The Voice of Germany

The Voice of Germany - Rea Garvey macht Kampfansage an Coaches

Rea Garvey spricht gerne Klartext - ob als Coach von "The Voice of Germany" oder wenn es um Hass-Kampagnen im Netz geht.

Rea Garvey spricht gerne Klartext - ob als Coach von "The Voice of Germany" oder wenn es um Hass-Kampagnen im Netz geht.

Foto: ProSieben

Essen.  Klare Ansage von Rea Garvey in Richtung der anderen Coaches von "The Voice of Germany": "Die Freundschaft ist vorbei – ich will das Ding gewinnen". Im Interview spricht der Ire über seinen härtesten Konkurrenten in den Blind Auditions und warum die bisherigen TVOG-Sieger nicht den großen Karriere-Sprung geschafft haben.

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The Voice of Germany geht bereits in die fünfte Staffel – langsam müssten der Show doch die guten Kandidaten ausgehen oder?

Rea Garvey: Ganz im Gegenteil. Ich habe das Gefühl, wir haben noch nicht einmal an der Oberfläche gekratzt. Das Niveau bei den Sängerinnen und Sängern ist in diesem Jahr noch höher. Das kommt einem komisch vor, weil es schon die fünfte Staffel ist, aber nach fünf Jahren gibt es nun eine neue Generation, die zu uns kommt.

Rea Garvey "kündigt" den anderen Coaches die Freundschaft

Die Blind Auditions sind ja bereits abgedreht – bis Du zufrieden mit Deiner Auswahl?

Garvey: Es macht echt Laune. Ich habe ein Wahnsinns-Team. Da kann ich nur in Richtung der anderen Coaches sagen: Die Freundschaft ist vorbei – ich will das Ding gewinnen.

Samu Haber hat sich aus der Jury von „The Voice of Germany“ verabschiedet – vermisst Du den finnischen Sunnyboy?

Garvey: Klar, wir haben uns erst letzte Woche in Frankfurt gesehen und uns ausgetauscht. Er ist ein cooler Typ und ich mag ihn sehr. Das war schon bei der letzten Staffel zu sehen – der Spaß, den wir miteinander hatten, war absolut echt.

Wie macht sich sein Coach-Nachfolger Andreas Bourani?

Garvey: Das ist auch ein super Typ, der keine Anlaufzeit brauchte. Schon bei den ersten Blinds hat man gesehen: Der will das unbedingt. Und das will man als Talent erleben: Einen Coach der aufrichtig ist und dem die Show wichtig ist. Wenn jemand nicht bereit ist, alles zu geben, würde die Show verlieren.

Im Kampf um die Gunst der Talente bei den Blind Auditions soll einen anderen heftigen Widersacher gegeben haben...

Garvey: Michi Beck ist der ehrgeizigste Mensch, den ich kenne. Das ist in der Show gut zu spüren. Michi will einfach nicht verlieren – das ist einer der Gründe, warum die Fantastischen Vier so erfolgreich sind. Ich respektiere das und kämpfe gerne mit ihm – allerdings verliere ich nur sehr ungerne.“ (lacht)

Falsche Erwartungshaltung an "The Voice of Germany"

Kommen wir zu den Siegern von „The Voice of Germany“. Obwohl alle hervorragende Stimmen haben, hat bislang keiner den dauerhaften Karriere-Sprung im Musik-Business geschafft. Woran liegt das?

Garvey: Die Erwartungshaltung an die Show ist bei vielen falsch. Als Sieger hat man es noch lange nicht geschafft. Die richtige Arbeit fängt danach erst an. Ich denke, die Infrastruktur bei „The Voice of Germany“ ist gar nicht danach ausgerichtet. Die Zeit für die Produktion eines Albums ist sehr knapp. In Großbritannien veröffentlichen die Sieger traditionell erst zum Start der nächsten Staffel ihr Album. Das macht total Sinn.

Was sollten die Talente stattdessen aus der Musikshow mitnehmen?

Garvey: Jeder soll das hier schlicht genießen. Es ist eine TV-Show und eine Plattform, aber nicht automatisch der Schlüssel zum Erfolg. Es kann einer sein – das liegt allerdings komplett am Gewinner selbst. Ich habe 15 Jahre gebraucht, das kriegt man nicht in drei Monaten von The Voice geschenkt.

Wie sieht es bei den Kandidaten aus Deinen Teams aus?

Garvey: Es haben diejenigen Erfolg, die vor und nach der Show an sich geglaubt haben - auch wenn sie nicht gewonnen haben. Michael Schulte, Max Giesinger, Mic Donet oder Nick Howard haben ihren gestiegenen Bekanntheitsgrad genutzt, und es genau richtig gemacht. Sie sind in kleine Clubs mit 200 Leuten gegangen und haben diese ausverkauft. Dann waren es 600 Besucher. Und jetzt spielt etwa Michael Schulte vor tausenden Menschen. Das hat er sich verdient.

Du bist bei „The Voice of Germany“ nach der zweiten Staffel ausgestiegen, um dich ausschließlich auf die Produktion Deines Albums „Pride“ zu konzentrieren. Jetzt hast Du zwischen zwei Staffeln einen neuen Longplayer hingelegt – bist Du mit dem Ergebnis zufrieden?

Garvey: Ja sehr. Ich habe mich unheimlich unter Druck gesetzt. Nach der dritten Staffel war ich auf Tour, und es war der größte Erfolg, den ich bisher auf der Bühne erlebt habe. Ich wollte das weiter erleben und nicht nochmal zwei oder drei Jahre warten. Deshalb musste ich innerhalb von wenigen Monaten ein Album fertig haben.

Und wie lief es?

Garvey: Dem größten Schritt nach vorne habe ich in Los Angeles mit Tim Myers gemacht, der zu den Gründungsmitgliedern von One Republic gehört. Zusammen haben wir die Single Armour geschrieben. Normalerweise schicke ich niemandem meine Musik, bis das Ding aufgenommen und fertig ist. In diesem Fall habe ich es sofort meiner Frau geschickt – das war der Wahnsinn.

Was hat Dich bei Deinem Album inspiriert?

Garvey: Mich beschäftigen diese Hass-Kampagnen in den sozialen Netzwerken. Wir haben derzeit das Problem, dass Identitäten verschluckt werden. Dass man sich an alles anpassen und keine eigene Identität haben soll. Ich will nicht, dass das so ist. Und der einzige Weg dagegen ist, laut zu werden. Wenn auf einem Platz eine Menge Menschen schwarz-weiß gekleidet steht. Und dazwischen ist jemand in einem lila Kleid und brüllt. Diese Person ist der Magnet für mich, ich will dahin und fragen, wer das ist. Ich will mich nicht anpassen und ich will auch nicht, dass andere sich anpassen.

"Wenn alles über Hass-Kampagnen spricht, wird nicht über Liebe geschrieben"

Mit Deinem Album „Prisma“ gibst Du ein klares Statement ab „Hinsehen, Wachwerden, Aufstehen“...

Garvey: Dabei habe ich bei der Produktion gar nicht politisch gedacht, sondern menschlich. Ich muss über das Schreiben, was in mir brennt. Ich bin unheimlich stolz darauf. Mir ist bewusst, dass es vielleicht nicht die beliebteste Platte ist, die ich je mache. Ich schreibe gerne über Liebe. Aber als Musiker steht Dir die ganze Bandbreite an Themen zur Verfügung. Wenn alles über Hass-Kampagnen spricht, dann wird nicht über Liebe geschrieben. Dann wird mit Liebe gekämpft.

Du machst mit zahlreichen weiteren Prominenten bei einer großen Aktion für Menschenrechte mit...

Garvey: Ich bin Gast in Deutschland, und ich fühle mich nicht berechtigt, den Deutschen zu sagen, wie Deutschland geführt wird. Das ist nicht meine Aufgabe. Aber wenn es um Menschenrechte geht, dann ist egal, wer du bist und wo du bist. Dann muss jeder eine Meinung haben. Manchmal sind wir einfach zu leise und werden nicht gehört. In Europa gibt es eine Minorität von Menschen, die die falsche Meinung hat und durch Social Media immer laut wird. Die haben sich durch eine unechte Plattform größer gemacht als sie sind.

Kann Deutschland die Flüchtlingskrise bewältigen?

Garvey: Hier gibt es viele tolle Menschen, die wahnsinnig viel leisten, um Flüchtlingen zu helfen. Aber das wird hier nicht genug gewürdigt, weil sich vieles nur mit Hass beschäftigt und gar nicht mit dem, was notwendig ist – nämlich nur zu helfen. Ich liebe einen Satz: „Wir sind alle anders – aber wir sind alle gleichberechtigt.“ Wir dürfen nicht aufhören zu kämpfen.

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