Kino

Terry Gilliams neuer Film „The Man Who Killed Don Quixote“

Tobys Boss (Stellan Skarsgård, l.), seine Frau Jacqui (Olga Kurylenko, r.) und Toby (Adam Driver, m.) scheinen sich auf der Kostümparty nur begrenzt zu amüsieren.

Tobys Boss (Stellan Skarsgård, l.), seine Frau Jacqui (Olga Kurylenko, r.) und Toby (Adam Driver, m.) scheinen sich auf der Kostümparty nur begrenzt zu amüsieren.

Foto: Concorde (Filmverleih)

Essen.   Schwere Geburt, aber kein Kind, auf das Regisseur Terry Gilliam bedingungslos stolz sein könnte: sein Film „The Man Who Killed Don Quixote“.

Terry Gilliams neuer Film „The Man Who Killed Don Quixote“ kann eine Leidensgeschichte vorzeigen, wie man sie im Filmgeschäft wohl kein zweites Mal findet. Gleich zu Beginn kündet auf der Leinwand eine Texttafel von den Schwierigkeiten: „Nach mehr als 25 Jahren in Arbeit. . . oder Nicht-Arbeit . . . endlich im Kino“.

Gilliam wollte bereits 2000 in der spanischen Zentralregion La Mancha mit den Dreharbeiten beginnen, doch tieffliegende Kampfjets, zerstörerische Wassermassen und ein ernsthaft erkrankter Hauptdarsteller (Jean Rochefort) erzwangen den Abbruch der Produktion. Der zähe Regisseur jedoch hat den Kampf gegen die Windmühlenflügel des Filmgeschäfts nie wirklich aufgegeben. Wenn er sein Werk nun endlich präsentieren kann, farbenfroh und voll von Verrücktheiten, muss man allerdings konstatieren, dass das Chaos der Entstehungsgeschichte hier deutlich Fuß gefasst hat.

Alles beginnt mit dem eitlen Regisseur Toby (Adam Driver), der in Spanien einen Werbefilm dreht. Er wird dabei von seiner Vergangenheit eingeholt, denn in einem Dorf ganz in der Nähe hat er vor zehn Jahren einen Studentenfilm über Don Quixote gedreht. Dem Dorf, das er in seinem Film komplett einband, hat das kein Glück gebracht. Die schöne Angelika (Joana Ribeiro) wurde vom Vater als „Nutte“ verstoßen und landete denn auch bei einem Escort-Service. Der alte Schuster Javier (Jonathan Price), damals die Hauptfigur des Films, hat sich endgültig in den Wahn verstiegen, Don Quixote zu sein.

Man ahnt, wohin die Reise gehen soll. Toby, im Dorf nicht mehr gut gelitten, muss fliehen, hat dabei aber den in voller Rüstung angetretenen Javier im Schlepptau, der in dem Regisseur längst seinen Knappen Sancho Panza erkannt hat.

Terry Gilliams neuer Film „The Man Who Killed Don Quixote“ ist kein überragendes Kino

Und damit endet die Realität, sie macht Platz für eine Traumwelt, die nahe am Wahnsinn jongliert. Die uns bekannte Figur des reinen Toren Quixote wird dabei von Jonathan Price zu einem planen Idioten heruntergewirtschaftet. Adam Drivers Toby hingegen wundert sich derweil, dass er hier von einer surrealen Szene in die nächste rutscht. Wobei dieser notorische Frauenheld sich mehr und mehr zum besseren Menschen wandelt und in Angelika plötzlich sogar die Frau seiner Träume entdeckt. Die aber ist inzwischen so etwas wie das Eigentum eines russischen Oligarchen, der in einem Prachtschloss residiert.

Die opulente Ausstattung kann nicht über dramaturgische Schwächen hinwegtäuschen

Gilliam filmt drauflos, was das Zeug hält und die Ausstattung hergibt. Es muss ein finales großes Fest her, das der selbstherrliche Russe natürlich gleich parat hat. Während des zu erwartenden Gelages will man Tobys Angebetete aus den Fängen dieses Finsterlings befreien. Als Regisseur könnte man nun die Spannung erhöhen, man könnte das Ganze aber auch als grandiosen Slapstick inszenieren, was angesichts von Gilliams Vergangenheit bei Monty Python ja naheliegen würde. Tatsächlich aber gerät alles doch nur wieder zu einem holprigen Durcheinander.

Vielleicht ist es doch nicht so ratsam, ein Drehbuch über Jahrzehnte hinweg immer mal wieder zu überarbeiten. Das Ergebnis jedenfalls ist dünn. Gelegentlich mag man staunen über Bilder und Verrücktheit, meist bleibt es bei einem Schulterzucken. Mitfiebern? Befreites Lachen? Fehlanzeige.

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