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Joe Bonamassa und Beth Heart rocken auf „Black Coffee“

Ungekrönter König des Bluesrock: Joe Bonamassa in seinem Element.

Ungekrönter König des Bluesrock: Joe Bonamassa in seinem Element.

Foto: dpa Picture-Alliance / Isabel Schiffler

Essen.   Joe Bonamassa und Beth Heart sind beide Größen in ihren Genres – und wenn sie zusammen Musik machen, kann nur etwas Gutes dabei herauskommen.

Joe Bonamassa, der aktuell ungekrönte König des Bluesrock, hat keine schlechte Stimme. Aber auch keine herausragend gute. Was er so singt, und wie er es tut, das ist okay. 08/15 in Mittelblau, aber mehr auch nicht. Umso großartiger, dass er sich irgendwann zu einer Kollaboration mit Beth Heart entschlossen hat, deren Soul-Röhre genau so voluminös, raubkatzenartig und -unartig, punktgenau auf den allerletzten Drücker im Takt daherkommt wie Joe Bonamassas mächtige Rockgitarren diverser Bauart.

2010 haben sich diese beiden Riesen ihrer Genres zusammengetan, der All-Star-Produzent Kevin Shirley gab nicht länger Ruhe, als bis sie endlich gemeinsam ins Studio kamen und den Markstein „Don‘t Explain“ aufnahmen, der noch einmal getoppt wurde vom Doppelalbum „Live In Amsterdam“ (2014).

Zehn Songs zwischen Blues und Souljazz

Und nun haben sie sich für das neue „Black Coffee“ (Provogue/Rough Trade) zehn Songs zwischen Blues und Souljazz herausgesucht, die man heimliche Klassiker nennen könnte, „Sitting On The Top Of The World“ etwa, das man von Ray Charles, B.B. King und Cream kennt – und das doch selten so intensiv aufpoliert wurde wie von Heart & Bonamassa.

Wobei ein Gutteil des Drucks vom durchgehend aufgedrehten Turbo-Gebläse kommt, das Lee Thornburg angetrieben und arrangiert hat. Oder das umwerfende Titelstück des Albums, das mancher noch von Ike & Tina Turner im Ohr haben mag. Beth Heart geht bis auf den Bodensatz ihres Organs und holt heraus, was an Gefühlen aus dem Gestern ins Heute reicht, und das ist nicht immer alles nur schön: Blues, abgrundtief, angetrieben und umarmt von Bonamassas schleppend scheppernden Saitenarbeit. Das Ding werden sie von heute an auf jedem Konzert spielen müssen, das sie gemeinsam geben. „Joy“ dagegen ist wie ein Gespräch, das sich immer weiter aufschaukelt, ständig unter Hochspannung und wie jedes echte Gespräch: zwei in einem.

Eingespielt in nur fünf Tagen

So geht das immer weiter, im Mid-Tempo oder noch langsamer, aber stets mit stahlhart gespannten Zügeln. Wenn man bedenkt, dass das Ganze keine exzessive Studio-Schlacht war, sondern in gerade einmal fünf Tagen eingespielt wurde (für „Give It Everything You Got“ von Edgar Winter brauchten sie sogar nur einen einzigen Take!), könnte man sich nur auf ein blaues Wunder auf der Bühne freuen – wenn die beiden nicht in nächster Zeit erst mal nur getrennt antreten würden.

Live erleben: Bonamassa spielt am 28. März in der Kölner Arena. Beth Heart tritt am 10. Mai im Bochumer Ruhrcongress auf.

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