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„Disenchantment“: Das Märchen um die Antiheldin geht weiter

Entschlossener Blick: „Disenchantment“-Heldin Bean.

Entschlossener Blick: „Disenchantment“-Heldin Bean.

Foto: 2019 The Ululu Company

Berlin.   „Disenchantment“ von Simpsons-Erfinder Matt Groening setzt im zweiten Teil aufs Weitererzählen eines großen Fantasy-Epos.

Während sich die „Simpsons“ längst in einem ewigen Kreislauf selbstreferenzieller Belanglosigkeit bewegen, hat sich ihr Erfinder Matt Groening mit der vor einem Jahr beim Streamingdienst Netflix angelaufenen Serie „Disenchantment“ zu neuen Ufern aufgemacht. Und die ersten zehn Folgen, genannt „Teil 1“, waren ein vielversprechender Neuanfang. Nachdem Groening mit „Futurama“ das Science-Fiction-Genre aufs Korn genommen hatte, stand nun ein großes Fantasy-Epos auf dem Programm.

Eine rebellische Prinzessin prägt „Disenchantment“

Die Heldin von „Disenchantment“, Bean, genauer Tiabeanie, ist eine rebellische, saufende Prinzessin, die – um es kurz zu machen – am Ende des ersten Teils gemeinsam mit ihren Begleitern, Halbelf Elfo und Dämon Luci, ihre zu Stein verwandelte Mutter wiederbelebte, woraufhin diese das Königreich in Stein verwandelte. Warum, das sollen nun zehn weitere Folgen klären.

Ganz zu Beginn des zweiten Teils macht sich Bean daher mit ihrer Mutter in das Königreich Maru auf – um dort herauszufinden, dass sie Teil einer Prophezeiung ist, um Maru zu retten. Doch sie kann einer Opferzeremonie entfliehen und kehrt zurück nach Dreamland, wo es ihr gelingt, die versteinerten Bewohner zurückzuverwandeln. Danach geht die Serie aber zunächst recht anekdotenhaft weiter. Das ist etwas schade, denn zu viele Fragen sind noch offen ...

Mittelalter trifft auf Dampfmaschine

„Disenchantment“ ist weniger Persiflage aufs Fantasy-Genre als eine unterhaltsame Märchen-Serie. Die feministische Prinzessin, der ignorante König, Drachen, Zaubertränke, Magie und Fantasiewesen sind allesamt Stilfiguren, die benutzt, aber selten gebrochen werden. Und das Setting erinnert weniger an „Game of Thrones“ als an die 90er-Jahre-Fantasy-Märchenwelt der „Fantaghirò“-Filme, was allerdings nicht das Schlechteste ist.

Der typische Groening-Humor steckt im Detail, etwa wenn der König, dessen Exfrau eine Amphibie ist, auf den Hinweis, es gebe Frauen wie Fische im Meer, nur antwortet „Als ob ich noch mal eine Fischfrau heirate“ und sich prompt in ein Wesen verliebt, das halb Frau, halb Bär ist. Oder wenn die Elfen nach Dreamland ziehen und dort ein Viertel gründen, die Elfenallee – mit Sternerestaurant „Le Prechaun“.

Crossover aus Mittelalter und Fantasy

Immerhin: Gegen Ende nehmen Folgen und Story wieder Fahrt auf und Tiabeanie begibt sich (in Anspielung auf den Sci-Fi-Klassiker „Westworld“?) ins benachbarte Königreich Steamworld – ein Ausflug in ein völlig anderes Genre, in dem Schusswaffen existieren.

Das gelungene Crossover zwischen Mittelalter- und Dampfmaschinenfantasy zeigt, dass Groening offenbar nach wie vor bereit ist, die Grenzen des Erwartbaren zu überschreiten und zu überraschen. Und man darf hoffen, dass die Geschichte um die Prophezeiung in der für 2020 bereits angekündigten zweiten Staffel weitererzählt wird.

Disenchantment
10 Folgen à ca. 25 Min.,
Onlinestreaming, Netflix
FSK k. A., Wertung: 3 / 5 Punkte

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