ARD-Krimi

„Tatort“ München im Check: So gefährlich sind Smart Toys

"Tatort": Das sind fünf spannende Fakten

Das sind 5 spannende "Tatort"-Fakten

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Berlin  Im „Tatort“ wird eine Puppe zum Spion im Kinderzimmer. Reine Fiktion? Nein. Auch in der Realität können Smart Toys gefährlich sein.

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Sexueller Missbrauch, der Mörder im Weihnachtsmannkostüm und eine sprechende Puppe mit stahlblauen, leuchtenden Augen – der „Tatort: Wir kriegen euch alle“ in der ARD war ein spannender Kriminalfall, in dem sich der Rachefeldzug von Hasko (Leonard Carow) gegen Missbrauchstäter zu einem perversen Blutrausch eines reichen Schnösels entwickelte.

Im Mittelpunkt des grausamen Spiels die Smart Puppe „Senta“. Hasko machte Familien ausfindig, in denen Kinder von ihren Eltern sexuell missbraucht wurden. Die Puppe verschaffte ihm Zugang in die Kinderzimmer.

Doch wie schnell können internetfähige Spielzeuge zu Problembären und Trojanerteddys werden? Und wie gefährlich sind Smart Toys wirklich? Antworten liefert Martin Gobbin von Stiftung Warentest.

Wie funktionieren Smart-Toys?

Martin Gobbin: Ähnlich wie beim Smartphone heißt „smart“ erstmal, dass die Dinger vernetzt sind. Früher gab es auch schon Puppen, die sprechen konnten, aber das lag daran, dass sie einen Chip eingebaut hatten, auf dem bestimmte Sätze gespeichert waren. Heute holen sich die Smart Toys die Sätze aus der Cloud und können daher deutlich flexibler reagieren.

Was heißt flexibler?

Gobbin: Ein interner Speicher ist begrenzt groß, die Cloud dagegen unbegrenzt. Deswegen können diese Spielzeuge viel mehr, weil sie mit der Cloud, also dem Internet verbunden sind.

Verbraucherschützer sprechen von Spionen im Kinderzimmer: Warum sind Smart Toys so gefährlich?

Gobbin: Um mit dem Kind sprechen zu können, haben Smart Toys ein Mikrofon eingebaut, mit dem sie alles aufzeichnen können – was das Kind sagt oder was zum Beispiel bei einem Kindergeburtstag andere Kinder sagen, deren Eltern aber nie der Aufzeichnung zugestimmt haben. Aber auch der Streit der Eltern kann unfreiwillig in der Cloud landen, wenn das Smart Toy in der Nähe ist und ihn aufzeichnet.

Gibt es Fälle, in denen das passiert ist?

Gobbin: Bei der Barbie-Puppe „Hello Barbie“ von Mattel ist es so. Die Puppe speichert alles, was das Kind sagt, auf einem Server ab, zu dem die Eltern Zugang haben. Das Kind hat also keinerlei Privatsphäre. Und: jeder Server ist hackbar. Wenn ein Hacker an die Daten kommt, erfährt er sehr, sehr viel über das Kind.

Wurde ein Server eines Smart Toys bereits gehackt?

Gobbin: Ja klar, bei einem chinesischen Hersteller wurde die Datenbank gehackt, auf der die Klarnamen von Kindern und Fotos waren. Da alles über die Cloud läuft, ist man nie sicher, dass kein Fremder rankommt. Es geht ja nicht nur um den „bösen Hacker“. Auch ein Mitarbeiter in so einem Unternehmen, der vielleicht pädophil ist, könnte sich Zugang verschaffen und die Daten klauen.

Im „Tatort“ kann sich der Kommissar einfach über eine App mit der Smart-Puppe verbinden – ohne Passwort oder Pin-Code. Sind auch Smart-Toys im Handel so schlecht geschützt?

Gobbin: Insgesamt hatten wir sieben Toys im Test von Stiftung Warentest („Smart Toys: Wie vernetzte Spielkameraden Kinder aushorchen“, Anm. d. Red.), wovon man drei ohne Pin oder Passwort nutzen konnte. Insbesondere der Roboter „i-Que“ fiel auf.

Warum?

Gobbin: Der war mit jedem Handy per Bluetooth verbindbar. Wenn also der Nachbar in der Nähe ist, könnte er per App eine Verbindung zu dem Roboter herstellen und über eine Texteingabe in der App, alles eingeben, was er will. Das Perfide daran ist: Der Roboter spricht den Text dann mit seiner Stimme. Und der vertraut das Kind.

Der Roboter könnte also sagen: „Der Herr Meier hat ganz leckere Bonbons, komm doch morgen vorbei, wenn deine Eltern nicht da sind.“ Oder er erkundigt sich danach, wann die Eltern aus dem Haus sind oder wie das Kind zur Schule läuft. Der Nachbar kann alles mithören. Das kann richtig gefährlich sein.

Die netzwerkfähige Puppe „My friend Cayla“ wurde von der Bundesnetzagentur 2017 in Deutschland verboten. Warum sind das nicht auch andere Smart-Toys?

Gobbin: Das hab ich die Bundesnetzagentur auch gefragt und bis heute keine klare Antwort erhalten. Die Begründung damals war, dass „Cayla“ eine „versteckte, sendefähige Anlage“ sei. Jetzt bin ich kein Jurist, aber ich persönlich halte diese Argumentation für gewagt, denn so verdeckt ist das nicht. Ich sehe keinen Unterschied zu den anderen Smart Toys, die auf dem Markt sind. Wenn man die eine Puppe verbietet, ist es sehr inkonsequent, auf die anderen nicht loszugehen.

Sind Smart Toys wie der Roboter „i-Que“ in Deutschland erhältlich?

Gobbin: Die Bundesnetzagentur hat mehrfach behauptet, dass sie in Deutschland nicht mehr verfügbar sind. Das ließ sich aber durch eine zweiminütige Recherche widerlegen, im Internet sind diese Spielzeuge weiterhin vorhanden und somit käuflich zu erstehen.

Auch im physischen Handel gibt es lauter Smart Toys. Einige sind auch relativ ungefährlich, wie der „Cognitoys Dino“ oder der „Fisher-Price Smart Toy Bear“. Nicht jedes Smart Toy stellt per se eine Gefahr dar. Was aber den Bildungswert oder die Unterhaltung angeht, sehe ich bei den Smart Toys einen sehr geringen Mehrwert. Meine Schlussfolgerung ist daher, dass ein „dummer“ Teddy oft die schlauere Wahl ist.

Woran erkennen Eltern unbedenkliche Smart Toys?

Gobbin: Wenn man unbedingt ein Smart Toy kaufen möchte, sollte man sich vorab im Internet informieren. Aber grundsätzlich sollten Eltern wissen: Es gibt keine absolute Sicherheit. Jedes vernetzte Gerät ist angreifbar.

Mehr Informationen zum Test „Smart Toys: Wie vernetzte Spielkameraden Kinder aushorchen“ von Stiftung Warentest finden Sie hier.

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