Ausstellung

Im Kunstpalast sind alle „Verrückt nach Angelika Kauffmann“

So malte sich Angelika Kauffmann 1794 rückblickend: Das zwölfjährige Wunderkind entschied sich gegen die Musik, für die Malerei.

So malte sich Angelika Kauffmann 1794 rückblickend: Das zwölfjährige Wunderkind entschied sich gegen die Musik, für die Malerei.

Foto: ©National Trust Images

Düsseldorf.  Halb Europa lag ihr zu Füßen: Das Düsseldorfer Museum Kunstpalast präsentiert in einer neuen Schau 100 Bilder der Malerin Angelika Kauffmann.

In ihren Ateliers ging es zu wie im Taubenschlag: Wenn Angelika Kauffmann malte, war das ein gesellschaftliches Ereignis, eher Salon als einsame Malerstube. Europas Prominenz ging bei ihr ein und aus. „The whole world is angelicamad“, beschrieb der in London als dänischer Diplomat tätige Gottlob Schönborn die Manie, „die ganze Welt ist verrückt nach Angelika“.

Und so geht die nach diesem Ausspruch betitelte Kauffmann-Ausstellung im Düsseldorfer Kunstpalast denn auch dem historischen Ausnahme-Phänomen einer emanzipierten Frau genauso nach wie der Bildkünstlerin, die klassizistisch und empfindsam im Geschmack ihrer Zeit malte, die Nazarener des 19. Jahrhunderts vorwegnehmend und heute meist ein Fall für Malerei-Feinschmecker mit Hang zum Kandierten mit Stil. Allerdings hat fast jeder schon einmal ein Kauffmann-Motiv vor Augen gehabt, so weit verbreitet waren ihre Figuren auf Tassen, Tellern und Tabakdosen, auf Tapeten und Textilien aller Art.

Angelika Kauffmann war ein musikalisches Wunderkind

Angelika Kauffmann RA, 1741 in der Schweiz geboren, Vorarlberger Bürgerin und am Comer See aufgewachsen, war anfangs ein musikalisches Wunderkind, das an den Adelshöfen der Zeit herumgereicht wurde wie später der kleine Wolfgang Amadeus. Als Einzelkind bekam sie von der Mutter Deutsch, Italienisch, Englisch und Französisch beigebracht, während der Vater, ein wohlbestallter Hofmaler, ihr zeigte, wie man mit Stift, Kohle und Pinsel umgeht. Mit Zwölf entschied sich das Multitalent für die Malerei – alles richtig gemacht.

Sie wurde zu einer der bekanntesten Frauen ihrer Zeit, sie war mit Dichtern wie Goethe ebenso auf vertrautem Fuß wie mit gekrönten Häuptern und ihre Gemälde wurden ihr aus der Hand gerissen. Angelika Kauffmann fertigte in ihrer Londoner Zeit Porträts wie am Fließband an. Sie malte schnell, drei Personen am Tag, man sagte ihr einen „fliegenden Pinsel“ nach. Sie standardisierte die Bildformate, und Kunden mussten nur zwei, drei Mal zu ihr kommen, dann war das Gesicht fertig; der übrige Körper wurde hinterher mit anderen Modellen hinzugefügt.

Kauffmann gehörte zu den Gründungsmitgliedern der Royal Academy

Und das RA hinter ihrem Namen zeugt davon, dass sie, die von 1782 bis 1807 in Rom oberhalb der Spanischen Treppe residieren wird, 1768 bereits zu den Gründungsmitgliedern der Royal Academy gehörte, auch wenn ihre Kollegen die Preise ihrer Bilder „viel zu hoch“ fanden. Trotzdem durfte Angelika Kauffmann, deren Selbstporträt für die Uffizien neben das von Leonardo gehängt wurde, die neue Academy sogar mit vier Deckengemälden ausstatten. Sie haben nun zum ersten Mal London verlassen und werden im Kunstpalast in einem kleinen Tempel-Nachbau auf grandiose Art an der Decke präsentiert. Wie überhaupt die Ausstellung ungemein stimmig ins Kolorit der Zeit eingebettet wurde, mit gestreiften Tapeten und hölzernen Fußleisten.

Kuratorin Bettina Baumgärtel, die drei Jahrzehnte zu Kauffmann geforscht hat und an einem Werkverzeichnis arbeitet, hat als angesehene Expertin ungemein viele Bilder aus Privatsammlungen ausleihen können (die auf der zweiten Ausstellungsstation in der Royal Academy nicht alle zu sehen sein werden), die man so bald nicht wieder sehen können wird. Darunter ist auch das Bildnis der Augusta Friederike Luise, Herzogin von Braunschweig-Lüneburg mit ihrem Sohn Prinz Charles – aus den Privatgemächern der Queen.

Angelika Kauffmann zeigte Frauen als Heldinnen der anderen Art

Bettina Baumgärtel sieht Angelika Kauffmanns künstlerische Leistung auch darin, dass sie jenseits ihrer Porträts Historienbilder malte, in denen sie Frauen als Heldinnen der anderen Art in den Mittelpunkt rückte: nicht heroisch-kraftstrotzend, sondern standhaft, einfühlsam, Idealen treu, aber auch begehrend und vor Liebe verrückt wie die „irre Marie“, die Laurence Sternes „Yorick“-Roman illustrierte.

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