Fernsehdreh

Kapitän vom Biggesee arbeitet als Gondoliere in Venedig

Von Beruf ist Bernd Stumpf Biggeseeschiffer, hier in der Kommandozentrale der MS Westfalen.

Foto: Josef Schmidt

Von Beruf ist Bernd Stumpf Biggeseeschiffer, hier in der Kommandozentrale der MS Westfalen. Foto: Josef Schmidt

Sondern/Venedig.   In seinem normalen Berufsleben ist Bernd Stumpf Kapitän der MS Westfalen auf dem Biggesee. Doch für eine Woche wechselte er nach Venedig.

Das Klischee gehört zu Italien wie die Spaghetti oder der Petersdom: Ein Gondoliere schippert ein eng umschlungenes Liebespaar mit seinem Kahn durch den Canale Grande und schmettert dazu „O sole mio“. Aber ganz so, sagt der Attendorner Bernd Stumpf (51), sei die Realität nun doch nicht: „Die Gondolieri dürfen gar nicht singen, sondern müssen dafür extra Musiker hinzuholen, die natürlich bezahlt werden.“ Der 51-Jährige muss es wissen. Denn für einen Fernsehstreifen des WDR hat sich der Kapitän der Weißen Flotte am Biggesee mal so eben eine Woche nach Venedig verabschiedet.

WDR filmt für „Job im Gepäck“

Dort filmte der WDR für seine Serie „Job im Gepäck“. Dabei drehte sich ein Teil um einen hiesigen Schiffskapitän, der mit seinem Job im Gepäck nach Venedig reisen sollte, um die Luft der Kanal-Schiffer schnuppern zu können. „Als die anriefen, habe ich nicht lange überlegt und zugesagt. Meine Frau hat es zunächst gar nicht glauben wollen.“

Obwohl die Woche nach Ostern, in die die Dreharbeiten fielen, zur Saison der Weißen Flotte gehört, unterstützte die Betreiber-Familie Keseberg das Unterfangen ihres Kapitäns, der ansonsten meist das Motorschiff (MS) Westfalen steuert. Senior-Chef Wolfgang Keseberg: „Ich hätte das auch selbst machen können, aber ich will nicht mehr in der vordersten Linie stehen. Für den Bernd hat es mich gefreut, ich habe die Woche auf der Westfalen gerne für ihn übernommen.“

Auch Keseberg-Tochter Nicole (Foto) hat die TV-Episode unterstützt: „Das ist für uns positive Werbung. Das war auch so, als ich vor einigen Jahren mit Horst Lichter vor der Kamera gekocht habe.“ Stumpf ist von Hause aus eigentlich Koch, stieß 2004 zur Weißen Flotte, wo er zunächst in der Gastronomie arbeitete.

Auf dem Schiff, erinnert er sich, sei das von Anfang an das Richtige gewesen. Und als ein weiterer Schiffs-Kapitän gesucht worden sei, habe er sich entschlossen, den Binnen-Schifffahrts-Führerschein zu machen. „Das befähigt auch, Schiffe auf den großen Flüssen wie dem Rhein zu steuern.“

Täglich eine halbe Stunde geübt

Warum sich also vor einem 11,50 Meter langen Holzboot fürchten? In Venedig angekommen, nahm den Sauerländer die deutsch-italienische Gondoliere-Familie Rizzo unter ihre Fittiche. „Mit dem Sohn Michele habe ich dann täglich eine gute halbe Stunde geübt, wie man mit dem Holzpaddel die Gondel gleichzeitig fortbewegt und lenkt und nicht selbst ins Wasser fällt.“

Was gar nicht so einfach sei, so dass Stumpf durchaus Respekt für seine italienischen Boots-Kollegen mit an die Bigge gebracht hat: „Die Ausbildung zum geprüften Gondoliere dauert nicht umsonst zwei Jahre. Da fallen auch immer wieder Prüflinge durch.“ Selbst erfahrenen Gondoliere passiere sogar ab und an das Missgeschick, während ihrer Fahrt im Kanalwasser zu landen.

Deshalb sei es kein Wunder gewesen, dass er nur die ersten Schritte eines Gondolieres habe gehen können: „Am letzten Tag durfte ich Familie Rizzo in deren Gondel bei meiner Abschlussfahrt eine halbe Stunde selbstständig durch zwei unterschiedliche Kanäle fahren. Für den Transport fremder Passagiere braucht man Führerschein und Lizenz.“

Und die bekommen nur gebürtige Venezianer oder dort fest Wohnende. Und selbst dann darf nicht jeder auf eine Lizenz hoffen: „Es herrscht ziemliches Gedränge.“ Nicht ohne Grund. Denn pro halbstündiger Fahrt, so hat Stumpf gelernt, kostet die Gondel 80 Euro tagsüber und 100 Euro am Abend. Auf den Monat komme da ein stattliches Sümmchen zusammen.

Rialto-Brücke und den Markusplatz gesehen

Stumpfs Fazit fällt durchweg positiv aus: „Ich hab’ viel gelernt und gesehen.“ Zum Beispiel die Gondel-Werft auf der Insel La Giudecca, wo die etwa 30 000 Euro teuren Holzboote gebaut würden. Oder die Bekleidungsgeschäfte, die es ausschließlich für die Kluft der Gondolieri gebe. Und ein bisschen Zeit, sich die Rialto-Brücke und den Markusplatz in Ruhe anzusehen, sei auch übrig gewesen.

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