Neues Album von George Benson

Gitarrist auf dem Weg nach New Orleans

Widmet sich jetzt den 1950er-Jahren und seinen muskalischen Wurzeln: George Benson

Widmet sich jetzt den 1950er-Jahren und seinen muskalischen Wurzeln: George Benson

Foto: dpa

Essen.   George Benson gilt ja eigentlich eher als Jazzer. Aber auf seinem neuen Album widmet er sich seinen Idolen Fats Domino und Chuck Berry.

Im Internet kursieren ziemlich aktuelle Videos, die die schwindelerregende Spielkunst des George Benson belegen. Wenn der 76-Jährige es drauf anlegt, fegt er immer noch in rasendem Tempo übers Griffbrett, hängt eine jazzige Melodielinie elegant an die andere – und analysiert sich gleichzeitig (!) noch im Stile eines Harmonielehre-Meisters.

Doch beeindruckendes Muskelspiel interessiert ihn bei seinen jüngeren Studioproduktionen weniger. Benson macht im reifen Alter eher Alben, mit denen er an seine musikalischen Wurzeln zurückkehrt, mit denen er vielleicht sogar ein bisschen persönlich Bilanz zieht. Benson spielt inzwischen Musik ein, die weniger dem Jazz verhaftet ist als dem Blues und R&B und Rock’n’Roll der 1950er-Jahre.

Mit der Jukebox um die Wette spielen

Nach seinem orchestergezuckerten Tribute-Album für Nat King Cole (2013) steht in Bälde eine Hommage für zwei weitere Helden seiner Jugend in den Plattenläden: „Walking To New Orleans“ (Provogue/Mascot, erscheint am 26. April) ist eine in jedem Fall unterhaltsame Verbeugung vor Chuck Berry und Fats Domino.

Die beiden waren damals die Stars, die die Hitparaden stürmten, während Benson noch in kleinen Clubs mit der Jukebox um die Wette spielte. „Die beiden waren fantastisch“, schwärmt Benson und lobt die Entertainer-Qualitäten des einen (Berry) und die Hitmaschinen-Mentalität des anderen (Domino).

Sessionmusiker aus Nashville

Für die Produktion hat sich Benson exzellente Session-Musiker aus Nashville ins Boot geholt, die dem Gitarrenmeister einen perfekten, mitunter verblüffenden, authentischen Teppich legen: Denn wenn Benson beispielsweise den Titelsong anstimmt oder „Ain’t That A Shame“ und später auch „Blue Monday“, dann hält diese Band genau das beschwingte Feeling fest, das Domino damals erfand. Und Benson singt die alten Songs so lässig und beschwingt, dass es eine Freude ist.

Gerade bei den Domino-Neufassungen spielt sich Kevin McKendree in den Vordergrund; der frühere Bandleader von Delbert McClinton hat die alten Domino-Riffs ganz wunderbar drauf. Bensons Gitarre spielt ziemlich oft nur eine Nebenrolle, da knechtet der Meister brav die Akkorde.

Zwiegesang von Stimme und Gitarre

Allerdings setzt er dann und wann dann doch mal einen erlesenen Tupfer. Da ist er wieder voll da, der Benson-Gitarrenstil. In Chuck Berrys „Nadine“, mit dem das Album ordentlich rockend und rollend eröffnet wird, schleicht sich beispielsweise irgendwann ein wunderbar angejazztes Solo mit dem typischen Zwiegesang von Gitarre und Stimme.

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