russe Kusnezow, die Deutsche – Elke Sommer! Aber diesem stets mitreißenden Page-Turner schadet das kaum bis zum furiosen Finale. Brennen muss die böse Hexe, und zum Spoilern noch den Schlusssatz des Märchens von Lisbeth und Mikael: „Es schien tatsächlich an der Zeit zu sein für etwas Neues.“

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