Freizeit

In einem Schlauchboot durch den Wildwasserfluss

Rafting in der Region: Redakteurin Kirsten Gnoth paddelt in Hagen.

Rafting in der Region: Redakteurin Kirsten Gnoth paddelt in Hagen.

Foto: Olaf Fuhrmann

Hagen.  Im Wildwasserpark Hagen-Hohenlimburg wird geraftet. Nasse Socken sind hier inklusive. Hier kann in der Region gepaddelt werden.

Rauschend stürzt sich die Lenne in Hagen-Hohenlimburg in die Tiefe. Bunte Kanus tanzen auf dem wilden Wasser, während ihre Fahrer klatschnass und mit voller Konzentration gegen die Strömung kämpfen. Am Rand der Strecke stehe ich, die Kleidung trocken und den Blick auf das große Schlauchboot am Ufer gerichtet. Lange bleibt das sogenannte Raft nicht auf dem Trockenen. Nach einer kurzen Einweisung durch unseren Guide Andreas Scheuß (im Bild oben) hieven meine Mitpaddler und ich das Gefährt zum Wasser: Jetzt wird geraftet!

„Einsteigen bitte, vorne links zuerst“, ruft Scheuß. Das bin dann wohl ich (im Bild rechts neben Scheuß). Vorsichtig setze ich einen Fuß ins Boot, dann den zweiten. Unter dem Gewicht gibt der weiche Boden nach und das acht Grad kalte Wasser läuft langsam hinein, während ich mir auf dem Rand ein Plätzchen suche. Die Socken sind schon mal nass.

Nach und nach klettern meine Begleiter auf ihre Plätze und wappnen sich mit Stechpaddeln. Los geht die (noch nicht so) wilde Fahrt. Geübt wird auf einem ruhigen Teil der Lenne und das ist auch gut so. Wir sitzen zwar alle im selben Boot, das bedeutet aber noch lange nicht, dass wir auch im selben Takt paddeln. Der eine legt sich voll in die Riemen, die andere kommt ihrem Vordermann mit dem Paddel in die Quere und ich schippe dem Herrn hinter mir bei jedem Schlag Wasser ins Gesicht.

Raftingstrecke im Wildwasserpark in Hohenlimburg im Test

Andreas Scheuß, Kanuslalom-Trainer beim KC Hohenlimburg, versucht derweil als Steuermann die ganze Truppe auf Kurs zu halten: „Rafting ist Teamsport in der Natur. Man muss aufeinander achten und sich absprechen. Aber keine Sorge, wir haben auch schon 80-Jährige den Kanal runtergebracht.“

Soviel Kraft steckt in der Lenne

Plötzlich liegt ebendieser vor uns: 300 Meter lang und gespickt mit künstlichen Hindernissen, die aus der Lenne ein Wildwasser machen. Angelegt wurde die Strecke vor mehr als 40 Jahren vom Hohenlimburger Kanuverein. Seither stürzen sich Kanuten bei verschiedenen Slalom-Meisterschaften die Stromschnellen hinunter, im vergangenen Jahr kam das Rafting­angebot für Hobby-Wassersportler hinzu.

Unsere erste Fahrt erinnert mehr an Flippern als an Wassersport. Immer wieder stößt das Raft an das felsige Ufer, trudelt den Kanal hinunter und fordert uns einiges ab. „Da merkt man erstmal, was für eine Kraft im Wasser steckt“, sagt Andreas Scheuß, als wir schnaufend am Ende der Strecke ankommen. Viel Zeit zum Durchatmen bleibt nicht. Es geht wieder an den Start, denn das Raft wird mehrfach zu Wasser gelassen.

Nach ein paar Durchläufen sieht das gar nicht mehr so schlecht aus. Mit vereinten Kräften manövrieren wir durch die Verengungen, johlen bei jedem noch so kleinen Aufbäumen des Gummibootes und steuern sogar freiwillig in die sogenannte Walze hinein. Eine Art kleiner Wasserfall, in dem sich die Strömung für einen kurzen Moment umkehrt und flussaufwärts zu fließen scheint. Plötzlich packt sie das Raft, zieht es näher an den Wasserfall und drückt es nach unten. Wir hocken lachend und quietschend auf dem Boden des Bootes. Das Wasser steht uns bis zum Hals – wörtlich genommen. Andreas Scheuß hat seine Mission erfüllt: Längst sind nicht mehr nur die Socken nass.

>>> Lenne-Rafting,Freiheitsstr. 3, Hagen. 35 € pro Person, Komplettes Raft mit bis zu 5 Pers.: 160 €. Infos: www.lenne-rafting.de.

Schon gewusst?

Floß – nichts anderes bedeutet das Wort „Raft“ aus dem Englischen übersetzt. Erfunden wurde die Sportart nämlich in den USA. Das Wildwasser-Rafting geht bis ins Jahr 1811 zurück. Damals fand der erste Versuch statt, den Snake River im Bundesstaat Wyoming hinunter zu fahren. In Mitteleuropa ist das Rafting seit den 1980ern beliebt.

Die Strecke in Hagen-Hohenlimburg kann je nach Bedarf immer wieder neu gestaltet werden. Die Hindernisse, die für Verengungen und Stromschnellen sorgen, sind variabel. Hinter der Walze verbirgt sich zum Beispiel ein großes Rohr, das in den Kanal eingelassen wurde. Für die Umgestaltung kann die Lenne auf diesem Stück beinahe komplett trockengelegt werden.

Rafting in der Region

Wildwasser Abenteuer auf Erft und Ruhr
Der Anbieter Querfeldeins bietet Rafting-Touren auf der Erft in der Nähe von Neuss an, aber auch auf der Ruhr von Hattingen bis Bochum und Essen. Zudem gibt es geführte Touren für Schulklassen.
>>> Querfeldeins, 0201 8579500 (Bürozeiten Mo-Fr 9.30-18 Uhr). Mehr Infos auf www.river-rafting.de.

Ruhr-Tour für Rafting-Fans und Genießer
Mit dem Anbieter Bako-Special-Tours kann ebenfalls auf der Ruhr geraftet werden. Außerdem gibt es die Möglichkeit, das Rafting mit einem BBQ zu kombinieren.
>>> Ruhr Rafting, Bako-Special-Tours,02162 350416 (Bürozeiten Mo-Fr 8.30-12.30 Uhr u. 14-19 Uhr).Infos auf www.ruhrrafting.de.

Lichterfahrt auf dem Rhein
Meyer Rafting bietet unter anderem eine Lichterfahrt an. Die Teilnehmer starten in Neuss und landen dann, passend zur Dämmerung, in der beleuchteten Landeshauptstadt.
>>> Meyer Rafting, 02173 8476579 (Bürozeiten Mo-So 11-21 Uhr). Mehr Infos online auf www.meyer.rafting.de

Mit dem Zehner-Raft nach Bochum
Die Tour der Ruhr-Piraten führt von Hattingen bis Bochum-Dahlhausen. Zehn Personen haben im Raft Platz. Die Szenerie wechselt zwischen Wildwasser und ruhigeren Abschnitten.
>>> Ruhr-Piraten, 0176 24031590. Mehr Infos im Internet auf www.ruhr-piraten.de.

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