TV-Kritik

„Die Bestatterin“ – Dunkler Humor auf der Alb

Lisa (Anna Fischer) und Kommissar Zellinger (Christoph Letkowski) warten gespannt auf das Ergebnis der Gerichtsmedizin.

Lisa (Anna Fischer) und Kommissar Zellinger (Christoph Letkowski) warten gespannt auf das Ergebnis der Gerichtsmedizin.

Foto: ARD Degeto/SWR/Daniel Schmid

Essen.   Großartig aufgelegte Darsteller und schwäbische Mundart machen die ARD-Komödie „Die Bestatterin“ zu einer gelungenen TV-Produktion.

Gestorben wird immer – nur nicht überall. „Ist nicht mal wieder einer tot?“, quengelt Hannes Taubenbaum (Frederik Bott) in schönstem schwäbischem Tonfall, „ich will endlich mal wieder einen Sarg nagele!“ Der etwas unterbelichtete Hannes, seine energische, querköpfige Schwester Lisa (Anna Fischer) und der seit einem Autounfall auf den Rollstuhl angewiesene Vater (Hartmut Volle) betreiben in einem Dorf auf der Schwäbischen Alb ein Bestattungsunternehmen, und dessen Geschäfte gehen ausgesprochen schlecht.

Doch wenn die Not am größten, ist die Hilfe am nächsten. Kurz hintereinander werden gleich zwei Ableben vermeldet. Ein Jägersmann, der örtliche Bankchef, hat sich im Suff offenbar versehentlich selbst erschossen. Und Großmutter Wertbacher hat beim Radeln einen tödlichen Herzinfarkt erlitten. Tragische Unfälle, da sind Dorfarzt und Dorfgendarm sicher.

Mundart gibt dem Geschehen einen besonderen Charme

Einen Heimatkrimi nennt die ARD ihren TV-Spielfilm „Die Bestatterin“. Die enge dörfliche Gemeinschaft, in der jeder jeden kennt und in die Lisa nach dem Tod der Mutter zurückgekehrt ist, spielt eine nicht unbedeutende Rolle. Und das Mundartliche, das den großartig aufgelegten Darstellern so unglaublich leicht von den Lippen geht und das mit Blick auf die Verständlichkeit in anderen Sprachregionen nur unwesentlich entschärft ist, verleiht dem Geschehen einen besonderen Charme. Doch so leicht, locker und lustig, wie man vermuten könnte, geht es auf der Alb eben nicht zu. Der schwarze Humor, mit dem Arne Nolting und Jan Martin Scharf ihr überzeugendes Drehbuch grundiert haben und der von Nachwuchsregisseurin Isabel Braak pointensicher ausgekostet wird, erfüllt einen dramaturgischen Zweck. Das Komische, das Schräge etwa bei Lisas misslingenden Dating-Versuchen ist immer auch ein Dreh- und Angelpunkt, an dem die Handlung schwungvoll in eine neue Richtung abdriftet. Konsequent wird der Zuschauer im Ungewissen gehalten. Jeder glaubhafte Handlungsstrang, jede an sich logische Entwicklung führt in die Irre und sogar ins örtliche Bordell. Es geht um Erbstreitigkeiten und krumme Bankgeschäfte, um Unfallflucht und polnische Erntehelfer…

Spannung steigt kontinuierlich an

Die Spannung steigt kontinuierlich, weil bis kurz vor dem schlüssigen Ende nichts auf die Identität des Mörders hinweist. Denn um Mord handelt es sich. Das steht fest, seit Lisa bei der Aufbahrung der Großmutter merkwürdige Flecken am Hals der Toten entdeckt hat. Würgemale? Sicherheitshalber zieht sie – noch so ein köstlicher Einfall von Buch und Regie – ein illustriertes Pathologiehandbuch zu Rate, um schließlich ihren Verdacht an die Kripo Stuttgart zu melden. Von dort rückt Kommissar Zellinger (Christoph Letkowski) an, und aus den Ermittlungen des ebenfalls energischen, querköpfigen Großstadt-Cops will und kann sich Lisa natürlich nicht heraushalten. Zumal auch der Bankdirektor offenbar ermordet wurde. Zwischen den Taten muss ein direkter Zusammenhang bestehen, doch der ist weit und breit einfach nicht zu finden.

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