Klassik

Klassik-Tipps für den weihnachtlichen Gabentisch

Jakub Józef Orliński: Der aufstrebende polnische Countertenor legt ein überragendes Album mit geistlichen Arien des Barock vor.

Jakub Józef Orliński: Der aufstrebende polnische Countertenor legt ein überragendes Album mit geistlichen Arien des Barock vor.

Foto: Michael Sharkey

  Musik ist ein Geschenk, aber gut muss sie sein. Wenn Sie Klassik lieben, hätten wir zum Fest ein paar spannende Empfehlungen!

Zu den guten Seiten von CDs als Geschenk zählt ja auch die Möglichkeit, gleich nach der Bescherung keine Weihnachtsplatte auflegen zu müssen. Aber natürlich bieten die besten ihrer Art noch viel mehr – nicht zuletzt Harmonie zum Fest. Die schönsten Klassik-Gaben hat Lars von der Gönna für unsere Leser zusammengestellt.

Berauschend schön

Uns ist kein zweiter Counter-Tenor bekannt, der sich selbst bei geistlicher Musik per Breakdance für den Auftritt rüstet. Doch nicht nur dieses Talent unterscheidet den 27-jährigen Polen Jakub Józef Orliński von vielen in der blühenden Zunft höchster Männerstimmen. Das Besondere, ja Berauschende ist, dass die Kehle dieses smarten Typen noch in höchsten Höhen einen männlichen Kern zeigt, wo viele Kollegen nur noch, pardon, wie parfümierte Fräuleinwunder klingen. Orlinskis CD „Anima Sacra“ (Erato, ca.18 €) versammelt (teils noch nie veröffentlichte) Barockarien. Virtuose Hürden nimmt der Mann mühelos, doch die Innigkeit und sanfte Demut, mit denen Orlinski die langsamen Werke erfühlt, können einen zu Tränen rühren.

Schumann, der Mensch

Ein wunderbares Geschenk für jene, denen Musik mehr als allein Herzensbildung bedeutet, ist die jüngst erschienene Hörbiografie über Robert Schumann. Briefe, Zeitgenossen, Schumann (mit der Stimme von Matthias Brandt!) in eigenen Worten und immer wieder auch seine Musik bilden für „Die innere Stimme“ (BR Klassik, 4 CDS, ca 27 €) ein schillerndes, uns sehr nahe kommendes Mosaik aus Mensch und Künstler. Es gilt bekanntlich: Man hört nur, was man weiß. Und das ist für uns nach diesen von Jörg Handstein so packend wie unterhaltsam gestalteten Porträtstunden sehr viel mehr geworden.

Hochspannung im Quartett

Mussorgskys „Bilder einer Ausstellung“ gelten als unverwüstliche Musik-Materie. Dass das von Ravel zu köstlichem Orchesterfutter geformte Wuchtwerk auch raffiniert filigran klingen kann, lässt uns die rasante Bearbeitung für Klavierquartett hören. Wir empfehlen die Weltersteinspielung eines Arrangements des Pianisten Dirk Mommertz. Für Klassik-Freunde, die schon alles haben, bietet diese Stunde vom brillant auftrumpfenden Fauré-Quartett Kammermusik unter Hochspannung. Dazu gibt es Rachmaninows Études-Tableaux. (Berlin Classics, ca. 18 €)

Knaller zum Fest

Mit einer der schönsten Orchesterleistungen des Jahres verschenken Sie auch die Chance, Heiligabend schon mit einem Bein im Neujahrskonzert zu stehen. Wie das Münchner Rundfunkorchester auf seinem Album mit Ouvertüren Franz von Suppés (1819-1895) ein effektvolles Feuerwerk nach dem anderen abbrennt, das ist schlichtweg mitreißend. Unter Ivan Repušić leuchten die grandios musikantisch agierenden Bayern zugleich die seidige Schönheit von Werken wie „Die schöne Galathée“ und „Bocaccio“ aus. (BR Klassik, ca 18 €).

Montse, addio!

Erst vor wenigen Wochen ist eine unvergleichliche Belcanto-Sängerin von uns gegangen. „Die Musik ist groß, nicht du“, hat Montserrat Caballé mir in einem Interview über ihre Arbeit gesagt – und untertrieben. Wer die unverwechselbare Schönheit dieser Jahrhundertstimme hören will, dem sei die große „Jacket-Collection“ (RCA, 15 CD, ca 50 €) ans Herz gelegt. Caballés „Norma“, die Zarzuelas, ihr Bellini und Rossini: überwältigend gut.

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