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Auf dem Weg in den AbgrundAuf dem Weg in den Abgrund

Eine gescheiterte Rettungsmission.

Eine gescheiterte Rettungsmission.

Foto: Wild Bunch Germany

„Kursk“ kommt fast 20 Jahre nach der U-Boot-Katastrophe als europäisches Großprojekt mit u.a. Colin Firth und Mathias Schweighöfer ins Kino.

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Das Drama um die K-141 „Kursk“, das russische Atom-U-Boot, das im Jahr 2000 versank, war eine menschliche Tragödie. Die gesamte 120-köpfige Mannschaft kam dabei ums Leben. Ein Großteil bei der Explosion des U-Boots, doch 23 Besatzungsmitglieder starben erst Stunden später – nach einem verzweifelten Kampf um ihr Leben. Zahlreiche Rettungsversuche scheiterten an veraltetem Equipment und Fehlentscheidungen in den Reihen der russischen Politik.

Denn die gescheiterte Rettungsmission für die U-Boot-Besatzung war auch eine verschenkte Chance, die Beziehungen zwischen Russland und dem Westen aufzutauen. Das ist zumindest die Schlussfolgerung des Drehbuchautoren Robert Rodat („Der Patriot“), der die Geschichte nun auf Grundlage des Sachbuch-Bestsellers „A Time to Die: The Kursk Disaster“ von Robert Moore aus dem Jahr 2002 verfilmt hat. Ein spannender Stoff mit reichlich Potenzial für einen packenden Thriller. Insofern schient die Wahl von Thomas Vinterberg („Die Jagd“) gar nicht schlecht, traut man dem Dänen doch zu, aus der diplomatischen Taktiererei weder einen sperrigen Dogmafilm noch einen oberflächlichen Reißer zu zimmern.

Ein fast paneuropäisches Ensemble

Doch die Kombination aus Action und Drama will nicht recht zünden. Zu Beginn wähnt man sich noch in einem skandinavischen Arthousefilm. Es wird gefeiert und getrunken, die Marine als Familienersatz eingeführt. Doch schon das Auftauchen von Matthias Schweighöfer und August Diehl als junge Marine-Offiziere irritiert. Tatsächlich ist Matthias Schoenaerts’ 9-jähriger Filmsohn Misha, gespielt von Artemiy Spiridonov, der einzige russische Schauspieler im Ensemble der paneuropäischen Produktion.

Der Belgier Schoenaerts, der schon im Actionfilm „Red Sparrow“ den Russen gab, verkörpert hier den Kapitän der Kursk, Mikhail Averin. Ein gutmütiger Mann, der auch einen klaren Kopf behält, als das Atom-U-Boot durch eine plötzliche Explosion auf Grund läuft. Eine Fehlfunktion ließ die Sprengkörper an Bord detonieren. Der Großteil des Schiffes liegt in Trümmern. Eine Handvoll Männer überlebt, der Film springt nun zwischen dem Drama unter Wasser und den politischen Entwicklungen hin und her. Daheim bangen Mikhails schwangere Gattin Tanya (Léa Seydoux) und die anderen Seefahrer-Frauen um das Leben ihrer Männer.

Unausgeglichenes Drehbuch

Neben Robert Moores Sachbuch trugen zahlreiche Experten ihr Hintergrundwissen zur Entstehung des Films bei. Aber Rodats Drehbuch wirkt unausgeglichen, die Kameraarbeit von Anthony Dod Mantle („Slumdog Millionär“) immer zu weit weg, um die Klaustrophobie unter Wasser einzufangen – und einige hoch spannende Momente sind einfach zu wenig für einen Katastrophen-Thriller, bei dem das Ende unausweichlich ist.

B, F, Nor 2018, 117 Min., R: Thomas Vinterberg, D: Matthias Schoenaerts, Léa Seydoux, Peter Simonischek FSK 12, Wertung: 2 von 5 Sternen

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