Kino

Trubel in den Tropen: „Fantasy Island“ schockt beim Zusehen

Man kann es erahnen: Wirklich idyllisch ist diese Insel nicht.

Man kann es erahnen: Wirklich idyllisch ist diese Insel nicht.

Foto: Sony Pictures Germany

Im Horror-Remake der 70er-Jahre-US-Serie „Fantasy Island“ werden für Besucher einer Insel Wünsche wahr – mit zweifelhaften Konsequenzen

Willkommen auf Fantasy Island! Mancher wird sich noch erinnern an jene US-Serie, in der Leute zu einer Südseeinsel fuhren, wo sie eine tief empfundene Fantasie ausleben konnten und dabei feststellen mussten, dass es nicht immer das Beste ist, was einem im ersten Gedanken durch den Kopf geht.

Ganz ähnlich ergeht es auch den Leuten, die ganz unbedarft an einem Gewinnspiel teilnahmen, das eine Reise auf eben jenes Fantasy Island verspricht, und nun tatsächlich an tropischem Strand von einer Schönheit empfangen werden, die schon bald Magisches ankündigt: „Ihr Leben ist im Begriff, sich zu ändern. Ich hoffe, dass Sie auch bereit dazu sind.“

„Fantasy Island“ erfüllt Wunschfantasien – gegen einen hohen Preis

Auftritt Mr. Roarke (der rundweg sympathische Michael Peña in weißem Anzug gibt sich größte Mühe um doppelbödige Ausstrahlung), der erklärte Botschafter der tiefsten Sehnsüchte stellt nach etwas Geplauder die Weichen für kommende Attraktionen: „Jeder Gast hat nur eine Wunschfantasie frei. Und da müssen Sie dann auch durch, egal wie.“

Das Wunschspektrum der Neuankömmlinge hält sich derweil in erwartbaren Grenzen. Manche träumen von erotischer Erfüllung (Bikinischönheiten gibt es auf der Insel genug), Randall (Austin Stowell) will sich in realer Balleraction beweisen, Melanie (Lucy Hale) will Rache an einer üben, die sie als Kind herumschubste, und Elena (Maggie Q) will den Moment ändern, den sie am meisten bereut. Am nächsten Morgen kommt für alle die Stunde der Bewährung und jede(r) bekommt weit mehr, als ihm oder ihr lieb sein sollte.

„Die Insel treibt ein doppeltes Spiel mit dem, weshalb wir herkamen“, heißt es denn auch bald, und das Grauen nimmt seinen Lauf. Ganz so plump eindeutig laufen die Dinge dann aber auch wieder nicht. Denn vieles ist nicht, was es auf den ersten Blick zu sein scheint – und oft auch nicht, was der zweite oder dritte Blick eröffnet.

Horror für ein jugendliches Publikum

Das Drehbuch will es ein bisschen raffiniert auslegen, aber Regisseur Jeff Wadlow, Kreativkraft hinter zweifelhaften Sensationen wie „Cry Wolf“ und „Kick Ass 2“, ist ein viel zu willfähriger Erfüllungsgehilfe der Produktionsfirma Blumhouse, die dafür steht, dass ein Film dieses Zuschnitts zuerst und vor allem die Entertainment-Gelüste eines jugendlichen Wochenendpublikums zufriedenzustellen hat.

Also wird mit etwas Folterhorror ebenso kokettiert wie mit Monsterhorror und psychischen Ohnmachtssituationen, die Musik poltert mächtig los und was an Spannung noch da ist, entlädt sich in einem Buh-Effekt aus der Geisterbahn. Das tut alles nicht weh und wird manch hartgesottenen Gruselfan eher unterbeschäftigen. Andererseits muss man schon dankbar sein, wenn Horror nicht ausschließlich mit kaltschnäuzig serviertem Sadismus gleichgesetzt wird.

USA 2020, 110 Min., R: Jeff Wadlow, D: Michael Peña, Maggie Q, Lucy Hale, Austin Stowell
FSK 16, Wertung: 3 / 5 Punkte

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