Literatur

Hörbuch-Tipps zum Fest: Zuhören kann eine echte Gabe sein

Zehn Briefe ließ Präsident Obama an jedem Tag seiner Amtszeit auswählen – eine Fülle, die das Porträt eines Landes zeichnet.

Zehn Briefe ließ Präsident Obama an jedem Tag seiner Amtszeit auswählen – eine Fülle, die das Porträt eines Landes zeichnet.

Foto: der Hörverlag

Die großen Fontane-Romane, Briefe an Präsident Obama, Schriften von Alexander von Humboldt: Wir stellen Hörbücher vor, die ein Geschenk sind.

Im echten „Cabaret“

Ein so legendärer Musical-Film wie „Cabaret“ wirft einen großen Schatten. Da staunt man umso mehr, wie mühelos Leonard Koppelmanns Hörspielfassung aus ihm heraustritt. Drei Stunden (denen eine CD mit tollen Songs und Sounds der Zeit beigegeben ist) fesselt uns Christopher Isherwoods stark autobiografische erinnerte Prosa, an deren Ende der Brite „Leb‘ wohl, Berlin“ sagte. Koppelmann nimmt weniger den kinowirksamen Tingeltangel als Typen und Zeitströme in den Fokus. Clever montiert er echte Tondokumente der Zeit mit nachempfundenen. Und er baut (großartig: Mathieu Mathieu Carrières fein auf Abstand zur Tragikomödie gehender Erzähler), auf ein herausragend gutes Sprecher-Ensemble. 4 CDs, fast 5 Stunden, ca. 24€, der hörverlag

Obamas Pflichtlektüre

Zugegeben: Es ist reine Vermutung, dass sein Nachfolger dieses Projekt aus erahnbaren Gründen nicht weiter verfolgt hat. Diese vielen Buchstaben! Barack Obama jedenfalls, 2009-2017 Staatsoberhaupt der Vereinigten Staaten von Amerika, ließ von seinem Stab jeden Tag zehn Briefe an den Präsidenten auswählen. „10Lads“, die voll waren von: Wut, Bewunderung, Enttäuschung, Patriotismus, Frust oder Pathos. Diese „Briefe an Obama“ sind ein spannendes Zeugnis ihrer Zeit. Von der Schimpfkanonade der Upper Class bis zum erschütternden Text der Tochter eines Waffenverrückten liegt in ihnen die ganze Bandbreite einer Nation, ihre Haltung, ihre Emotionalität, ihr Verhältnis zum Staat. Als Hörbuch ist dies der vielstimmige Gesang eines Landes, das nicht erst seit Trump gespalten ist. Die etwas seifigen, unkritischen Zwischentexte der Herausgeberin nimmt man billigend in Kauf. Briefe an Obama, 8 CDs, ca 10h, der hörverlag, ca 22€

Mit Humboldt reisen

Schlaumacher, Geschichtsstunde, Wissenschaftsfeature: Dieses zehnstündige Meisterwerk des Hessischen Rundfunks kreist auf äußerst anregende Weise um Werk und Wirkung Alexander von Humboldt. Die hohe Güteklasse des Hörbuchs hat drei Gründe. Natürlich Humboldts Werk selbst, in dem mehr als nur Neugier auf die Welt steckt, vielmehr eine pionierhafte Parteinahme für versklavte oder ausgebeutete Menschen und ihre Lebensräume. Zweitens die dramaturgische Raffinesse, mit der Hans Sarkowicz Humboldts Taten (sei es als Geograph, Ethnologe oder Zoologe) mit dem Standpunkt heutiger Kollegen konfrontiert. Drittens aber – einfach fabelhaft – ist es Ulrich Noethens Lesung dieser „Vermessung der Welt“. Ein Hörbuch für Wissbegierige mit Lust an Forschungsgeschichte. Der unbekannte Kosmos. 8 CDs, 10h. Der Hörverlag, ca 40€

Fontane gratulieren

200 Jahre Fontane: Mit einer dicken Box erweist der Audio Verlag nicht nur dem geneigten Bildungsbürger sondern auch dem heiter-melancholischen Menschenkenner und Chronisten aus der Mark Brandenburg ein wirklich schönes Geschenk. Die großen Romane in (teils schon) legendären Lesung schenken uns stolze 81 Hörstunden und reichen vom Frühwerk „Vor dem Sturm“ bis zum altersweisen Stechlin, in dem Fontanes Weltsicht und die des alten Major Dubslav kaum noch zu unterscheiden sind. Gert Westphal, Kurt Böwe, Hans Paetsch, Joachim Höppner – lauter Sprecher, die den abgeklärten Erzählton Fontanes ideal treffen, aber nicht weniger die für ihn so zentrale Charakterisierungskunst des Dialogs. Die großen Romane. Der Audio Verlag, 80 Stunden. 14 mp3-CDs, ca 79€

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