Literatur

Klaus-Peter Wolfs „Ostfriesennacht“

Klaus-Peter Wolf

Klaus-Peter Wolf

Gelsenkirchen.   Der neue Ostfriesen-Krimi von Klaus-Peter Wolf schickt einen Killer ins Urlaubsidyll. „Ostfriesennacht“ lässt auch einen Ermittler durchdrehen.

Der Killer kommt immer nachts. Immer mit dem Messer bewaffnet. Wenn es dunkel wird über Ostfriesland und alles friedlich schläft, schleicht er sich in die Ferienwohnungen und metzelt wehrlose Frauen brutal nieder. Mit „Ostfriesennacht“ legt Bestseller-Autor Klaus-Peter Wolf seinen nunmehr 13. Krimi rund um Kult-Kommissarin Ann Kathrin Klaasen vor und liefert einmal mehr eine spannende Melange aus betulicher Urlaubs-Idylle, Tiefenpsychologie und psychopathischem Wahnsinn.

Hier, im hohen Norden, wo die Luft nach Salz riecht, wo die Uhren etwas langsamer zu ticken scheinen, da legt der gebürtige Gelsenkirchener und Wahlostfriese die Abgründe menschlicher Seelen bloß. Klaus-Peter Wolf lässt in seinen Krimis nicht einfach nur die Mörder von der Leine, er blickt stets tief in ihr Inneres, um zu entdecken, was den Menschen zum Bösewicht macht.

Das Psychogramm einer kaputten Seele

Auch das aktuelle Werk zeichnet das Psychogramm einer kaputten Seele nach. Der Serienkiller tötet seine Opfer nicht nur, er schneidet ihnen auch ihr Tattoo aus der Haut und haut es sich in die Pfanne. Warum? Das versucht das bekannte Ermittlerteam, dem die Stammleser längst wie eine Familie begegnen, zu ergründen.

Doch diesmal dreht nicht nur ein Killer durch, sondern auch ein Kommissar. Frank Weller nämlich, ein überfürsorglicher Vater voller Urängste, nimmt plötzlich den Liebhaber seiner Tochter als mutmaßlichen Mörder ins Visier und steigert sich mit derart monströsem, schier paranoiden Beschützerinstinkt in den Verdacht hinein, dass er selbst Rechtsbrüche ohne Ende begeht. Wie er da wieder rauskommt, überrascht am Ende tatsächlich.

Leise Ironie und kalauernder Humor

Knisternde Spannung gelingt dem Autor (65) auch diesmal durch permanenten Perspektivwechsel, durch eine Atmosphäre aus Urlaubsidyll und Alltagstrott, in die plötzlich das Grauen einbricht. Mit seiner leisen Ironie, seinem kalauernden Humor und den fein gesponnenen Nebensträngen gerät auch dieser Roman weit weniger düster und mystisch als die ZDF-Verfilmungen.

Die Schauplätze, an denen Wolf seine Geschichten ansiedelt, sind real. Und manchmal auch die Menschen. Auch wenn seine Heimatstadt Gelsenkirchen diesmal keine Rolle spielt, so ist es doch das Buch eines Revier-Kollegen: Herbert Knorrs Krimi „Schitt häppens“ dient als fulminantes Wurfgeschoss. Auch dieser Wolf-Krimi, er trifft!

Klaus-Peter Wolf: Ostfriesennacht. Fischer TB, 480 S., 10,99 €

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