Bundestagswahl

Mehrkampf statt Duell: Die kleinen Parteien machen es besser

Die Teilnehmer beim „Fünfkampf“ (v.l.n.re.): Sahra Wagenknecht (Die Linke), Cem Özdemir (Bündnis 90/Die Grünen), Joachim Hermann (CSU), Christian Lindner (FDP) und Alice Weidel (AfD).

Foto: WDR/Herby Sachs

Die Teilnehmer beim „Fünfkampf“ (v.l.n.re.): Sahra Wagenknecht (Die Linke), Cem Özdemir (Bündnis 90/Die Grünen), Joachim Hermann (CSU), Christian Lindner (FDP) und Alice Weidel (AfD). Foto: WDR/Herby Sachs

Berlin  Konflikt statt Konsens: Die kleinen Parteien trafen gleich in zwei TV-Sendungen aufeinander. Die Unterschiede sind groß. Ein Vergleich.

Das Duell Merkel gegen Schulz scheint entschieden, die Koalitionsfrage ist es noch lange nicht: Rettet sich die SPD erneut als Juniorpartner in ein Kabinett Merkel ? Gibt es eine Neuauflage von Schwarz-Gelb? Bilden Union und Grüne erstmals eine Bundesregierung oder gar eine Jamaika-Koalition zusammen mit der FDP?

So oder so: Die kleinen Parteien sind das Zünglein an der Wage. Und nach dem TV-Duell am Sonntag standen sie am Montagabend bei ARD (20.15 Uhr, „Der Fünfkampf nach dem TV-Duell“) und ZDF (19.25 Uhr, „Schlagabtausch – Der TV-Dreikampf von Linken, Grünen und CSU“) im Zentrum.

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Die Kontrahenten

Das ZDF machte den Anfang: Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) diskutierte vor Zuschauern im ZDF-Hauptstadtstudio mit Linken-Spitzenkandidat Dietmar Bartsch und der Grünen Kathrin Göring-Eckardt.

Bei der ARD standen sich Alice Weidel (AfD), Joachim Herrmann (CSU), Cem Özdemir (Grüne), Sahra Wagenknecht (Linke) und FDP-Chef Christian Lindner gegenüber.

Fragwürdig: Obwohl CDU und CSU eine Fraktionsgemeinschaft bilden und beide für die Wiederwahl von Kanzlerin Angela Merkel werben, darf die bayerische Partei beim Duell der Kleinen mitmischen.

Die Themen

Wenig Überraschendes: Der Flüchtings- und Asylpolitik wird viel Raum eingeräumt. Wie beim TV-Duell Merkel / Schulz bleibt beim ZDF für Sozialpolitik wenig Zeit. Erst die letzten sechs Minuten drehen sich um Ungleichheit. Die ARD macht’s besser: Los ging’s mit Digitalisierung, Rente, Arbeitsmarkt. Alice Weidel schaffte den Sprung von der Mietpreisbremse zur Geldpolitik der EZB – es ging munter hin und her, doch als Zuschauer hätte man sich etwas mehr Struktur gewünscht.

Der beste Auftritt

Bisher schienen die Grünen mit ihrem Spitzenduo kein Glück zu haben, die Ökopartei stagniert in den Umfragen. Doch Spitzenkandidatin Göring-Eckardt zeigte sich in der ARD ungewohnt angriffslustig. Besonders einer bekommt sein Fett weg: CSU-Minister Dobrindt.

„Lassen Sie mich einmal ausreden, oder geht das nicht?“, blaffte sie ihn an. Beim Thema Dieselkrise warf sie dem Minister Versagen vor. „Herr Dobrindt hat die Verantwortung und das schon seit Jahren“, so Göring-Eckardt. Die Flüchtlingspolitik der CSU bezeichnete die Grüne als „zynisch“ – wer das Duell sah, kann sich beide Parteien nur schwer in einer gemeinsamen Regierung vorstellen.

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Wer blass blieb

Dietmar Bartsch ist nicht Gregor Gysi. Der Fraktionsvorsitzende der Linken fällt nicht unbedingt durch sein rhetorisches Talent auf, dadurch geriet er auch beim TV-Duell ins Hintertreffen. CSU-Mann Dobrindt warf er in der Sicherheitspolitik „Staatsversagen“ vor, das war’s auch schon aus der Abteilung Attacke. Zu wenig für die Opposition.

Auch CSU-Spitzenkandidat Herrmann blieb in der ARD blass. Nur einmal versuchte er, beim Thema G20-Krawalle und Linksextremismus Cem Özdemir aus der Reserve zu locken – vergeblich.

Gemeinsamkeit des Abends

Auf den ersten Blick gibt es keine Gemeinsamkeiten zwischen FDP, Linken und AfD. Doch beim Thema Diesel musste FDP-Chef Lindner sogar Sahra Wagenknecht zustimmen – beide sprachen sich dafür aus, dass die Autoindustrie für die Schäden durch Manipulation aufkommen muss. Deutlich näher stand der FDP-Chef seinem Duzfreund Cem Özdemir. Beide forderten höhere Löhne für Pflegeberufe und mehr Investitionen in Bildung.

Dass aber ausgerechnet Alice Weidel Linken-Spitzenfrau Wagenknecht als „vernunftorientierte Person in Ihrer Partei“ lobte, passte der gar nicht. „Ihr Lob können Sie sich gerne schenken“, blaffte Wagenknecht zurück. Trotzdem bescheinigte sie Weidel und ihrer Partei später, ein Teil des demokratischen Spektrums zu sein – die Scharfmacher in der AfD wird’s freuen.

Der Vergleich des Abends

„Eine Wohnung ist keine Kartoffel, die man mal eben bei dem einen oder anderen Händler kauft“, sagte Sahra Wagenknecht zum Thema explodierende Mieten und Wohnungsnot. Hier versage der Markt, der Staat müsse lenkend eingreifen.

Die Moderatoren

Solide, aber unspektakulär: Sowohl Matthias Fornoff (ZDF) als auch Sonia Seymour Mikich und Christian Nitsche für die ARD leiteten die Diskussion sachlich und ohne große Aufreger. Ledigleich im Ersten ging es bei den Themen zu Beginn etwas drunter und drüber. Wirklich überraschende Fragen gab’s nicht, dafür aber auch keine Patzer, die im Gedächtnis bleiben.

Fazit

Die kleinen Parteien haben gezeigt, dass noch Spannung in der Wahl steckt. Großkoalitionäre Einigkeit wie am Sonntag blieb den Zuschauern erspart. Zum Glück! Die vermeintlich „Kleinen“ könnten als große Sieger aus der Wahl gehen – und dann vielleicht selber am Kabinettstisch mitentscheiden.

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