Jeder ist sein eigener Programmchef

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Sie heißen " Joost" oder "Zattoo" und versprechen eine "Revolution des Fernsehens". Neue Dienste wollen Zuschauer unabhängig machen von Sendezeiten und Programmschema. Jeder soll seine Lieblingssendungen sehen können, wann und wo er will. Dabei drängt die

Christiane D. sieht gerne fern. "Am liebsten Serien." Doch sie ist "meist im Stress" und noch dazu "sehr vergesslich". So bleibt der Videorecorder oft unprogrammiert. Früher hat sich die 40-Jährige dann geärgert und manchmal nie erfahren, wie es mit dem TV-Doktor ihres Vertrauens weitergegangen ist. "Heute", sagt D., "gehe ich einfach ins Internet." Mit DSL-Anschluss und einer Flatrate.

Ein Bekannter hat ihr ein paar einschlägige Seiten verraten. Und wenn Dr. House am Dienstagabend wieder einmal nicht in ihrem Beisein praktiziert hat, geht D. eben am Mittwochmorgen mit ihm auf Visite. Spätestens. Denn seit der zunehmenden Verbreitung digitaler Festplattenrecorder hat irgendjemand die verpasste Folge garantiert vom Fernsehen aufgenommen und gleich anschließend ins Netz gestellt.

In den Weiten des Datennetzes findet sich mittlerweile so ziemlich alles, was die Generation Internet gerne sieht. Ob US-Serien wie "Lost", "Monk" oder "Greys Anatomy" , ob deutsche Produktionen wie "Stromberg" oder "Türkisch für Anfänger" - wer weiß, wo er suchen muss, kann die TV-Zeitung zur Seite legen.

Auch TV-Shows wie "Germanys Next Topmodel" oder Dokumentationen zu allen erdenklichen Themen stehen zum Download bereit. Und je beliebter eine Sendung ist, desto schneller ist sie auf der heimischen Festplatte. "In zwei Stunden ist das meistens erledigt", weiß D. Mühelos lässt sich das Heruntergeladene auf eine CD brennen und mit einem geeigneten DVD-Player am Fernsehen anschauen. "In guter Qualität."

Das ist, werden deutsche TV-Sender nicht müde zu warnen, "illegal". Bei D. stoßen sie damit auf taube Ohren. "Lächerlich" findet sie diese Warnung. "Was ich herunterlade, ist doch alles frei empfangbar im Fernsehen gelaufen." So denken viele. Manche Angebote werden binnen weniger Tage zehntausendfach heruntergeladen.

Verfolgt worden ist in Deutschland deswegen noch niemand. "Viel zu aufwändig", heißt es hinter vorgehaltener Hand bei den meisten Sendern. Auch sonst haben die klassischen TV-Anbieter dem Trend bisher wenig entgegenzusetzen. Manche bieten Ausschnitte ihres Programmes auf Videoportalen wie "Youtube" oder "clipfish" an, andere - meist gut versteckt - direkt auf ihren Internetseiten. Die Qualität ist oft schlecht, geguckt werden kann nur am Computer. Mit "maxdome" hat die ProSiebenSat.1-Gruppe deshalb im vergangenen Jahr ein sogenanntes "Video on Demand-Portal" gestartet, in dem sich Filme, Shows und Serien der ehemaligen Kirch-Sender abrufen lassen. Individuell, werbefrei, aber kostenpflichtig.

Für D. ist das keine Alternative. Weil viele ihrer Lieblingssendungen nicht im Angebot sind. "Und weil ich nicht einsehe, für etwas zu zahlen, was es woanders kostenlos gibt."

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben