Kino

Elefant Dumbo kehrt auf die Kinoleinwand zurück

Dumbo zurück auf der Leinwand

Dumbo zurück auf der Leinwand

Foto: Disney

Regisseur Tim Burton liefert fast 80 Jahre nach der Premiere des Disney-Zeichentrickfilms „Dumbo“ eine Realfilm-Version mit Überraschungen

In der Traumfabrik Hollywood ist man mangels brauchbarer Stoffe nicht gerade zimperlich, wenn es darum geht, alte Erfolgsfilme noch einmal drehen zu lassen. „Remake“ nennt man das, verändert hier und da ein wenig und hofft so, dass die Kinokassen noch einmal klingeln mögen. Auch Tim Burtons „Dumbo“ aus dem Hause Disney ist, wenn man so will, eine Neuverfilmung. Nur mit dem Unterschied, dass fast 80 Jahre zwischen dem Zeichentrickfilm von 1941 und der Realverfilmung von heute liegen. Und dass Burton sich zwar wieder mal als großer Kinoträumer bewährt, den Kern des Stoffes jedoch unbeschädigt lässt.

Die Goldgrube wird zum Reinfall

Dumbo, das ist hier noch immer der kleine Zirkuselefant mit den übergroßen Ohren, dessen Mutter aus Spargründen verkauft wird und der die Hänseleien des übrigen Personals ertragen muss. Das alles ändert sich jedoch, als dem Winzling eine Feder vor das Gesicht fliegt, er deshalb heftig niesen muss und dadurch plötzlich quer durchs Zelt fliegt. Für Max Medici, den Direktor des maroden Zirkus (großartig und herrlich komisch: Danny DeVito, Bild links), tut sich da scheinbar eine Goldgrube auf, die das Unternehmen über Wasser halten könnte. Doch eher das Gegenteil tritt ein.

Burton, der für Disney bereits „Alice im Wunderland“ inszenierte, bemüht sich auch in märchenhaften Geschichten immer um die dunkle Seite des Lebens. Dumbo wirkt bei ihm sehr stark wie ein bedauernswerter Freak, ganz allein auf dieser Welt. Die beiden Kinder der Geschichte haben keine Mutter mehr, warten dafür aber sehnsüchtig auf ihren Vater, der im Ersten Weltkrieg kämpft. Als dieser Holt (Colin Farrell) endlich zurückkehrt, fehlt ihm ein Arm und jede Möglichkeit, wieder die Pferdedressur zu übernehmen. Dafür trifft er später in der Artistin Colette Marchant (Eva Green, kl. Foto) eine Frau, für die der Mann zählt und nicht die Anzahl der Gliedmaßen.

Der ursprüngliche Film hatte lediglich eine Spieldauer von etwa 60 Minuten. Da legt Burton glatt noch eine weitere Stunde drauf, dazu kreiert er hier und da erstaunliche Charaktere. Am besten aber gelingt ihm mit dem Unternehmer V.A. Vandevere (Michael Keaton) das Böse schlechthin. Dieser Kerl wirkt wie ein Profiteur der Gegenwart, wie er da die in Not geratenen Artisten für kurze Zeit in Kauf nimmt, um Dumbo als Attraktion für seinen Vergnügungspark „Dreamland“ kräftig auszubeuten.

Doch alle finsteren Pläne einmal beiseitegelassen, nutzt Regisseur Tim Burton die Gelegenheit, um in diesem Film einmal mehr großes Entertainment zu präsentieren, das den Glanz der 1920er-Jahre in glühenden Farben wieder auferstehen lässt.

„Dumbo“ ist ein Film, der immer wieder mit Überraschungen aufwarten kann. Da ist beispielsweise der kurze Auftritt des hierzulande viel beschäftigten, exzentrischen Schauspielers Lars Eidinger. Er ist der schmutzige Typ, der dem Zirkus Dumbos Mutter abkauft. Zu wenig Auftritt eigentlich, um eine Hollywood-Karriere zu starten.

USA 2018, 112 Min., R: Tim Burton, D: Colin Farrell, Danny DeVito, Michael Keaton, Eva Green FSK 6, Wertung: 4 von 5 Sternen

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