Jimi Hendrix

"Hear My Train A Comin'" - Arte zeigt Doku über Jimi Hendrix

Dank Jimi Hendrix‘ legendären Antikriegsstatements wurde der Rock politisch.

Dank Jimi Hendrix‘ legendären Antikriegsstatements wurde der Rock politisch.

Foto: ARTE / © Cal Bernstein/Authentic Hendrix, LLC

Berlin.  Es gibt nur wenige Menschen auf der Welt, die wirklich etwas bewirkt haben, und die auch die Menschen bewegt haben. Und meistens sterben sie viel zu früh. Zum Beispiel Jimi Hendrix.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

In der Welt von Pop und Rock gibt es nicht allzu viele Künstler, die auch nach ihrem Tod noch fast jedem ein Begriff sind. Jimi Hendrix (1942 - 1970) gehört in jedem Fall zu ihnen. Denn er hat in seinen nur 27 Lebensjahren unendlich viel bewirkt. Zu sehen und zu hören ist das in der Dokumentation "Hear My Train A Comin'", die am Samstag auf Arte läuft, im Rahmen des "Summer of Peace".

Der Film beginnt in Seattle, Washington, im Jahr 1942. Zu sehen sind Kindheitsfotos eines kleinen Jungen, und Jimis sichtlich stolzer afroamerikanischer Vater Al erzählt, dass er die ersten Monate seines Sohnes verpasst hatte, da er beim Militär in Alabama war. Er schenkte ihm erst eine Mundharmonika, später eine Ukulele, und als Jimi knapp 15 Jahre alt war, kaufte Papa ihm schließlich seine erste E-Gitarre.

Mutter Lucille stammte von Iren und von Cherokee-Indianern ab. Sie feierte gern Partys - Jimis Cousin Bob erzählt, dass sie keine gute Mutter gewesen sei. Bald nach der Geburt ihres zweiten Sohnes Leon ließen sich die Eltern 1950 scheiden, und Jimi wuchs bei seinem Vater auf. Der begleitete den Werdegang seines Ältesten von Anfang an mit viel Unterstützung.

Jimi Hendrix war kraftvoll, kreativ, innovativ und inspirierend

Jimi Hendrix' erste Band nannte sich "The Velvetones". Gemeinsam mit seinem Freund Terry Johnson gründete er wenig später die "Rocking Kings" - sie liebten die Musik von Chuck Berry, Little Richard und Moody Blues.

Die erste Band, in der Hendrix selbst Frontmann und Sänger war, hieß "Jimmy James and the Blue Flames" (1965) - aus dieser Formation entstand schließlich im Herbst 1966 die "Jimi Hendrix Experience" mit dem Schlagzeuger Mitch Mitchell und dem Bassisten Noel Redding.

Am 18. Juni 1967 traten sie auf dem Monterey Pop Festival auf, und spätestens hier war zu sehen (auch im Arte-Film), dass Jimi etwas Einzigartiges geschafft hat: Die E-Gitarre war in seinen Händen nicht länger ein lebloses Stück Holz.

Er tanzte mit ihr und machte sie fast schon zu einem Teil seines Körpers. Allerdings hat er sein Instrument dort auf der Bühne angezündet, verbrannt und die Teile ins Publikum geschleudert. Das kam für ihn wohl einem Opferritual gleich: "Man opfert nur die Dinge, die man liebt. Und ich liebe meine Gitarre", sagte er dazu.

Jimi Hendrix erreichte die Menschen auf eine einzigartige und aufregende Weise - kraftvoll, kreativ, innovativ und inspirierend. Hübsch war er nun wirklich nicht, und schüchtern obendrein - doch hatte er für viele Menschen eine starke sexuelle Ausstrahlung.

Wenn er nicht spielen konnte, dann war er nicht er selbst, und er war sich seines eigenen Könnens nicht bewusst. Vielleicht gerade deshalb wurde er einer der bedeutendsten Musiker und Gitarristen des letzten Jahrhunderts, der das E-Gitarrenspiel revolutioniert hat. Mit Songs wie "Purple Haze", "Manic Depression" und "Hear My Train A Comin'" hat er sich und seinem Publikum ganz neue Welten jenseits jeglicher gängigen Genres oder Klischees erspielt.

Viele Menschen verstanden ihn allerdings auch überhaupt nicht. Jimi Hendrix sagt dazu im Arte-Film: "In Gesprächen kann ich keine Gefühle ausdrücken. Ich werde nicht verstanden, es kommt einfach nicht rüber. Die Bühne ist eine ganz andere Welt, das ist das Leben. Und es vergeht wie ein Lidschlag."

Talkshow-Ausschnitte und Live-Aufnahmen von Konzerten

Filmautor Bob Smeaton hat in vielen Archiven gegraben und so sehr anschauliches Bild- und Hörmaterial zusammengetragen, das teilweise bisher noch nicht veröffentlich worden war. Darunter finden sich auch einige Amateurfilme, die Jimi Hendrix selbst gedreht hat, zusammen mit Drummer Mitch Mitchell.

Dazu gibt es Talkshow-Ausschnitte und Live-Aufnahmen von Konzerten zu sehen, Statements von Musikern (Paul McCartney, Steve Winwood u.a.), Tontechnikern und Musikwissenschaftlern - und natürlich von der Familie und Freunden.

Linda Keith hat durch ihre Kontakte Jimi's Start in die Musikkarriere ermöglicht; und die Modedesignerin Colette Mimram hat viele der extravaganten Outfits für ihn entworfen. So wirkte er oft geradezu wie ein Paradiesvogel, in seinem gelb-weiß gestreiften Rüschenhemd, roter Samthose, güldener Weste und Amuletten, dazu eine Federboa um den Hals geworfen und ein Tuch um die Hüften geschlungen. Das kann man finden, wie man möchte: Seine Art, sein Können und seine Musik haben ihn unsterblich gemacht. (dpa)

Samstag, 1. August, Arte, 21.40 Uhr

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (1) Kommentar schreiben