Literatur

Leonardo Paduras Krimi „Die Durchlässigkeit der Zeit“

Der kubanische Schriftsteller Leonardo Padura.

Der kubanische Schriftsteller Leonardo Padura.

Foto: Imago

Zwei Romane in einem: Der Kubaner Leonard Padura verwebt seinen Krimi mit der Geschichte einer Madonnenfigur.

„El Conde“ ist wieder da! Als wir ihn kennenlernten, Mitte der 90er Jahre, brachten die vier Bändchen des „Havanna-Quartetts“ eine ganz neue Farbigkeit in die deutsche Krimiszene. Mario Conde war damals Kriminalpolizist im Range eines Leutnants, eigenwillig, furchtlos und nicht korrumpierbar. Kein Wunder, dass er die Staatsmacht bald verließ und sein karges Auskommen als Gelegenheitsdetektiv und antiquarischer Buchhändler verdiente. Sein Schöpfer, der kubanische Autor Leonardo Padura, war seinem Helden wohl nicht unähnlich, sonst hätte sich der enttäuschte Idealist und scharfe Kritiker des repressiven Spätsozialismus in seiner Heimat kaum behaupten können. Die große Anerkennung in der iberischen Welt, bis hin zum wichtigsten spanischen Literaturpreis, hat ihn sicher geschützt.

Große Anerkennung für Leonardo Padura

Inzwischen sind alle älter geworden, Conde starrt mit Schrecken auf seinen 60. Geburtstag, der gleichaltrige Senor Padura hat sich längst größeren Projekten gewidmet, die noch Krimis, aber zugleich historische Romane sind. Manchmal gelingt das überzeugend, wie in „Nebel von gestern“, wo eine alte Privatbibliothek die ganze kubanische Geschichte, aber auch eine Leiche verbirgt, und manchmal eben nicht ganz so bruchlos.

Im neuen, über 400 Seiten starken Roman beispielsweise verfolgt Conte die Spur einer schwarzen Madonnenfigur aus Holz, die vielleicht aus Spanien stammt, vermutlich Millionen Dollar wert ist, und angeblich Wunder bewirkt. Nichts Genaues weiß man nicht, aber die Suche nach ihr führt uns durchs ganze, inzwischen vom Konsumkapitalismus unterwanderte Havanna und seine verrottete Pracht, in die Luxusvillen der Schwarzhändler und Mafiosi, aber auch ins Viertel der Allerärmsten in ihren Kartonhütten, die die Metropole umlagern wie Fliegen ein totes Tier.

Milieuschilderungen waren immer schon eine Stärke Paduras, aber der Krimifaden ist diesmal etwas brüchig, auch wenn er dem großen Vorbild des „Malteser Falken“ von Dashiell Hammett folgt. Ungewöhnlich ist freilich, dass der Roman eine ganze zweite Erzählung enthält: die Herkunft der Madonna und ihre Geschichte seit dem Mittelalter – durch Kriege und Katastrophen aller Art, und von den Pyrenäen bis zur Zuckerinsel.

Der Lebenswunsch vom Schreiben

Dies wird in großen Abschnitten zwischen den Krimi-Kapiteln erzählt, rückwärts aus dem 20. ins 13. Jahrhundert – eine recht waghalsige und für manche auch irritierende Konstruktion. Und wer erzählt hier überhaupt? Das zeigt sich erst ganz am Ende: Es ist Conde selber, der die Rekonvaleszenz nach einer Gangsterkugel nutzt, um sich den Lebenswunsch vom Schreiben zu erfüllen. Da sind wir natürlich gespannt auf seinen nächsten Roman. Vielleicht handelt der ja von einem Krimiautor namens Padura.

Leonardo Padura: Die Durchlässigkeit der Zeit. Aus dem Spanischen von Hans-Joachim Hartstein. Unionsverlag, 448 Seiten, 24 Euro.

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