Museum

Fix und Foxi und der Mann dahinter

Kaukas Kultfüchse in Aktion.

Kaukas Kultfüchse in Aktion.

Foto: Sammlung Dr. Stefan Piëch

Oberhausen.   Die Ludwiggalerie im Schloss Oberhausen präsentiert ab Sonntag eine neuen Ausstellung über das große Comic-Universum des Rolf Kauka.

Entenhausen ist überall, Fuxholzen aber, die Heimat von Fix und Foxi, liegt ab Sonntag in Oberhausen. Denn dann öffnet in der Ludwiggalerie die Ausstellung „Rolf Kauka, der deutsche Walt Disney, und seine Kultfüchse“. Sie zeigt das Comic-Universum von „Onkel Rolf“ in einem Umfang, wie er so noch nie zu sehen war.

Möglich macht es Stefan Piëch. Der Urenkel des Käfer-Konstrukteurs Ferdinand Porsche, der unter anderem den Sender „Fix und Foxi Tv“ betreibt, kaufte, sichtete und sortierte 2014 den Nachlass des 2000 in den USA verstorbenen Kauka. Daraus haben sich Christine Vogt, Direktorin des Museums, und Kuratorin Linda Schmitz die schönsten Stücke aussuchen dürfen. Nun präsentieren sie über 500 Zeichnungen, Comic-Panels und Devotionalien, von denen viele bisher unveröffentlicht waren.

Typisch deutsch und etwas piefig

Sie sind eine Reise in die Vergangenheit, in die Wirtschaftswunderjahre. Als Kauka eigentlich Trickfilme machen will, aber erst einmal Comics und Zeitschriften herausbringt, weil die Produktion von bewegten Bildern zu teuer ist. So ersinnt er Fix und Foxi. Die schlauen, behosten Fuchs-Zwillinge mit ihrer teils eigenen Sprache – „Foxen wir’s, Fix?“ – werden schnell so beliebt, dass sie von Nebenfiguren im Magazin „Till Eulenspiegel“ zu Hauptdarstellern ihrer eigenen Heftreihe werden. Ähnlich wie Carl Barks bei Disney schafft Kauka nach und nach ein eigenes Universum rund um die beiden Rotschöpfe. Vergleiche mit dem großen Konkurrenten aus Übersee hat der Sachse stets für „Unsinn“ gehalten. Von der Hand zu weisen sind viele Ähnlichkeiten aber nicht. Professor Knox erinnert an Daniel Düsentrieb, Lupo vereint die Faulheit Donalds mit der Statur von Goofy, Oma Eusebia hat viel von Daisy Duck und Fix und Foxi selbst wirken wie eine Mischung aus Tick, Trick und Track und Micky Maus.

„Und die Moral von der Geschicht...“

Die Abenteuer der Füchse aber – auch das zeigt die Ausstellung in Oberhausen – sind anders. Vieles ist typisch deutsch und etwas piefig, alles noch braver als bei den Kollegen aus den USA. Auch weil der erzkonservative Kauka erzieherisch wirken will und die frühen Erzählungen stets mit dem Satz enden: „Und die Moral von der Geschicht…“ Alles, was gedruckt werden soll, muss über seinen Schreibtisch. Was nicht in sein Weltbild passt, wird geändert. Als Kauka für kurze Zeit die deutschen Rechte an Asterix und Obelix besitzt, macht er aus den Titelhelden kurzerhand die Germanen „Siggi und Babarras“. So stramm rechts gerät das Duo, dass René Goscinny, Autor des Originals, sich die Rechte nach einem Jahr zurückholt.

Dem Erfolg schadet das nicht. In den späten 60ern entscheiden sich bis zu 400 000 Jungs und Mädchen jede Woche für die bunten Bilderheftchen aus dem Hause Kauka. Sonderausgaben gibt es, Puppen oder Spardosen. Ja selbst eine mit Comic-Bildchen bedruckte Klopapier-Rolle ist in der Ludwig Galerie zu sehen.

Kein guter Zeichner

So gut verkaufen sich die Füchse, dass Disney Kauka angeblich 80 000 Mark für die Rechte bietet. Der lacht nur und lehnt ab. 1973 aber verkauft er sein Comic-Reich, weil er mit der Qualität der Geschichten nicht mehr zufrieden ist. Vielen Lesern geht es in den Jahren drauf ähnlich, stetig sinkt die Auflage. Mit der Weihnachtsausgabe 2010 wird die Reihe eingestellt, mehrere Wiederbelebungsversuche scheitern. Rechteinhaber Piëch will einen weiteren Neustart nicht völlig ausschließen. „Konkret geplant ist aber nichts“, sagt er.

Viel ist in Oberhausen über Kauka zu lesen, wenig nur von ihm zu sehen. Er hat seine Figuren erdacht, ihnen Charakter verpasst – aber: „Kauka zeichnete die Figuren nicht selbst, sondern beschäftigte eine Gruppe von Zeichnern“, sagt Christine Vogt. Denn der Verleger selbst war kein Zeichner, zumindest kein guter. Aber er wusste, wen er engagieren musste, konnte verkaufen. Sich selbst und was ihm geliefert wurde. Einmal, so geht die Legende, hat er sich trotzdem spaßeshalber und unter falschem Namen mit eigenen Skizzen seiner Figuren bei einer Agentur beworben. Statt einer Anstellung aber bekam er einen vermeintlich guten Rat. „Denken Sie besser über einen Berufswechsel nach.“

Die Ausstellung in der Ludwiggalerie Schloss Oberhausen (Konrad-Adenauer-Allee 46) geht bis zum 9. September.

Geöffnet: Di-So 11-18 Uhr. Eintritt: 8 €, erm. 4 €; Familien: 12 €. Audioguide: 3 €. Kombiticket mit Gasometer: 13€.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben