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Jan Henric Bogen wird Intendant des Kurt Weill Festes

Jan Henric Bogen

Jan Henric Bogen

Foto: Filip van Roe

Hagen.   Am Theater Hagen hat Jan Henric Bogen die Klopapierrollen für die „Rocky Horror Show“ geschleppt. Jetzt wird er Intendant des Kurt-Weill-Festes

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Das Theater Hagen gilt nicht nur als Sprungbrett für Sänger und Dirigenten, sondern auch für Kulturmanager. Einer von ihnen ist Jan Henric Bogen. Der 35-Jährige wurde jetzt zum neuen Intendanten des Kurt-Weill-Festes in Dessau berufen. Fast auf den Tag neun Jahre zuvor unterzeichnete er seinen ersten Vertrag an einer Bühne: in Hagen. In vier Spielzeiten hat er dort in der Marketingabteilung und in der Dramaturgie deutliche Spuren hinterlassen. „Hagen war eine unglaublich wichtige Station für mich, weil es mein erster Theaterjob überhaupt war. Ich habe in Hagen gelernt, wie Theater funktioniert und schnell Verantwortung übernehmen können“, erinnert sich Jan Henric Bogen.

Musikwissenschaftler und Jurist

Bogen ist Musikwissenschaftler und Jurist mit Staatsexamen. In Hagen durfte er die Klopapierrollen für die „Rocky Horror Show“ ins Haus tragen. „Dass man Marketing und Dramaturgie zusammen denkt, dass man technische und inhaltliche Abläufe ohne Scheuklappen zusammen denkt, das ist wichtig. Es kommt mir sehr zugute, dass ich die grundsätzlichen theaterpraktischen Dinge in Hagen gelernt habe. Und in Hagen konnte ich sehen, wie die Besucher vor Ort für ihr Theater brennen, wenn sie merken, dass das Programm für sie gemacht wird.“

Jan Henric Bogen ist von Hagen aus schnell sehr weit gekommen. Am Staatstheater Nürnberg war er Referent des Geschäftsführenden Direktors und Chefdisponent – wieder eine Doppelfunktion, in der er seine juristischen und musikwissenschaftlichen Wurzeln nutzen konnte. „Die Nürnberger Zeit war spannend. Das Haus hat vier Bühnen, sieben Premieren und sieben Wiederaufnahmen in der Oper pro Spielzeit, 14 Schauspielpremieren und 14 Wiederaufnahmen, dazu acht Konzerte und die Ballettproduktionen. Es ist ein gigantisches Puzzle, diese Vorstellungen und Proben zu planen.“

Von Nürnberg ging es zur Flämischen Oper nach Antwerpen und Gent, einem Haus von internationalem Renommee. Dort ist Bogen derzeit stellvertretender Künstlerischer Direktor. Diese Position will er als Intendant in Dessau beibehalten. „Das Festival geht über 17 Tage, das muss man gut vorbereiten, aber es ist mit den Aufgaben in Antwerpen bestens zu kombinieren. Ich bleibe zweiter Mann an der Vlaamse Opera und habe in Dessau eine eigene Spielwiese.“

Regionale Verankerung

Der frühere Hagener Dramaturg ist in Antwerpen für das Engagement der Sänger und beratend für die Verpflichtung der Dirigenten zuständig. „Es ist mein Job, für die besten Produktionsbedingungen zu sorgen. Das ist in erster Linie eine Kommunikationsaufgabe, die meisten Dinge im Leben kann man durch eine klare Kommunikation verbessern“, weiß er. „Gerade wenn Sänger auf Regisseure sich treffen, die aus dem Schauspiel kommen, bin ich gefragt. Beide wollen möglichst spannend eine Geschichte erzählen, aber sie haben dafür unterschiedliche Mittel.“

Diese Bereitschaft, über Grenzen und tradierte Strukturen hinweg zu denken, will Bogen auch in Dessau einsetzen. Das renommierte Kurt-Weill-Fest möchte er regional verankern und überregional vernetzen. Der Komponist Kurt Weill ist dabei ein inspirierender und fordernder Namensgeber.

„Weill ist eine Künstlerpersönlichkeit, die immer auf der Suche war, die nicht reingepasst hat. Als Jude und Komponist war er die meistgehasste Musikerfigur für die Nazis. Er gehörte zur Avantgarde im Deutschland der Weimarer Republik und hat am Ende in New York Broadway-Hits geschrieben.“

Die Biographie Kurt Weills steht exemplarisch für die künstlerische Aufbruchstimmung, aber auch für die Abgründe in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts. Bogen: „Wir können in die Vergangenheit schauen, um Lehren zu ziehen. Als Kreativer muss ich immer fragen: Wie erreiche ich eine Reflexion über bestimmte gesellschaftliche Themen. Die wichtigste Frage lautet: Wie wollen wir zusammen leben? Um dieses Feld zu thematisieren, sind Theater, Kunst und Kultur das absolute Muss.“

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