MALEREI

Kunsthalle Recklinghausen zeigt „Das Geheimnis der Dinge“

Norbert Biskys Gemälde „Arkona“ aus dem Jahr 2018 (Ausschnitt).

Norbert Biskys Gemälde „Arkona“ aus dem Jahr 2018 (Ausschnitt).

Foto: Kunsthalle Recklinghausen

Recklinghausen.   „Psst! Nicht zu Ende erzählen!“: In der Kunsthalle Recklinghausen sind jetzt abwechslungsreiche Malstücke von 50 Künstlern zu sehen.

Norbert Bisky lässt uns eine irrwitzige Himmels-Apparatur sehen, die zwar aus lauter bekannten Bauteilen besteht, deren Zweck aber ein völliges Rätsel ist – aber um den Gedanken, dass es etwas Gefährliches, womöglich gar Militärisches ist, kommt man kaum herum. Norbert Tadeusz wiederum drapiert eine auseinandergeschraubte Sprühpistole auf ein Waschbecken – aber warum ist das Waschbecken blau?

Zwei Bilder aus der opulenten Malerei-Ausstellung „Das Geheimnis der Dinge“ in der Kunsthalle Recklinghausen, die sich in 50 Positionen mit dem beschäftigen, was man auf den ersten Blick, auf der Oberfläche eines Bildes gerade nicht sieht.

Hase im Sadomaso-Latexanzug

Zustandegekommen ist diese an namhaften Gegenwartskünstlern reiche Ausstellung durch den Maler und Netzwerker Hartmut Neumann, der 1983 Gewinner des Kunstpreises „Junger Westen“ war und seit Jahrzehnten schon als Professor an der Hochschule für Bildende Künste in Braunschweig lehrt, aber auch im Deutschen Künstlerbund aktiv ist. Und so bekam er, als er bei Kolleginnen und Kollegen nach Malstücken im Format von höchstens 50 mal 40 Zentimetern fragte, die Gegenstände zeigen sollten, erstaunlich viel Resonanz.

Und das in hoher Qualität: Sibylle Springer etwa hat rätselhaft spiegelnde Pfützen auf die Leinwand gebannt, Karin Kneffel zeigt Vitrinen, wie durch eine Scheibe voller Regentropfen gesehen, im quadratischen Format und vollkommen blickmagnetisch, ja hypnotisch. Bei Heribert C. Ottersbach gibt es stürzende oder verschlossen wirkende Architekturen und die mysteriös gemalten Lautsprecher von Wolfgang Ellenrieder wirken durch die höhere Hängung doppelt bedrohlich.

Keine platten Abbilder

Über die Geschichte hinter dem Bild lässt sich oft nur spekulieren, aber ohne diese Geschichte wären es keine Gemälde, sondern platte Abbilder. Die Zeiten, in denen das Malen von Dingen die selbstverständlichste Sache der Welt war, sind ohnehin lange vorbei. Zumal Gegenstände auf Bildern ja keine bloßen Gegenstände mehr sind, sondern Zeichen, Kulissen, Bedeutung.

Das Spiel damit ist im „Geheimnis der Dinge“ besonders ausgeprägt, auch in Thomas Hartmanns Bücherstapeln, -wänden, -türmen. Stephan à Wengen malt einen Hasen im Sadomaso-Latexanzug, Cornelius Völker erinnert mit farbstark befleckten Pflastern daran, dass das Leben lebensgefährlich ist, Gert und Uwe Tobias kehren nach ihrer Kohle-Ausstellung 2018 mit surreal ausstaffierten Vogelskeletten in die Kunsthalle zurück. Bei dem Schweizer Thomas Huber verschmelzen Körperteile zu symmetrischen Symbolen.

Geschichte wird nicht zu Ende erzählt

Das Entscheidende an all diesen Bildern ist, dass sie die Geschichte dahinter nicht zu Ende erzählen, dass ein Rest bleibt – und darum sollte man beim Besuch der Kunsthalle zum Lauschen und Zuendespinnen nicht zu wenig Zeit mitbringen.

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