Karneval

Für Kabarettist Lars Reichow ist Fastnacht eine Kampfbühne

Generalprobe für „Mainz bleibt Mainz“: Lars Reichow moderiert das „Fastnachtsjournal“.

Foto: Torsten Silz / ZDF und Torsten Silz

Generalprobe für „Mainz bleibt Mainz“: Lars Reichow moderiert das „Fastnachtsjournal“. Foto: Torsten Silz / ZDF und Torsten Silz

Berlin  Lars Reichow ist als Büttenredner bei „Mainz bleibt Mainz“ eine Instanz. Hass-Mails von AfD-Anhänger schrecken ihn dabei nicht ab.

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Die Fastnachtssendung „Mainz bleibt Mainz, wie es singt und lacht“ läuft streng geregelt. Alles muss sitzen während der vier Stunden. Vergangenes Jahr aber kam es zum Eklat: Uwe Junge, AfD-Chef in Rheinland-Pfalz, fühlte sich und seine Partei durch die Büttenreden diffamiert, besonders durch die des Mainzer Kabarettisten Lars Reichow. Der hatte zum Beispiel Frauke Petry als „Kräuterhexe“ bezeichnet.

Junge habe daraufhin Sitzungspräsident Andreas Schmitt angreifen wollen, sagten Beobachter. Junge selbst sagt, er habe vorzeitig gehen und sich nur verabschieden wollen. Wie auch immer, Junge ist dieses Jahr nicht mehr eingeladen.

Reichow aber schon, und er wird wieder reden, wie jedes Jahr seit 2013. Von den Hass-Mails der AfD-Anhänger, die er nun erhält, lässt er sich nicht einschüchtern.

Der AfD will Reichow nicht zu viel Bedeutung verschaffen

„Haltung zeigen“, darum geht es dem 53-Jährigen in der Fastnacht, die schließlich in Mainz traditionell politischer sei als in Nordrhein-Westfalen. Ein Kabarettist, findet er, passe dort bestens auf die Bütt. „Kampfbühne“ nennt er sie, denn das Fastnachtspublikum ist schwer zu knacken: „Man muss kurzatmiger sein als anderswo und schneller.“ Welche Haltung nimmt er denn nun an? Er wolle vor allem darauf aufmerksam machen, „wie gut wir es haben, in welchem Luxus und Frieden wir leben – und zu zeigen, wer da nicht reingehört“. Also die „Hetzer, Spalter und Lügner, die an der Demokratie sägen“.

Knöpft Reichow sich am heutigen Freitag also wieder die AfD vor? Er ist noch unsicher. „Die Anhänger haben mich ja fast darum angebettelt und mir geschrieben: ,Na, wollen Sie uns dieses Jahr wieder so ungerechtfertigt angreifen?‘“ Andererseits wolle er ihnen nicht zu viel Bedeutung verschaffen. Um GroKo und Donald Trump kommt er nicht herum – dass Trump-Bashing einfach ist und es jeder macht, ist ihm bewusst.

„Im Karneval kann es jeder zum Generalmajor bringen.“

Vielleicht die Tierversuchsaffen von VW? Möglich. „Ich habe aber auch überlegt: Wäre es nicht eine viel größere Qual, wenn man Affen ins Publikum einer Fastnachtssitzung setzen würde?“ Denn bei aller Liebe zur Narrenzeit – Reichow gibt zu: Die Sitzungen sind strapaziös. „Weniger für mich. Ich bin ja backstage, da kann man rumlaufen, quatschen, wird mit Alkohol versorgt. Aber wenn ich mal im Publikum bin, denke ich: Hört das jemals auf? Man muss in einer Tour aufstehen, sich wieder setzen, schunkeln, lachen, und gerade, wenn man denkt, es ist vorbei, kommt wieder eine Kapelle. Aber wir Mainzer haben Kondition.“

Und dann die Rangordnung! „Im Karneval kann es jeder zum Generalmajor bringen. Die Leute sind wahnsinnig begierig auf diese Auszeichnungen. Da gibt es schon ziemliche Fanatiker.“ Auf Haltung kommt es ihm auch in seinem aktuellen Bühnenprogramm „Lust“ (am 15.2. in Herten) an. Bei seinen Shows will Reichow nicht nur „draufhauen, sondern immer auch einen Ausweg lassen“. Was viele Comedians machen, ist dem vierfachen Vater zu banal. „Manche scheinen zu denken: ,Ich kann nicht richtig sprechen, ich bin ein bisschen proletenhaft, ich mach das mal jetzt zu meinem Beruf.‘“ Seine Grundregel für einen gelungenen Auftritt: „Nie die erste Idee aufgreifen, die einem kommt.“

Freitag, 9. Februar, ZDF, um 20.15 Uhr

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