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Epidemiologe bei "Lanz": "Corona wird nie ganz vorbei sein"

| Lesedauer: 4 Minuten
Markus Lanz: Der ZDF-Moderator im Porträt

Markus Lanz: Der ZDF-Moderator im Porträt

Seine Talkshow ist ein Dauerbrenner im ZDF: Wir zeigen im Video die beruflichen Stationen von Markus Lanz, seine Leidenschaft und seine kaum bekannte Ehefrau Angela Gessmann.

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Berlin  Von der Pandemie zur Endemie: Wie das gelingen kann, skizzierte ein Forscher bei "Markus Lanz". Die Impfpflicht müsse dafür kommen.

Die Corona-Fallzahlen steigen steil an, Omikron ist weiter auf dem Vormarsch. Die aktuelle Welle war am Dienstag auch bei Markus Lanz das Thema.

Die hochansteckende Omikron-Variante des Coronavirus ist schon seit ein paar Wochen im Land angekommen, doch seit einigen Tagen steigen die Inzidenzwerte rasant an. Moderator Markus Lanz wollte deshalb von seinen Gästen wissen, ob mit Omikron das Ende der Pandemie-Geschichte eingeläutet wird und wir auf eine Endemie zusteuern.

"Markus Lanz" – Das waren die Gäste:

  • Manuela Schwesig, Ministerpräsidentin Mecklenburg-Vorpommerns (SPD)
  • Kaja Klapsa, Journalistin ("Welt")
  • Dr. Johannes Nießen, Mediziner
  • Prof. Timo Ulrichs, Epidemiologe

Schon in zwei Monaten könnte sich über die Hälfte aller Menschen in Europa mit Omikron infiziert haben. So warnte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) am Dienstag unter Berufung auf eine Hochrechnung, die im Bericht des Forschungsinstituts IHME vom 8. Januar modelliert ist.

Doch im Moment sei auch davon auszugehen, dass die Virus-Variante weniger ansteckend und im Falle einer Infektion auch weniger gefährlich sei, so Lanz. "Das Elend muss doch irgendwann ein Ende haben”, sagte der Moderator deshalb und forderte von Epidemiologe Timo Ulrichs eine Einschätzung. Lesen Sie mehr: Corona auf Sylt: Polizei ermittelt gegen Impfpassfälscher

"Markus Lanz": Epidemiologe zeigt sich vorsichtig optimistisch

Der zeigte sich bezüglich eines möglichen Eintritts in eine endemische Phase vorsichtig optimistisch. Diese könne durch die "sichere Variante einer Durchimpfung oder durch die unsichere Variante einer Durchseuchung" erreicht werden, erklärte Ulrichs. "Dann könnte das Virus nur noch eine kleine Welle machen, die wir handhaben können", sagte er. Mehr zum Thema: Corona: Brauchen wir schon bald eine vierte Impfung?

Gleichzeitig warnte der Epidemiologe: "Es wird nie ganz vorbei sein." Seiner Einschätzung nach müssten wir uns etwa auf regelmäßige Auffrischungsimpfungen einstellen. Zudem dürfte sich keine "ganz neue Variante" entwickeln. "Dann müssten wir wieder von vorne beginnen", so Ulrichs.

"Markus Lanz": Wie geht es mit der Impfpflicht weiter?

Ohne eine Impfpflicht hält Ulrichs eine Entspannung und den Weg von der Pandemie in die Endemie für nicht möglich. "Ich glaube nicht daran, dass eine Impfpflicht kommen wird. Ich weiß nicht, wie das logistisch funktionieren soll", gab die "Welt"-Journalistin Kaja Klapsa zu bedenken. Aktuell sind laut RKI-Impfdashboard 21,1 Millionen Menschen in Deutschland nicht geimpft (25,3 Prozent der Bevölkerung), darunter auch vier Millionen Kinder bis vier Jahre, für die noch kein Vakzin zur Verfügung steht.

Ein Impfregister sei zu aufwendig und stichprobenartige Kontrollen mit etwaigen Bußgeldern würden nicht genügend Wirkung entfalten, so die Politik-Journalistin. "Das Schlimmste, was uns passieren kann ist, dass wir die Impfpflicht unter massivem Ärger einführen, sie dann aber nur eine kleine Auswirkung hat", sagte Klapsa.

"Markus Lanz": Mediziner wirbt für schrittweise Einführung einer Impfpflicht

Johannes Nießen ist Mediziner und Leiter von Deutschlands größtem Gesundheitsamt in Köln. Er sagte bei "Lanz": "Wir sind ja schon auf dem Weg zu einer Impfpflicht." Er plädierte für eine Einführung "step by step". Nach dem Gesundheitspersonal, für das ab dem 15. März eine Impfpflicht gilt, sollte sie seiner Einschätzung nach dann für ältere Menschen ab 60 Jahren eingeführt werden. Weitere Abstufungen würde Nießen von der Entwicklung der Pandemie abhängig machen.

Die Ministerpräsidentin Mecklenburg-Vorpommerns Manuela Schwesig (SPD) sagte, dass sie persönlich für eine Impfpflicht sei, "es kommt aber auf die Ausgestaltung an". Die Politikerin findet es deshalb richtig, dass der Bundestag über die Einführung debattieren wird und diese "ethische Entscheidung in den Händen der Abgeordneten liegt". "Das Thema steht im Raum, aber es gibt noch keine konkreten Vorschläge für die Ausgestaltung", sagte sie. Schwesig drückte aufs Tempo: "Es ist jetzt wichtig, dass man das zügig angeht." Lesen Sie hier: Omikron in Deutschland: Was der Wirtschaft jetzt droht

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