Literaturgebiet Ruhr

„Lesezeichen“ in Duisburg-Hamborn: Buchhandlung mit Charme

Ursula Ridder (r.) und Margit Meier vom „Lesezeichen“.

Ursula Ridder (r.) und Margit Meier vom „Lesezeichen“.

Foto: Olaf Fuhrmann / Funke Foto Services GmbH

Duisburg.  Buchhändlerinnen aus Leseleidenschaft: Ursula Ridder und Margit Meier setzen seit fast 25 Jahren „Lesezeichen“ im Duisburger Stadtteil Hamborn.

Links eine Spielhalle, rechts eine Spielhalle, schräg über die Straße der Wochenmarkt mit türkischen Gemüsehändlern und Backwaren. Eine Buchhandlung ist nicht das Erste, was man an der Emscherstraße in Alt-Hamborn suchen würde. Und doch setzen die Schwestern Ursula Ridder (71) und Margit Meier (64) hier seit fast 25 Jahren „Lesezeichen“: zwei Gründerinnen, bevor das Gründen in Mode kam, mit sehr viel Mut – und noch mehr Langmut.

Drei Mal ist das „Lesezeichen“ umgezogen in gut zwei Jahrzehnten, aber nie weiter als ein paar Häuser: von der 210 in die 211, dann in die 213. Das ist heute ein freundliches, hell leuchtendes Ladenlokal mit viel Kiefernholz. Allein die Möbel in der Abteilung Kinderbuch stammen noch von einst: „Der Schreiner war ein Bekannter von uns, das war sehr günstig“, erzählt Margit Meier. Und auch der erste 25-Quadratmeter-Raum kostete kaum Miete, „wir hatten auch gar keinen Vertrag, hätten jederzeit aussteigen können“. Sind sie aber nicht. Obwohl Margit Meier sich an manchen ersten Tagen fragte: Habe ich die Tür nicht aufgeschlossen? Oder wieso kommt keiner? „Manchmal habe ich mir selbst ein Buch gekauft“, erinnert sie sich, „damit ich nicht verlerne, wie die Kasse funktioniert.“

Lese-Leidenschaft der Schwestern als Geschäftsgrundlage

Geschäftsgrundlage war die Lese-Leidenschaft der Schwestern: Die ältere, Ursula, war gelernte Buchhändlerin. Die jüngere, Margit, sollte einen anderen Beruf ergreifen („nicht der Großen alles nachmachen!“) und wurde erst Kauffrau, dann Mutter. Als die letzte von einst zwei Buchhandlungen in Hamborn schloss, blieb ihr nur die Schwester in Dinslaken als Bestell-Adresse: Bei jedem Besuch hatte Ursula neue Lektüre parat. „Ich kam ja hier kaum weg“, erinnert sich Margit, „mit einem Kind im Kinderwagen und einem an der Hand, und mein Mann hatte das Auto“ – und, nur zur Erinnerung, ein Internet und ein Amazon gab es damals noch nicht.

Ursula Ridders Kinder waren damals schon älter, 13 und 16 Jahre. „Ich habe trotzdem gezögert, als Margit den Vorschlag mit der Buchhandlung machte“ – aber dann sprang sie. Übernahm die Nachmittage, an denen die Jüngere sich um die Kinder kümmern musste, steht noch heute bei Lesungen parat (obwohl der „Zweit-Job“ Oma sie immer stärker fordert), wechselt sich mit ihrer Schwester bei der Lektüre der neuen Bücher ab. Denn dies macht den Charme der Hamborner Buchhandlung aus: Hier lesen die Besitzerinnen noch selbst. „Alles, was wir empfehlen, können wir auch von Herzen empfehlen“, betont Margit Meier. In den Regalen stehen Krimis und Unterhaltsames, Regionalia und Sachbücher.

Ohne Buchpreisbindung wäre geschäftliches Überleben nicht mehr möglich

Türkische Literatur? „Kann ich jederzeit bestellen, nur müssen mir die Kunden dann alles buchstabieren“; andererseits hat sie zwei türkischstämmige Leserinnen, die sich seit Jahren durch die Abteilung deutsche Klassiker lesen: „Die kennen da inzwischen mehr als ich!“ Obwohl es brummt im Geschäft an diesem Dienstagmorgen, obwohl sich Schulbuch- und Deutschbuch-Besteller die Klinke in die Hand geben (an der VHS laufen neue Kurse in „Deutsch als Fremdsprache“), ist das Geschäft doch schwerer als einst. „Wir waren lange Zeit hier beide in Vollzeit beschäftigt, hatten eine Auszubildende, eine Mitarbeiterin, dazu Schüler und Studenten als Aushilfe – das ist schon weniger geworden.“ Ohne die Buchpreisbindung, das betonen die Schwestern ausdrücklich, wäre ein geschäftliches Überleben nicht mehr möglich.

Wobei: Der Spaß, die Freude an der Arbeit wäre wohl hinzuzurechnen, wenn es denn tatsächlich ums Rechnen ginge. Sowie die vielen Lesungen, zu denen sie der Verleger Werner Boschmann animierte und die jetzt drei-, viermal pro Saison ihr Publikum begeistern. Und ebenso die Vortragenden. „Im vergangenen Jahr hatten wir Hennes Bender hier, der den Ruhrpott-Asterix vorstellte“; vor einigen Wochen rief Herr Bender überraschend in Hamborn an: „Es wäre so nett gewesen, ob er denn nochmal zu uns kommen darf.“ Er darf. Mehr Kompliment geht ja wohl kaum.

4. Oktober 2019: Signierstunde mit Hennes Bender (15 Uhr, Eintritt frei). 7. November 2019: Regisseur Adolf Winkelmann spricht mit Verleger Werner Boschmann (19.30 Uhr, Eintritt 13€ inkl. Imbiss). Karten: 0203/ 560067, www.lesezeichen-hamborn.de.

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