Fernsehen

Erinnerungen an 50 Jahre ARD-Sportschau

Die Moderatoren (v.l.) Dieter Adler, Ernst Huberty und Addi Furler (Bild von 1967). © WDR/Klaus Barisch

Die Moderatoren (v.l.) Dieter Adler, Ernst Huberty und Addi Furler (Bild von 1967). © WDR/Klaus Barisch

Foto: WDR/Klaus Barisch WP

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Essen.Die ARD-Sportschau wird 50 Jahre alt. Sportjournalist Heribert Faßbender erinnert sich an die anfänglichen Vorbehalte des DFB und Ernst Huberty, den Mann mit dem tiefliegenden Klappscheitel und den endlosen Anmoderationen.

Samstags, um 18 Uhr, da stört man besser nicht. Denn da läuft in der ARD eine Sendung, die für Günter Netzer stets „Pflichtaufgabe“ ist und für Uli Hoeneß etwas, das „einfach zu meinem Leben gehörte“. Diesen Sommer wird die ARD-Sportschau 50 Jahre alt. Gefeiert wird schon am Samstag. Mit einer Sonderausgabe.

Premiere ist 1961 noch an einem Sonntag. Um 21.30 Uhr im zweiten Programm der ARD. Das gibt es damals noch. Dafür gibt es keinen Fußball. „Kein einziges Spiel in den ersten Wochen“, sagt Heribert Faßbender, der in seiner 24-jährigen Zeit als WDR-Sportchef auch für die Sportschau verantwortlich war. Schon weil Sommerpause ist. Füllen lässt sich die Sendezeit der Premierensendung deshalb nur mit dem, was man heute gerne Randsportarten nennt. „Handballländerspiele der Frauen, Amateurstraßenrennen, Rudern, die Europameisterschaft der Sandbahnfahrer und Trabrennen“, zitiert Fassbender aus dem ersten Sendeplan.

DFB befürchtete, die Leute würden nicht mehr in die Stadien kommen

Fußball kommt erst nach gut als zwei Monaten hinzu. Ausschnittsweise. Altona 93 gegen Tasmania Berlin ist die erste Begegnung. Zwei Jahre später startet die Bundesliga, doch es dauert noch einmal zwei weitere Jahre, bis die Sportschau auf den Samstag wechselt und die aktuelle Berichterstattung ausweitet. Wobei „ausgeweitet“ relativ ist. Denn in den ersten Jahren gibt es nur Zusammenschnitte von jeweils zwei Begegnungen. „Der DFB befürchtete, die Leute würden nicht mehr in die Stadien kommen, wenn zu viel Fußball im TV zu sehen ist“, erinnert sich Faßbender.

Zu einer Institution wird die Sportschau dennoch – und ihre Moderatoren zählen schnell zu den bekanntesten TV-Gesichtern der Nation. Allen voran Ernst Huberty, der Mann mit dem tiefliegendem Klappscheitel und den endlosen Anmoderationen. Und natürlich Adolph „Addy“ Furler, der die Zuschauer vor dem Bildschirm in die Welt des Pferdesports einführte - ob sie das wollten oder nicht. Überhaupt kann man Moderation und Kommentierung der Anfangsjahre eher „behäbig“ nennen. Wenn man freundlich ist.

1992 verliert die Sportschau die Bundesligarechte an SAT1

Dem Erfolg der Sendung schadet das nicht. Lange Zeit schalten bis bis zu 15 Millionen Zuschauer ein. Familien entzweien sich, weil seit den späten 1960er Jahren zeitgleich „Daktari“ oder „Raumschiff Enterprise“ im ZDF laufen. Und wer sich Feinde fürs Leben schaffen will, muss in den 45 Minuten zwischen Abpfiff und Sportschau nur die Endergebnisse hinausposaunen.

Doch 1992 verliert die Sportschau die Bundesligarechte an SAT1. Aus der Fußball-Schau wird dort eine Fußball-Show. „Eine harte Zeit“, erinnert sich Faßbender. Erst 2003 geht sie zu Ende. Da kehrt der Fußball zurück in die ARD und die Sportschau kann über den Lieblingssport der Deutschen endlich wieder so berichten, wie ihr Chef es gerne hat. „Kompetent, kompakt und kurzweilig.“ Und mit so vielen Kameras in den Stadien, wie nie zuvor. Bis zur Saison 2012/2013 wird das so bleiben. Dann laufen die derzeitigen Verträge aus.

Skandale hat es in den 50 Jahren nicht gegeben in der Sportschau, sieht man davon ab, dass Ernst Huberty 1982 über eine Reiseabrechnung mit zu hohen Spesen stolperte und trotz Proteste vieler Zuschauer ins dritte Programm abgeschoben wurde. Vor dem Bildschirm aber spielten sich oft Dramen ab. Manchmal sogar Verbrechen, wie der Fall des „Sportschau-Mörders“ belegt. Er erdrosselte einst seine Ehefrau mit dem Schlauch des Staubsaugers, den sie gerade eingeschaltet hatte. Im Wohnzimmer, direkt neben dem Fernseher. Samstags, um 18 Uhr.

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