Kino

Stolpernde Selbstfindung im neuen Kinofilm „Vielmachglas“

Jella Haase bekannt durch Ihre Rolle als Chantal in der Kinofilmreihe „Fack ju Göthe“

Jella Haase bekannt durch Ihre Rolle als Chantal in der Kinofilmreihe „Fack ju Göthe“

Foto: Bernd Spauke

Berlin.  In der Komödie begibt sich Jella Haase auf einen Ego-Trip. In der Nebenrolle ist der Schauspieler und Sänger Matthias Schweighöfer zusehen.

Vom Erwachsenwerden hält Marleen (Jella Haase, Foto oben) herzlich wenig. Mit Anfang 20 wohnt sie noch bei ihren Eltern und jobbt viel lieber in einem Kino, als sich dem schnöden Studentenleben zu widmen. Den permanenten Vorwürfen ihrer Eltern Doris (Juliane Köhler) und Peter (Uwe Ochsenknecht) ausgesetzt, steht sie zu allem Übel auch noch im Schatten ihres älteren Bruders Erik (Matthias Schweighöfer), einem Globetrotter, der kurz vor einer Buchpublikation steht.

Einmachglas als Motivation

Erik seinerseits versucht die Wogen zu glätten, indem er Marleen ein Einmachglas schenkt. Es handelt sich dabei jedoch nicht um ein einfaches Einmachglas, sondern um das titelgebende Vielmachglas. Marleen soll künftig ihre spannendsten Abenteuer auf einen Zettel schreiben und in das Glas werfen. Vielmachglas, klar, weil sie eben möglichst viel machen soll. Anfänglich nicht übermäßig vom Geschenk ihres Bruders überzeugt, ändert schließlich ein tragisches Unglück Marleens Meinung. Kurzerhand packt die junge Frau ihre Sachen und macht sich auf die Reise, um ihr Vielmachglas mit möglichst vielen spannenden Geschichten zu füttern.

Bizarre Szenarien

Es beginnt ein Abenteuer, das in vieler Hinsicht an ein klassisches Roadmovie erinnert. Marleen stolpert, von unfassbarem Glück und schierem Zufall begleitet, durch bizarre bis gänzlich realitätsferne Szenarien, die zunehmend Spannung und Authentizität des Films untergraben. Spannungsraubend und öde sind auch Marleens regelmäßige Monologe, die leidlich verdeutlichen, dass Jella Haase einer tragenden Rolle bei Weitem noch nicht gewachsen ist. Rhetorisch schwingen immer wieder Nuancen ihrer Debütrolle der Chantal aus der „Fack ju Göthe“-Reihe mit. Schade eigentlich, hätte sie sich in ihrer Besetzung als Protagonistin doch vom Stigma der Rotzgöre befreien können.

Komödiantisch glänzt hauptsächlich das aufstrebende Vlogger-Sternchen Zoë (Emma Drogunova), das Marleen zu Beginn ihrer Reise begleitet, jedoch leider sehr schnell wieder von der Bildfläche verschwindet.

Zutiefst von sich und ihrem bevorstehenden Ruhm überzeugt, teilt sie akribisch jede Banalität der gemeinsamen Reise mit ihren Followern. Mit einem Auge fürs Detail gelingt es Drogunova dabei punktgenau, die nervig-niedliche Attitüde tatsächlicher Influencerinnen zu parodieren und eine angenehme Prise Humor in den sonst eher drögen Film zu streuen. Neben ihr konnte auch der Gastauftritt Katy Karrenbauers punkten, die in ihrer obligatorischen Rolle als Schlägerbraut für etwas Slapstick sorgt.

Substanzlosigkeit macht sich breit

Der Versuch, große Emotionen aufzubauen, scheitert kläglich, insbesondere durch das apathisch anmutende Spiel der Alteingesessenen Köhler und Ochsenknecht, das der Thematik nicht gerecht wird. Zur musikalischen Untermalung bedient man sich semisentimentaler Indie-Folk-Klänge, die im deutschen Film inzwischen geradezu unvermeidlich scheinen.

Insgesamt erinnert „Vielmachglas“, wie schon durch den Titel suggeriert, an ein Werk aus Til Schweigers Feder, kann durch seine Substanzlosigkeit jedoch nicht mit diesen konkurrieren.

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