Geburtstag

Sprachjongleur mit Tolle – Götz Alsmann wird 60

Götz Alsmann im WDR-Film „Fast ein Selbstportrait“, während er durch seine Heimatstadt Münster radelt.

Foto: WDR/Melanie Grande

Götz Alsmann im WDR-Film „Fast ein Selbstportrait“, während er durch seine Heimatstadt Münster radelt. Foto: WDR/Melanie Grande

Münster  Der Musiker und Moderator Götz Alsmann wird am kommenden Mittwoch 60 Jahre alt. Der WDR ehrt ihn schon am Sonntag mit einem Porträt.

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Elf Uhr, der Himmel ist bewölkt. Die Frisur sitzt. Wie immer. Und die Schuhe passen zum Gürtel. Natürlich. Die Hände in den Taschen kommt Götz Alsmann den Bürgersteig entlang geschlendert und sieht einmal mehr aus wie aus einem alten Schwarz-Weiß-Film entsprungen. Groß karierter Maßanzug mit eleganter Krawatte und Einstecktuch zur gegelten Tolle und Heinz-Erhard-Brille.

Händeschütteln für die Herren, Küsschen für die Damen. Man kennt sich, man mag sich, man freut sich. Nächste Woche, am 12. Juli, wird Alsmann 60 Jahre alt. Der WDR gratuliert schon am Sonntagabend mit der Sendung „Fast ein Selbstporträt“ (WDR, 22.45 Uhr). Gute Freunde und Journalisten durften den Film in dieser Woche schon mal vorab sehen.

Alsmann ist Großmeister der deutschen Sprache

Da drängen sie sich nun ins kleine Kino in Münster, das „Kurbelkiste“ heißt. Alsmann ist mittendrin, aber recht ruhig. Zumindest für seine Verhältnisse. Dafür reden andere. Valerie Weber zum Beispiel, WDR-Hörfunkdirektorin, oder Karin Kuhn, Unterhaltungschefin des Senders. Und es überrascht wenig, dass beide voll des Lobes sind über das Geburtstagskind in spe.

Bevor es dann aber möglicherweise noch wirklich feierlich wird, geht das Licht aus, und der Film beginnt. Autor Klaus Michael Heinz, beim WDR der Spezialist für Por­träts, macht darin, was er meistens macht in seinen Filmen: Er lässt seine Hauptperson selbst erzählen, was Alsmann, diesem Großmeister der deutschen Sprache, sehr entgegenkommt.

Vor laufender Kamera reist er zu erinnerungsträchtigen Orten der Vergangenheit in Münster. Dort, wo Alsmann geboren wurde und wo er heute noch lebt. Die Kamera begleitet ihn aber auch durch die Gegenwart – zum Konzert nach Oberhausen oder ins Studio nach Rom, wo die demnächst erscheinende CD mit alten italienischen Schlagern eingespielt worden ist. Und die Kamera ist dabei, wenn er in sein „Atelier“ bittet.

Alsmann ist in vielen Bereich ein Könner

Bücher hortet er dort, ebenso wie Keramik aus den 70er-Jahren oder seine ausgefallenen Musikinstrumente. Und natürlich seine Schallplatten, die „außer mir keinen Menschen interessieren und die kaum einer kennt“ – von Schellack über Vinyl bis hin zur CD. Gewürzt wird der Film mit Ausschnitten aus alten Shows und Interviews.

Man sieht also einen Mann, der mit der deutschen Sprache jonglieren kann wie mit den Noten, die er spielt. Eine Rampensau, die durch das Studio oder über die Bühne tänzelt und oft so schnell spricht, als würde nach Silben pro Minute bezahlt. Anarchisch, albern, aufgedreht. Einer, der kaum etwas ernst nimmt, meistens auch nicht sich selber. Ein begnadeter Selbstdarsteller mit Hang zur Perfektion, ein intelligenter und belesener Mann, der auf Etikette großen Wert legt und angeblich keine Jeanshose besitzt. Mit einem Lächeln, das er anknipsen kann wie einen Scheinwerfer und das oft schwankt zwischen Spott und Selbstironie. Manchmal etwas überheblich, ein Snob, meist sehr charmant, ein Gentleman. Aber stets sehr unterhaltsam. Das ist Alsmann, wenn die Kameras laufen.

Privat scheint er ruhiger, altmodisch im besseren Sinn. Jemand, der Handys nur duldet, Musikstreaming nicht kennt und mit dem PC nur lose befreundet ist. Ein Mensch, der den Eindruck erweckt, er würde sich in den 50er-Jahren wohler fühlen als in der heutigen Zeit – nicht nur musikalisch. „Unauffällig“, beschreibt er sich. Geburtstagsfeier im kleinsten Kreis, unter anderem mit Ehefrau und Sohn, dann Urlaub an der Nordsee.

Neue Tour und neues Programm

Noch einmal durchatmen wahrscheinlich. Denn es gibt viel zu tun. In Kürze startet er mit seinem neuen Programm eine Tour, die ihn unter anderem auch nach Dortmund (21. und 22. September), Essen (7. Dezember) und Düsseldorf (14. und 15. Dezember) führt. Zweimal die Woche moderiert er bei WDR3 und WDR4, und ins Fernsehen wird er demnächst auch zurückkehren. „Ja“, sagt er, „es wird wohl eine neue regelmäßige Sendung geben.“ Und nein, „über Einzelheiten kann ich noch nicht sprechen“.

Dann muss er weg, nach Paris, der neuen CD den letzten Feinschliff geben. Mittag ist es in Münster geworden. Die Sonne brennt. Die Frisur sitzt.

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