Jauch-Talk

Westerwelle bannt Jauch-Publikum mit seiner Krebs-Geschichte

Sprach bei Günther Jauch von „seinen Dämonen“: Ex-Außenminister Guido Westerwelle, der an Blutkrebs erkrankt ist.

Sprach bei Günther Jauch von „seinen Dämonen“: Ex-Außenminister Guido Westerwelle, der an Blutkrebs erkrankt ist.

Foto: imago/Metodi Popow

Berlin.  Der an Leukämie erkrankte Ex-Außenminister Guido Westerwelle sprach beim TV-Talk von Günther Jauch über sein Leben mit der Krankheit.

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Auf einmal ist alles anders: Mit der Diagnose Leukämie begann für den früheren Außenminister Guido Westerwelle, 53, eine lange und schmerzvolle Therapie. Der ehemalige FDP-Vorsitzende hatte ein halbes Jahr nach dem Ausscheiden aus dem Auswärtigen Amt erfahren, dass er an Blutkrebs erkrankt ist. „Völlig unvorbereitet, es hat mich getroffen wie ein Blitzschlag. ohne die geringsten Symptome“, erinnert sich Westerwelle am Sonntagabend bei Günther Jauch. Wo sonst die politische Streitkultur ihren festen Platz hat, ging es am Sonntagabend ruhig, gefasst und bewegend zu.

Westerwelle: „Man fühlt sich wie nackt in der Kühlkammer“

Westerwelle und die junge Mutter Eva Fidler, 25, die ebenfalls im vergangenen Jahr an Krebs erkrankte, kurz bevor sie ihr Kind gebar, waren in der Talkshow zu Gast und erzählten von ihrem Leben mit und nach der Krebs-Diagnose. Für die medizinische Expertise zeigte sich der Onkologe und Hämatologe Michael Hallek zuständig, der Arzt, der Westerwelle behandelt hat.

Die Krankheit hat den ehemals so selbstbewussten, fast überforschen Politiker gezeichnet. An Gewicht verloren, die Augen gerötet, das Sprechen bereitet immer noch ein wenig Probleme, da die Schleimhäute ständig entzündet seien. Der Körper wehre sich nach der Knochenmark-Transplantation immer noch gegen das neue Immunsystem, er spricht von „seinen Dämonen“. Es gehe ihm wieder besser, auch wenn er noch nicht über den Berg sei, berichtet Westerwelle, der ein Buch über seine Krankheit geschrieben hat.

Das Publikum ist still und hört gebannt den Ausführungen Westerwelles zu, von dem Moment, in dem er dachte, er schaffe es nicht mehr. Auf eine Infusion hatte sein Körper allergisch reagiert. „Man fühlt sich wie nackt in der Kühlkammer, ist nur am zittern, in keiner Weise mehr Herr seiner Sinne oder seiner körperlichen Reaktionen. Ich dachte, so fühlt es sich also an, wenn man stirbt.“

Chemotherapie trotz Schwangerschaft

Hallek erklärt, dass die Schuldfrage „warum gerade ich?“ bei der Leukämie völlig überflüssig sei. Es könne jeden treffen und gebe bei Blutkrebs kein bekanntes Verhalten, wie er ausgelöst wird. Westerwelle und auch Fidler hatten nach ihrer Chemotherapie beide noch eine Stammzellentransplantation benötigt. Die Registrierung als Spender könne lebensnotwendig sein und sei mit einem Abstrich schnell gemacht. Westerwelle unterstrich das mit einem flammenden Aufruf. Nur was auf einen Spender für mögliche Komplikationen im Fall der Fälle zukommen könnten, wurde nicht thematisiert. Dabei war sogar Westerwelles erster Spender unmittelbar vor dem Eingriff abgesprungen.

Die junge Mutter bekommt deutlich weniger Redezeit als der prominente Westerwelle, dabei ist ihr Schicksal noch bewegender. Ihr wurde die Chemotherapie trotz Schwangerschaft verordnet, im 7. Monat kam das Kind dennoch gesund zur Welt. Es habe ihr unheimlich Kraft gegeben, dass das Kind nicht ohne Mutter aufwachsen soll. Mittlerweile geht es auch ihr wesentlich besser. Von einer vollständigen Genesung ist aber auch sie noch entfernt.

Keine Verbindung mehr zur politischen Vergangenheit

Jauch schließt mit dem Versuch, Westerwelles Ansicht zu den aktuellen, politischen Themen zu entlocken. Doch dazu will er sich nicht mehr äußern. Zuvor gab es einen Einspieler zu sehen, auf dem der junge, dynamische Politiker in seiner ihm damals typischen Weise polarisiert hat. „Wenn man das sieht, ist das wie in einer anderen Welt“, sagte Westerwelle. Und mit dieser Welt wolle er zumindest in naher Zukunft nichts mehr zu tun haben.

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