Twilight

Liebe ist der reine Horror in Teil 1 des Twilight-Finales „Breaking Dawn“

Am Wochenende laufen die Previews, ab 24. November ist Teil 4 der „Twilight“-Saga regulär in den Kinos. In „Breaking Dawn - Biss zum Ende der Nacht“ schmachten sich Bella (Kristen Stewart) und  ihr schöner Vampir Edwad (Robert Pattinson) weiter an. Foto: Concorde

Am Wochenende laufen die Previews, ab 24. November ist Teil 4 der „Twilight“-Saga regulär in den Kinos. In „Breaking Dawn - Biss zum Ende der Nacht“ schmachten sich Bella (Kristen Stewart) und ihr schöner Vampir Edwad (Robert Pattinson) weiter an. Foto: Concorde

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Essen.   Halb-Finale der unendlichen Beißer-Romanze von Stephenie Meyer: Für „Breaking Dawn - Biss zum Ende der Nacht“ macht die „Twilight“-Saga in Familie. Kristen Stewart als Bella bekommt einen dicken Bauch und der schöne Robert Pattinson als Edward guckt bekümmert wie nie zuvor.

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Zwei zart geflüsterte Treueschwüre und ein paar müde Hochzeitsreden müssen wir abwarten, dann hat Stephenie Meyers Vampir-Kuschelsaga ihren vorläufigen Höhepunkt erreicht. Drei lange Twilight-Folgen galt für die anmutige Bella Swan und ihren keuschen Liebsten Edward Cullen die eiserne Regel: Nur küssen, nicht anfassen!

Nun hat die emotionale Selbstkasteiung endlich ein Ende. Kein Sex vor der Ehe, das war ja Bedingung dieses abstinenten Edel-Vampirs Edward, um seinen unsterblichen Beauty-Body überhaupt an ein vergängliches Menschenwesen wie Bella zu binden. In Teil 4 „Breaking Dawn – Biss zum Ende der Nacht“ dürfen endlich alle tanzen, Vampire wie Hormone.

Ein paar im Vorfeld gezielt verbreitete Filmbilder von inniger Umarmung unter Wasserfällen und nächtlichem Sex on the Beach hatten gar die Erwartung geschürt, dass die Flamme der Leidenschaft aus den blässlichen jungen Menschen nun tatsächlich mal Wesen aus reiner Lust und puren Endorphinen machen würde.

Doch besorgte Mütter, die ihre fiebernden Teenager-Töchter vom kommenden Donnerstag an ins Kino entlassen, dürfen sich recht entspannt zurücklehnen. In „Biss zum Ende der Nacht“ bekommt man in etwa so viel nackte Haut geboten wie in einer Weichspül-Werbung aus dem Vorabendprogramm. Trotzdem sieht das Schlafzimmer am nächsten Morgen so aus, als hätte nicht der sensible Edward, sondern ein Tornado seines Amtes gewaltet.

Kein-Sex-vor-der-Ehe-Mantra

Meyers Vampirgeschichte bleibt damit bei ihrem Grundkonflikt: Liebe tut weh! Entweder macht sie traurig, einsam und verletzlich. Oder sie macht böse blaue Flecken und einen dicken Bauch. Um Bellas komplikationsreiche Schwangerschaft nämlich geht es in Meyers viertem und letzten Buch, das – in der Vermarktungs-Tradition des großen Potter-Finales – in zwei Teilen verfilmt wird („Breaking Dawn 2“ folgt im November 2012). Womit die überzeugte Mormonin Meyer nach dem Kein-Sex-vor-der-Ehe-Mantra hier ihr zweites großes Thema findet: Familie geht über alles und jedes Familienmitglied tut alles dafür.

Man kann nicht behaupten, dass sich die Ereignisse in der Kult-Saga bislang überschlagen hätten, aber im vierten Teil tritt die Geschichte nach der groß inszenierten Trauungs-Zeremonie bald doch ziemlich auf der Stelle. Die bildschöne, aber immer noch ungebissene Bella kann ihre Modellfigur dabei nicht mal ausgiebig in sündige Flitterwochen-Dessous hüllen, bevor in ihrem Bauch etwas wächst, wovon sich im Hause Cullen lieber niemand eine Vorstellung macht: Mensch oder Bestie?

Die schöne Attitüde der Melancholie

Bill Condon, der den Regie-Staffelstab nach der recht überzeugenden Catherine Hardwicke, dem bemühten Chris Weitz und dem durchaus inspirierten David Slade, übernommen hat, muss den Stoff erkennbar breit fassen, um auch aus einer 750-Seiten-Vorlage ein Vier-Stunden-Kinoextrakt zu machen. Zumal aus der schönen Attitüde der Melancholie unter Jungverliebten nun eine bleierne Existenzkrise geworden ist, Abtreibungs-Ängste eingeschlossen.

Kristen Stewarts zerbrechliche Bella war jedenfalls noch nie so aschfahl und tränenblind wie in den Tagen als womögliche Monster-Mutter. Und auch Robert Pattinson als bleich gepuderter James Dean der Untoten hat seinen Lockstoff Unschuld nun gegen den Ernst des besorgten Ehemannes und Vaters eingetauscht. Selbst Taylor Lautner als ewiger Nebenbuhler Jacob reißt sich das Hemd nur noch ein Mal vom muskeldefinierten Leib. Was zumindest unter den erwachsenen Twilight-Gästen für ein wenig Heiterkeit sorgt, die sich noch an Edwards Eifersuchts-Ausbruch vom letzten Film erinnern: „Kann der Typ sich eigentlich kein T-Shirt leisten?“

Aber mit Humor, Ironie, gar mit Rationalität ist der Faszination dieses Phänomens der Popkultur nicht beizukommen, das zuletzt mit Rekordergebnissen von 700 Millionen Dollar (pro Film!) für einen weltweiten Vampir-Hype sorgte und US-Fans tagelang vor dem Premierenkino campieren ließ.

Gothic trifft Romantik

Und wenn die Frühvermählte Bella doch mal die Stimme des 21. Jahrhunderts erhebt, um von Scheidungsraten und Doppelnamen zu faseln, dann verdrehen im Kinosaal ohnehin alle die Augen. Hier geht es schließlich um die ganz großen Dinge: Reine Romantik! Ewige Liebe! Romeo und Julia für die Gothic-Fraktion. Wer will da zwischen heulende Werwolfs-Rudel und rachedurstige Blutsauger-Armeen noch den Keil der Vernunft treiben, wenn der süße Horror der tragischen Liebe doch offenbar der schönste Schrecken ist, den man jungen Kinogängern derzeit einjagen kann.

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