Silbermond

Stefanie Kloß über Silbermond: "Wir hatten den Mut verloren"

Stefanie Kloß startet nicht nur bei "The Voice of Germany" als Coach durch - mit Silbermond veröffentlicht sie jetzt das neue Album "Leichtes Gepäck".

Stefanie Kloß startet nicht nur bei "The Voice of Germany" als Coach durch - mit Silbermond veröffentlicht sie jetzt das neue Album "Leichtes Gepäck".

Essen.  Stefanie Kloß spricht im Interview über Triumphe und Verzweiflung bei "The Voice of Germany". Zudem erzählt sie, wie das neue Silbermond-Album "Leichtes Gepäck" entstanden ist und wie das Quartett den Weg zurück zu Mut und neuem Selbstbewusstsein gefunden hat.

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Ihr hattet 100 Song-Ideen – am Ende sind nur zwölf Stücke auf Eurem neuen Album „Leichtes Gepäck“ (erscheint am 27. November) gelandet. Wie siebt Ihr bei so einer Auswahl aus?

Stefanie Kloß: „Wir haben diesmal einfach losgeschrieben. Am Ende kristallisiert sich das von ganz alleine heraus. Das ist so ein Band-Bauch von allen Vieren, der da entscheidet.“

Ihr habt eineinhalb Jahre für Euer neues Album gebraucht. Welche Prozesse habt Ihr bei der Entstehung durchlaufen?

Stefanie Kloß: „Nach den letzten zehn Jahren Silbermond haben wir uns eine Stopp-Taste verordnet. Wir brauchten Zeit, um das Ganze mal zu realisieren. Wir haben eine Platte nach der anderen gemacht und hatten das Glück, dass wir erfolgreich waren. Dabei haben wir nicht geschaut, wie wir uns in dem ganzen Prozess entwickelt haben. Es war für uns wichtig, dass wir nicht einfach so weitermachen, sondern auch mal Sachen in Frage stellen, die wir immer als gesetzt gesehen haben.“

Was war Euer Fazit?

Stefanie Kloß: „Wir wollten zurück zur Essenz und wieder eine Band-Platte machen. Heute entwickelt sich viel dahin, dass man alles mit dem Computer aufnimmt. Dadurch verliert eine Band an Charakter. Der Weg zurück zur Basis hat sich dann auch auf das Songwriting ausgewirkt. Bei der Produktion in Nashville haben wir uns viel mit den Texten auseinandergesetzt. Diese sind in jedem einzelnen Wort wesentlich intensiver und spiegeln uns vier mehr denn je wider.“

Warum habt Ihr das Album in Nashville aufgenommen?

Stefanie Kloß: „In so einer Musikstadt wie Nashville wird die Band- und Studio-Kultur sehr hochgehalten. Da gibt es noch Studios, die große Räume für eine gesamte Band haben. Zudem haben wir in den letzten zehn Jahren alles im selben Studio mit dem gleichen Produzenten aufgenommen. Jetzt trauten wir uns, mal was etwas Neues entdecken. Das hat uns echt gut getan.“

Worauf habt Ihr bei der Produktion Wert gelegt?

Stefanie Kloß: „Man kann eine Platte sehr voll spielen, indem man da noch ne Fläche einfügt und da noch einen Effekt. Diesmal wollten wir die Songs erstmal mit unseren vier Grundelementen ausstatten: Gitarre, Bass, Schlagzeug und Gesang. Erst danach haben wir auf eine homogene Art und Weise geschaut, wo man gezielt noch etwas oben drauf setzen kann – wie eine zweite Gitarre oder ein anderes musikalisches Element. Das neue Album soll wieder mehr nach Band klingen.“

Die erste Song-Veröffentlichung ist stets die Visitenkarte eines Albums. Ihr habt Euch für „Die Mutigen“ entschieden.

Stefanie Kloß: „Es ist tatsächlich so, dass wir in den letzten Jahren ein bisschen den Mut verloren hatten. Mit dem Erfolg hat man sich ein Stück weit beobachtet gefühlt. Man ist halt nicht mehr die Newcomer-Band. Wenn Silbermond eine Platte rausbringt, wird schon etwas genauer hingeschaut von allen Seiten. Das freut uns natürlich. Aber es hat uns auch Druck gemacht, und der Anspruch an uns selbst ist immer mehr gewachsen. Dadurch haben wir ein Stück von unserer Leichtigkeit und Spontanität verloren – und auch ein Stück von unserem Mut, der uns sonst ausgezeichnet hatte. Dieser Song „Die Mutigen“ zeigt nach der Zäsur, dass wir jetzt den Mut hatten, uns neu aufzustellen und mit geradem Rücken sagen können: Guten Tag. Wir sind Silbermond und wieder da.“

Stefanie Kloß - Triumphe und Verzweiflung bei "The Voice of Germany" 

Du bist zwar die Frontfrau von Silbermond, aber stehst eigentlich gar nicht so gerne alleine im Mittelpunkt – wie hat sich denn die erste Staffel „The Voice of Germany“ angefühlt?

Stefanie Kloß: „Es war schon ein komisches Gefühl. Ich bin sonst immer die erste, die sich beschwert, wenn jemand nur ein Interview mit mir haben will. Wir sind Band – nicht ich, sondern wir vier. Die Jungs haben dann aber gesagt, dass ich das anderen Leuten nicht mehr beweisen muss. Sie haben mir Mut gemacht: Ich hätte die Fähigkeit viel zu reden, könne mit Leuten umgehen und Talenten musikalisch etwas mitgeben. Meine Jungs waren trotzdem oft mit hier bei „The Voice of Germany“ und haben mit nach Songs für die Talents gesucht. Ohne meine Jungs hätte ich das nicht geschafft. Das sieht man natürlich im TV nicht, aber die geben mir da ganz schön Rückhalt.“

Hast Du das Optimale aus Deinem Team herausgeholt? Gibt es etwas, dass Du diesmal anders machen wolltest?

Stefanie Kloß: „Was das Buzzern in den Blind Auditions angeht, war ich diesmal wesentlich fokussierter. Ich wusste genau, was ich für eine Stimme suche. Ich habe auch um die Talents gegen die anderen Coaches gekämpft – aber mit einer Grenze. Wenn ich merke, der will jetzt, dass ich auf Knien rutsche und noch einen Blumenstrauß oder eine VIP- Einladung organisieren sollte, dann ist der nicht richtig in meinem Team.“

Das mit den Knien überlässt Du dann lieber den Jungs?

Stefanie Kloß: „Genau! Andreas Bourani hat das ja versucht, und es hat auch nicht funktioniert. Es gab einen Moment, wo er auf die Knie gegangen ist und einen Blumenstrauß organisiert hat. Das Talent ist dann trotzdem zu mir gekommen. (lacht)

The Voice of Germany Es gab aber auch nicht nur Siege in den Blind Auditions ...

Stefanie Kloß: „Ich habe sogar mit Talenten auf der Bühne gesungen. Jazzy ist zum Beispiel ein total cooles Mädel. Die hatte ihre Band-Kollegen da. Diese habe ich auf die Bühne geholt und gesagt: Spiel mal einen Song von deiner Band. Das war einfach ein cooler Moment. Aber sie ist trotzdem nicht zu mir in mein Team gekommen. Da dachte ich, das ist jetzt nicht dein Ernst. Eine echt blöde Situation.“

Du musstest in der letzten Staffel das eine oder andere mal mit den Tränen kämpfen – wie war es diesmal?

Stefanie Kloß: „Immer noch emotional – diesmal war ich aber ein bisschen gefasster. Da ich jetzt die Sendung kenne, fühle ich mich nicht mehr der Emotion so ausgeliefert und kann es besser kontrollieren. Selbst die Fantas haben aber immer noch Momente, in denen sie nasse Augen kriegen.“

Welche Phase bei „The Voice of Germany“ reizt Dich am meisten?

Stefanie Kloß: „Die Blind Auditions sind definitiv am spannendsten. Jeder tritt bei Null an und hat die gleiche Chance, bei den besten Stimmen zu buzzern. Die Coaches kämpfen, was das Zeug hält. Das macht unglaublich Spaß. Bei den Battles müssen die Talente beweisen, wie versiert sie sind und ob sie auch mit zweiten Stimmen und Harmonien umgehen können. Hier fiebere ich als Coach total mit. Die Knock-Outs sind am intensivsten. Du hast noch zehn Talents und musst dich von sieben trennen. Das ist eine harte Bilanz. Da passiert es, dass einige sehr, sehr begabte und talentierte Leute es nicht in die Liveshows schaffen.“

Was muss man mitbringen, um die Musikshow zu gewinnen?

Stefanie Kloß: „Der Sieger muss bei anderen Menschen Emotionen auslösen. Bis zu den Knock-Outs ist bei „The Voice of Germany“ alles aufgezeichnet, ohne dass etwas nach außen dringt. Deshalb wissen wir nicht, wie sich die Talents in den Interviews darstellen, ob sie sympathische Geschichten erzählen oder nicht. Wir können nur danach gehen, was wir von den Talents hier mitbekommen und darauf vertrauen. Der Moment, wenn es in die Liveshows geht, ist wahnsinnig spannend. Erst dann sieht man, wie die Kandidaten bei den TV-Zuschauern ankommen.“

Warum stammt „The Voice of Germany“ in diesem Jahr aus Deinem Team?

Stefanie Kloß: „Wenn ich dieses Jahr gewinne, ist es eine Entscheidung der Leute da draußen, ob sie das gleiche gute Gefühl bei den Talents haben, das ich hatte, als ich mit denen den Weg bei „The Voice of Germany“ gegangen bin.“

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