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Inder Hitze des Gefechts: Kinostart für „The Big Sick“

Kumail Nanjiani als „Kumail“ and Zoe Kazan als „Emily“ in „The  Big Sick“.

Foto: Nicole Rivelli

Kumail Nanjiani als „Kumail“ and Zoe Kazan als „Emily“ in „The Big Sick“. Foto: Nicole Rivelli

  Liebeskomödie, Künstlergeschichte, Tränenkino: „The Big Sick“ ist ein Film mit vielen Seiten – aber nicht ideal ausbalanciert

Inder sind nicht komisch, und schon mal gar nicht als Stand-up-Comedian in Los Angeles. Kumail kennt dieses Vorurteil, wenn er allwöchentlich mit drei befreundeten Kollegen die Bretter besteigt, um einen Talentscout für sich einzunehmen.

Dass Kumail eine Temperamentsbremse ist, fällt sofort ins Auge, dass er nicht Inder, sondern Pakistani ist, gilt dagegen als vernachlässigenswerte Feinheit. Es gibt es eben kulturelle Unterschiede zwischen Kalifornien und dem Khyber-Pass (noch so ein Vorurteil), die sich auch dann nicht wegdiskutieren lassen, als Kumail Emily kennenlernt, die geistreich, charmant, scharfzüngig und auch noch hübsch ist.

Michael Showalters „The Big Sick“ mischt im Kino Heiteres mit Besinnlichem

Die Beiden verstehen sich recht schnell, aber als Kumail es wiederholt verweigert, Emily seiner Familie vorzustellen, zieht sie die Reißleine, beendet die Beziehung, und fällt im Zuge einer tückischen Infektion in ein Koma, aus dem sie nicht mehr erwachen könnte. Kumail, eher zufällig herbeigerufen, wacht unermüdlich an Emilys Bett und wird auch ihren herbeigereisten Eltern zum lebenbejahenden Freund und Helfer. Wenn nur nicht der „Akte X“-Klingelton wäre.

Das ist schon auf dem Papier eine eher bemühte Mischung aus SitCom und Tränendruck, Heiterem und Besinnlichem, was auf der Leinwand entsprechend ins Auge springt. Allerdings ist Michael Showalters Film kein Ableger der einstigen Erfolgsserien „Melrose Place“ oder „Friends“, sondern er basiert auf einer wahren Geschichte, die das Pärchen Kumail und Emily V. Gordon rundum autobiografisch zum Drehbuch umschrieb. Hauptdarsteller Kumail Nanjiani spielt sich selbst, während Emily in Gestalt der originellen Zoe Kazan eine kongeniale Verkörperung erfahren hat. Nicht minder selbstbestimmt und pfiffig ist in der Rolle von Emilys Mutter Holly Hunter, die nach längerer Kunstpause wieder Tritt im Filmgeschäft fasst und dank cleverer Liftings mit 59 genau die zehn Jahre jünger aussieht, um als attraktive, schlagfertige Mom zu punkten.

Der Kinofilm „The Big Sick“ bietet viel Herz für die kalte Jahreszeit

Fast noch interessanter ist Kumails Familie mit einer resoluten Muttergestalt, die zu den gemeinsamen Essen stets Anwerberinnen für den schwierigen Sohn bestellt, der ganz unstandesgemäß Komiker und – schlimmer noch – ein ganz normaler Amerikaner sein will. Es gibt in der Tat aus jedem Gefühlsbereich feine Szenen zu beobachten, die sich aber zu einem kalkuliert gefälligen als rundum guten Gesamten vermengen. Andererseits ist ein bisschen mehr fürs Herz auch nicht verkehrt in dieser Jahreszeit.

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